Test Driven Development für Blazor-Webkomponenten mit bUnit

Im vorherigen Artikel wurde das Blazor-Framework vorgestellt, mit dem mit C# Web-UIs erstellt werden können. In diesem zweiten Artikel wollen wir uns eine Test-Bibliothek ansehen, die in den Top10 der NuGet-Downloads für Blazor rangiert [1].

bUnit ist eine Bibliothek, mit der Unit Tests für Blazor-Komponenten erstellt werden. Sie ist seit 2021 als stabile Version verfügbar [2] und wird in der offiziellen Blazor-Dokumentation für Komponententests empfohlen [3].

Die Dokumentation für bUnit findet sich unter https://bunit.dev/

Razor-Syntax für eine Web-UI mit C# statt JavaScript

Alle Bausteine einer Blazor-App sind Razor-Komponenten mit der Dateiendung .razor. Darin wird die Website oder ein Teil davon in der sogenannten Razor-Syntax beschrieben. Das ist ein Mix aus HTML, speziellem Razor-Markup und C#. CSS wird zum Stylen verwendet.

Die klassische Blazor-Demo-Seite mit einem Zähler sieht so aus:

@page "/counter"

<PageTitle>Counter</PageTitle>

<h1>Counter</h1>

<p role="status">Current count: @currentCount</p>

<button class="btn btn-primary" @onclick="IncrementCount">Click me</button>

@code {
    private int currentCount = 0;

    private void IncrementCount()
    {
        currentCount++;
    }
}

Abbildung 1: Seite Counter.razor

In diesem Beispiel ist HTML und C# in einer Datei enthalten. Für komplexere Komponenten ist es hilfreich, beides voneinander zu trennen, indem eine code-behind-Datei angelegt wird. Die Datei für unsere Komponente Counter.razor heißt dann Counter.razor.cs. Der Compiler verknüpft die beiden Dateien automatisch miteinander, sodass uns IntelliSense beim Programmieren auf die Sprünge hilft.

Um die Code-Ausschnitte in diesem Artikel kürzer zu halten, wurde für alle Beispiele Markup und C# mit einer code-behind-Datei getrennt.

Komponenten in Blazor: Razor Components

Um Elemente zu kapseln und wiederverwendbar zu machen, realisiert man Funktionalitäten in Komponenten. Diese enthalten nur das Markup und den Code für eine einzelne Funktionalität. In der Website werden dann nur Komponenten eingefügt und eventuell Parameter und Callbacks angebunden. Komponenten können in eine Library verschoben und als NuGet-Pakete bereitgestellt werden.

Das Beispiel zeigt den gleichen Counter, nachdem er in einer Komponente CounterComponent.razor gekapselt wurde. Das visuelle Ergebnis im Browser ist gleich.

@page "/counter"
@using BlazorWasmTemplateApp.Components
<PageTitle>Counter</PageTitle>

<h1>CounterComponent</h1>
<CounterComponent/>

Abbildung 2: Seite Counter.razor mit Komponente

<p id="currentCount" role="status">Current count: @currentCount</p>

<button id="incrementCountButton" class="btn btn-primary" @onclick="IncrementCount">Click me</button>

Abbildung 3: Markup für Counter-Komponente CounterComponent.razor

using Microsoft.AspNetCore.Components;

namespace BlazorWasmTemplateApp.Components
{
    public partial class CounterComponent : ComponentBase
    {
        private int currentCount = 0;

        private void IncrementCount()
        {
            currentCount++;
        }
    }
}

Abbildung 4: Code für Counter-Komponente CounterComponent.razor.cs

Unit Tests für die UI

Üblicherweise wird die UI einer Anwendung mit Ende-zu-Ende-Tests (E2E) überprüft. In der Web-Entwicklung kommen dafür Frameworks wie Selenium oder Playwright zum Einsatz. Diese Tests starten die gesamte Anwendung, rendern sie in einem Browser und führen dann die Testschritte durch. In solchen Tests wird eine Funktionalität oft durch die gesamte Anwendung hindurch getestet. Aufgrund der Komplexität sind E2E-Tests oft wartungsintensiv und langsam. Daher ist die allgemein anerkannte Empfehlung, nur einige wenige E2E-Tests und viele Komponententests zu schreiben (Testpyramide, siehe [4]).

