Anhaltende Probleme für Geier und Adler

Die Veranstaltung Champions of the Flyway ist inzwischen fast schon zur Tradition geworden. 2014 aus der Taufe gehoben, um das Birdwatching zu fördern und gleichzeitig Gelder für den Vogelschutz bereitzustellen, treffen sich seither alljährlich im März Birdwatcher aus aller Welt im Süden Israels, um sich einem 24-stündigen Birdwatching-Marathon zu stellen, bei dem es darum geht, möglichst viele Vogelarten zu registrieren und das gemeinschaftliche Beobachten zu pflegen. Die Zeit dafür im Frühjahr ist günstig, ziehen doch bereits viele Vogelarten auf dem Weg in ihre nördlichen Brutgebiete über den Sinai und rasten teilweise in günstigen Grünstreifen und Wasserstellen entlang der Wüste. In Israel sind sie dabei vor menschlichen Nachstellungen sicher.

Leider lauern aber auch hier Hauskatzen in den Stadtparks von Eilat auf die vom Wüstenüberflug völlig erschöpften Vögel und töten viele davon. Noch schlimmer ergeht es den Zugvögeln in einigen benachbarten Ländern am Mittelmeer, wo sie massenhaft in Netzen gefangen und zu Tode gequält oder zum Spaß vom Himmel geschossen werden.

Gegen dieses Abschlachten wendet sich die international ausgerichtete Veranstaltung und hat in den vergangenen 5 Jahren insgesamt 350.000 USD an Fördermitteln gesammelt, die direkt zur Aufklärung der örtlichen Bevölkerung in Serbien, Zypern, Griechenland und der Türkei eingesetzt wurden.

Während bislang die Massaker an den Zugvögeln überwiegend im mediterranen Bereich adressiert wurden, galt die Aufmerksamkeit dieses Jahr den Geiern in Afrika.

Diese sind inzwischen hochgradig gefährdet, denn sie erwartet dasselbe Schicksal, dem bereits fast die gesamte Geierpopulation in Indien zum Opfer fiel: Die Massenvergiftung durch medikamentenverseuchte Nahrungstiere.

Das bei Mensch und Rind schmerzlindernde und entzündungshemmende Diclofenac ist hochtoxisch für Vögel und rafft alle Greifvögel dahin, die auf das Fressen von kontaminierten Kadavern angewiesen sind. Dabei haben die Geier in den betreffenden Ländern eine wichtige Funktion als Gesundheitspolizei.

Nach den Geiern in Indien ist nun die  gesamte in Asien überwinternde Population des Steppenadlers an der Reihe und Experten gehen davon aus, dass alle in Asien überwinternden Steppenadler bereits in den nächsten Jahren vollständig ausgerottet sind, wenn nicht schleunigst geeignete Gegenmaßnahmen seitens der Regierung vornehmlich in Indien, aber auch in Pakistan in die Wege geleitet werden. Auch im afrikanischen Rift Valley ist die Situation für die Geier nicht ansatzweise besser. Deshalb ging ein von Nabu und Zeiss aus Deutschland gesponsertes Team von BirdLife Kenia in Israel an den Start.

Der von allen gemeinsam gesammelte Betrag von 80.000 USD wird direkt dafür verwendet, Vergiftungen von Geiern in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden gezielt zu unterbinden und umfassende Aufklärung in der Bevölkerung vor Ort zu betreiben.

Bemerkenswert war der Ausgang des Birdrace, wobei es ganz besonders erfreulich war, dass die Sieger in diesem Jahr keine erfahrenen Senioren unter den Vogelbeobachtern waren, sondern das Jugendteam „Spectacled“, deren Energie und Beharrlichkeit schließlich zum Erfolg geführt hat.

 

Mit 173 Vogelarten innerhalb eines Tages wurden etwas weniger Vögel beobachtet als in den Jahren zuvor, was auch auf den drastischen Rückgang in unserer Vogelwelt hinweisen könnte.

Als weitere Besonderheit darf ein sehr selten vorkommender melanistischer Flamingo gelten, welcher sich während der gesamten Veranstaltung in den Salinen nördlich von Eilat aufhielt. Dieser individuell charakteristisch gezeichnete Vogel wurde bereits 2014 in Eilat gesehen und in den Folgejahren in der Türkei und auf Zypern beobachtet, bevor er nun wieder nach Eilat zurückkehrte.

Daneben bekamen die Teilnehmer im Birdwatching Center von Eilat weitere attraktive Vogelarten zu Gesicht. Tausende ziehender Steppenbussarde und Schwarzmilane lieferten ein eindrucksvolles Schauspiel am Himmel und gelegentlich gesellte sich auch ein Zwergadler, Fischadler oder ein aus Afrika in die asiatische Steppe zurückziehender Steppenadler dazu.

Auch seltene Arten waren dieses Jahr rar.

Bei den Birdwatchern besonders gefragt war jedoch der Schopfwespenbussard, welcher fast täglich über dem Veranstaltungsmittelpunkt, dem IBRCE (International Bird Ringing Center Eilat) erschien und von allen teilweise stundenlang geduldig wartenden Birdwatchern schließlich auch beim Überflug gesehen werden konnte.

Der Vogel ist erst seit wenigen Jahren Wintergast in Eilat und stammt nicht wie der Wespenbussard aus Europa, sondern aus Asien. Die örtlichen Ornithologen vermuten, dass die Vögel den hier eingewanderten asiatischen Bienen gefolgt sind und sich zumindest teilweise von diesen ernähren.

Wochenlang zeigte sich ein Kleines Sumpfhuhn aus nächster Nähe vor einem der Beobachtungsstände. Gelegentlich rüttelte der altbekannte Graufischer über der für die Vögel eingerichteten Wasserfläche und Zwergdommeln bewegten sich schleichend durch das Schilf.  Bis zu 80 Rotflügel-Brachschwalben versammelten sich auf dem angrenzenden Damm, vor dem 13 Odinshühnchen in gewohnter Eifrigkeit nach Nahrung suchten. Auch der um Eilat allgegenwärtige Spornkiebitz zählt zu den Arten, die man in Deutschland nicht alle Tage zu Gesicht bekommt.