Wenn man die UI testgetrieben nach den Prinzipien von Test Driven Development (TDD) entwickelt oder eine Benutzeroberfläche mit umfangreicher Logik programmiert, benötigt man viele Tests, die in kurzer Zeit ausgeführt werden. Daher hat es in solchen Fällen Nachteile, wenn man ausschließlich auf E2E-Tests setzt. bUnit-Tests sind das Gegenteil zu E2E-Tests, sie sind übersichtlich, isoliert voneinander und vor allem schnell. Ein Test benötigt oft nur einige Millisekunden für die Ausführung und fühlt sich an wie ein Unit Test im Backend.

bUnit ist auch eine gute Wahl, wenn man eine Bibliothek von Razor-Komponenten aufbaut. Nicht umsonst finden sich unter den Hauptsponsoren von bUnit Firmen wie Progress Telerik und Syncfusion, die u.a. Bibliotheken von Blazor-UI-Komponenten vertreiben.

Unit Tests für die UI mit bUnit sind also eine gute Ergänzung zu E2E-Tests, um Details der UI zu testen.

Erste Schritte mit bUnit

Vorbereitungen

bUnit ist kein Framework, sondern auf die Test Runner xUnit, NUnit oder MSTest angewiesen. Für die Beispiele in diesem Artikel wird xUnit verwendet. Die Ausführung der Tests erfolgt wie gewohnt über die IDE oder über die Kommandozeile mit dotnet test.
Da wir mit bUnit Razor-Komponenten testen wollen, müssen wir das SDK in der Projektdatei unseres Testprojekts auf Microsoft.NET.Sdk.Razor ändern. Details dazu finden sich in der bUnit-Dokumentation unter [5].

bUnit ist mit Test-Projekten in der Version .NET Standard 2.1 und mit allen .NET Core-Versionen ab 3.1 kompatibel.

Tests können in reinem C# oder in Razor-Syntax programmiert werden. Aus Gründen der Verständlichkeit wird ausschließlich die Variante mit C#-Code gezeigt. Mit Razor-Syntax ist es etwas einfacher, Parameter und Callbacks zu übergeben und HTML direkt mit einem erwarteten Markup zu vergleichen. Da ein Vergleich von HTML aber zu schlecht wartbaren Tests führt, ist dieser Vorteil der Razor-Syntax in der Praxis unwichtig.

Der erste Test

Wie könnte ein Test unserer CounterComponent aussehen? Wir wollen überprüfen, ob unser Zähler im Ausgangszustand 0 und nach einem Klick 1 anzeigt.

using Bunit;

namespace Tests
{
    public class CounterComponentTests : TestContext
    {

        [Fact]
        public void CurrentCount_IsZero_ByDefault()
        {
            //Arrange
            var componentUnderTest = RenderComponent<CounterComponent>();

            //Act
            AngleSharp.Dom.IElement paragraph = componentUnderTest.Find("#currentCount");

            //Assert
            Assert.Equal("Current count: 0", paragraph.InnerHtml);
        }

        [Fact]
        public void CurrentCount_Increases_WhenButtonClicked()
        {
            //Arrange
            var componentUnderTest = RenderComponent<CounterComponent>();
            AngleSharp.Dom.IElement button = componentUnderTest.Find("#incrementCountButton");

            //Act
            button.Click();

            //Assert
            AngleSharp.Dom.IElement paragraph = componentUnderTest.Find("#currentCount");
            Assert.Equal("Current count: 1", paragraph.InnerHtml);
        }
    }
}

Abbildung 5: Einfacher Test der CounterComponent

Die generische Methode RenderComponent<TComponent>() mit TComponent als Typ der zu testenden Komponente erstellt ein Rendering. Dieses Rendering unserer CounterComponent mit seinen Attributen, Methoden und Eigenschaften entspricht der Darstellung der Komponente in einem Browser.

Um Interaktionen durchzuführen und den Inhalt des Renderings zu überprüfen, können wir Elemente mit der Methode Find() identifizieren. Diese Methode erwartet einen CSS-Selektor vom Typ string als Parameter. Ein CSS-Selektor ist ein Filter für die Elemente in einem HTML-DOM, der nach CSS-Klassen, Attributen, IDs oder HTML-Element-Typen filtern kann. Eine gute Referenz für CSS-Selektoren findet sich unter [6].

Der CSS-Selektor ‚#‘ filtert nach der ID des Elements. Der Selektor #currentCount filtert also das Element mit id=“currentCount“ heraus, das in unserer Beispielkomponente den aktuellen Wert des Zählers enthält.

Um zu ermitteln, ob unser Test erfolgreich ist, vergleichen wir den HTML-Inhalt mit einem erwarteten Text. Solche Tests sind fragil und wartungsintensiv, aber ein gutes Demo-Beispiel.

Komponenten mit Parametern testen

Wie sieht ein Test für eine Komponente mit Parametern aus? Dazu erweitern wir unsere CounterComponent um einen Parameter, mit dem wir den Startwert setzen können. Da wir unsere Komponente testgetrieben entwickeln wollen, fügen wir als erstes einen neuen Test hinzu. Darin nutzen wir eine Überladung der Methode RenderComponent() mit der man per Lambda-Ausdruck Parameter an einen ParameterBuilder übergibt.

Da wir testgetrieben vorgehen und es den Parameter StartValue in unserer CounterComponent noch gar nicht gibt, ist unser Test jetzt noch nicht kompilierbar.

[Fact]
public void CurrentCount_IsNotZero_WhenStartValueSet()
{
    //Arrange
    int startValue = 42;
    var componentUnderTest = RenderComponent<CounterComponent>(
        parameterBuilder => parameterBuilder.Add(param => param.StartValue, startValue));

    //Act
    AngleSharp.Dom.IElement paragraph = componentUnderTest.Find("#currentCount");

    //Assert
    Assert.Equal("Current count: " + startValue, paragraph.InnerHtml);
}

Abbildung 6: Test für unsere Komponente mit einem Parameter

Damit der Test kompiliert, müssen wir unsere Komponente CounterComponenterweitern. Im ersten Schritt fügen wir das Property StartValue vom Typ inthinzu und versehen es mit dem Attribut Parameter. Jetzt kann unsere Komponente kompiliert werden. Anschließend führen wir unseren neuen Test aus und sehen, dass er fehlschlägt. Wir befinden uns also noch in der roten Phase des Red-Green-Refactor-Zyklus von TDD und müssen die Implementierung anpassen. Dazu initialisieren wir unsere Variable currentCountin der Methode OnParametersSet(). Diese Methode wird von Blazor aufgerufen, nachdem die Parameter an eine Komponente übergeben wurden. Jetzt können wir den Test erneut ausführen und sehen, dass er erfolgreich ist. Wir sind also in der grünen Phase unseres TDD-Zyklus. Wir verzichten hier auf Änderungen in der Refactoring-Phase eines TDD-Zyklus.

Die code-behind-Datei unserer Komponente sieht nun so aus:

using Microsoft.AspNetCore.Components;

namespace BlazorWasmTemplateApp.Components
{
    public partial class CounterComponent : ComponentBase
    {
        [Parameter]
        public int StartValue { get; set; } = 0;

        private int currentCount = 0;

        protected override void OnParametersSet()
        {
            currentCount = StartValue;
        }

        private void IncrementCount()
        {
            currentCount++;
        }
    }
}

Abbildung 7: Die um einen Parameter erweiterte Komponente

Komponenten mit Events testen

Ein weiteres typisches Element von Razor-Komponenten sind Events. Nehmen wir an, dass unsere Website informiert werden möchte, wenn sich der Wert unseres Zählers ändert. Dazu erweitern wir unsere Tests abermals um den folgenden Test:

[Fact]
public void OnCountIncremented_WasInvoked_WhenButtonClicked()
{
    //Arrange
    bool isEventInvoked = false;
    var componentUnderTest = RenderComponent<CounterComponent>(
        parameterBuilder => parameterBuilder
.Add(param => param.OnCountIncremented, () => isEventInvoked = true));

    AngleSharp.Dom.IElement button = componentUnderTest.Find("#incrementCountButton");

    //Act
    button.Click();

    //Assert
    Assert.True(isEventInvoked);
}

Abbildung 8: Test für unsere Komponente mit einem Event

Auch hier ist unser Test noch nicht kompilierbar. Daher ergänzen wir unsere Komponente. Wir fügen das neue Property OnCountIncremented vom Typ EventCallback hinzu und versehen es wie gehabt mit dem Attribute Parameter. Jetzt ist unser Test kompilierbar, schlägt aber noch fehl. Damit im nächsten Schritt unser neuer Test erfolgreich ist, rufen wir den Callback in der Methode IncrementCount() unserer Component auf.

using Microsoft.AspNetCore.Components;

namespace BlazorWasmTemplateApp.Components
{
    public partial class CounterComponent : ComponentBase
    {
        [Parameter]
        public int StartValue { get; set; } = 0;

        [Parameter]
        public EventCallback OnCountIncremented { get; set; }

        private int currentCount = 0;

        protected override void OnParametersSet()
        {
            currentCount = StartValue;
        }

        private async Task IncrementCount()
        {
            currentCount++;
            await OnCountIncremented.InvokeAsync();
        }
    }
}

Abbildung 9: Die um einen Event erweiterte Komponente

Subkomponenten

Razor-Komponenten können in sich wieder Razor-Komponenten enthalten (Subkomponenten). Mit bUnit ist es ist möglich, diese Subkomponenten im DOM zu finden, mit Parametern zu versehen, erneut zu rendern und Asserts durchzuführen. Ob solche Tests eine gute Idee sind, hängt vom Szenario ab. Um Abhängigkeiten zu verringern, ist es mit bUnit möglich, Komponenten durch Test Doubles zu ersetzen. Das kann vor allem beim Einsatz von Bibliotheken eines Drittanbieters nützlich sein.

Dependency Injection

Neben Parametern und Events ist es in Razor-Komponenten üblich, Abhängigkeiten durch Dependency Injection zu injizieren. Das Blazor-Framework nutzt dafür die Dependency Injection von ASP.NET Core. bUnit macht deshalb die Services-Kollektion in der Basisklasse TestContext verfügbar, die aus ASP.NET Core bekannt ist. Dort können Test Doubles registriert werden, bevor die Komponente gerendert wird. Für Abhängigkeiten wie IJsRuntime, HttpClient, NavigationManager etc., die den Komponenten normalerweise automatisch durch ASP.NET Core bereitgestellt werden, gibt es Anleitungen für Test Doubles in der Dokumentation von bUnit.

Fazit

Mit bUnit gibt es auch für Blazor eine Möglichkeit, um Komponenten isoliert, schnell und ohne E2E-Tests unter die Lupe zu nehmen. Damit steht für Blazor-Entwickler ein wichtiges Tool zur Verfügung, um mit Tests die Wartbarkeit der Blazor-App sicherzustellen. Außerdem wird es möglich, auch die UI testgetrieben zu entwickeln. Damit steht Blazor auch in diesem Aspekt anderen SPA-Frameworks in nichts nach.

Quellen

[1] nuget.org. [Online]. Available: https://www.nuget.org/packages?q=Tags%3A%22Blazor%22&sortby=totalDownloads-desc. [Zugriff am 22 Juni 2023].

[2] E. Hansen, „bUnit Releases,“ GitHub, [Online]. Available: https://github.com/bUnit-dev/bUnit/releases?page=3. [Zugriff am 22 Juni 2023].

[3] L. Latham, R. Anderson und GitHubPang, „Test Razor components in ASP.NET Core Blazor,“ Microsoft Learn, 04 April 2023. [Online]. Available: https://learn.microsoft.com/en-us/aspnet/core/blazor/test. [Zugriff am 22 Juni 2023].

[4] M. Cohn, Succeeding with Agile: Software Development Using Scrum, Addison-Wesley, 2009.

[5] E. Hansen, „Creating a new bUnit test project,“ bUnit, 7 April 2023. [Online]. Available: https://bunit.dev/docs/getting-started/create-test-project.html. [Zugriff am 22 Juni 2023].

[6] Refsnes Data, „CSS Selector Reference,“ W3Schools, [Online]. Available: https://www.w3schools.com/cssref/css_selectors.php. [Zugriff am 22 Juni 2023].

[7] E. Hansen, „bUnit Documentation,“ 2023. [Online]. Available: https://bunit.dev/docs/getting-started/index.html. [Zugriff am 22 Juni 2023].

Test Driven Development am Beispiel

Bezieht man sich bei der testgetriebenen Entwicklung nur auf die blanke Theorie, so bleiben die eigentlichen Vorteile häufig zu abstrakt. An dieser Stelle helfen Code Katas. Dies sind einfache Aufgaben, die es uns ermöglichen Dinge zu üben, die für die alltäglichen Probleme oft viel zu komplex sind.

Im nachfolgenden Video wird deshalb die sehr einfache Code Kata “FizzBuzz” gelöst. Die damit verbundene Aufgabe ist, Zahlen in Zeichenketten zu wandeln. Ist die eingegebene Zahl dabei durch 3 teilbar, so soll statt der Zahl ein “Fizz” zurück gegeben werden. Ist sie hingegen durch 5 teilbar, so erfolgt die Rückgabe des Wortes “Buzz”. Wenn die Zahl hingegen durch 3 und 5 teilbar ist, so ist das Konvertierungsergebnis “FizzBuzz”. Auf diese Weise soll gezeigt werden wie produktiv man mit den entsprechenden Werkzeugen arbeiten kann und wie sehr die so entstandene Testabdeckung bei der Refaktoriserung des Quellcodes hilft.

Test Driven Development

Die Nutzung von agilen Methoden ist kein uneingeschränkter Garant für bessere Software. Der Grund dafür ist, dass viele der klassischen Verfahrensweisen zur Qualitätssicherung im agilen Kontext vor einer Bewährungsprobe stehen. Denn wie soll in einem System mit häufigen Änderungen auf Dauer sichergestellt werden, dass die bereits als funktionstüchtig geltenden Bestandteile nicht durch zukünftige Nachbesserungen wieder in einen undefinierten Zustand verfallen?

Während das Wasserfallmodell den Test erst zu Projektende vorsieht und auch im vielfach eingesetzten V-Modell (siehe Abbildung 1) eine zeitlich klar definierte Abfolge vorliegt, ist es im agilen Umfeld unabdingbar, dass Tests aufgrund der Häufigkeit in der sie ausgeführt werden, tunlichst immer unter den exakt gleichen Bedingungen und mit möglichst geringem Aufwand durchgeführt werden können. Darüber hinaus sollten sie nach Möglichkeit zeitnahe zur Umsetzung der zu testenden Funktionalität bereit stehen. Denn nur so kann gewährleistet werden, dass sie mit dem steten Wandel schritthalten.

Das V-Modell und die testgetriebene Entwicklung
Abbildung 1: Das V-Modell und die testgetriebene Entwicklung

Test Driven Development

Das größte Problem des klassischen Testens ist in diesem Zusammenhang also, dass es in aller Regel nachgelagert geschieht. Es wird erst dann ausgeführt, wenn es auch etwas zu testen gibt. Dies scheint auf den ersten Blick trivial, denn soll etwas getestet werden ist vermeintlich auch ein entsprechender Testgegenstand von Nöten.

Zwar können die Testfälle und ihre Daten aus der Spezifikation abgeleitet werden, ohne eigentlichen Testgegenstand gibt es bei der Ausführung aber scheinbar kein auswertbares Ergebnis. Genau dieses Dogma gilt für automatisierte Tests  nicht. Während die ständige manuelle Ausführung auf Dauer unbezahlbar würde, können automatisierte Tests getrost auch kurz vor der eigentlichen Implementierung verfasst, sowie ausgeführt werden und prüfen dann vorrübergehend nur eine Hülle des späteren Testgegenstandes. Eine Hülle wie sie beispielsweise von einer Schnittstellenbeschreibung vorgegeben ist.

In diesem Fall stellt der Test eine Art automatisierter Spezifikation dar, der Anforderungen zunächst nicht erfüllt werden (roter Beriech in Abbildung 2). Der Entwickler kann während der Implementierungsphase seinen Code gegen diese prüfen und erhält damit sofort ein Feedback ob seine Arbeit den Anforderungen entspricht. Ist dieser Status erreicht (grüner Bereich), hat er einen gesicherten Zustand des Quellcodes und kann jenen umstrukturieren (gelber Bereich). Bei neuen Anforderungen oder tiefgreifenden Änderungen schlagen die Tests erneut fehl (erneut roter Bereich) und müssen zunächst wieder korrekt erfüllt werden (erneut grüner Bereich).

Aus dieser einfachen Handlungsreihenfolge ergeben sich feingranulare Strukturen. Diese führen zu einer sehr hohen Testabdeckung, mit welcher Fehler frühzeitig gefunden und deren Behebung vereinfacht wird. Darüber hinaus werden Schnittstellen und deren Implementierung robuster als bei klassischen Verfahren definiert. Dies erlaubt erst die hohe Anpassungsfähigkeit des Quellcodes, welche für agile Softwareprojekte so essentiell wichtig ist.

Der Ablauf der testgetriebenen Arbeitsweise
Abbildung 2: Der Ablauf der testgetriebenen Arbeitsweise

Als eine der wichtigsten Eigenschaften von automatisierten Tests gilt darüber hinaus deren Lesbarkeit. Denn sie können im Grunde nicht nur als Prüfung der Funktionalität, sondern auch als eine Art Dokumentation der selbigen verstanden werden. Durch ihre Nähe zur Funktionalität die sie prüfen und ihrem klar strukturierten Aufbau, schildern sie das Verhalten des zu testenden Codes auf eine Weise wie es normal geschriebener Text nicht könnte. Da ihr eigenes Ergebnis überdies vollkommen abhängig vom Testgegenstand ist, teilen sie dem Betrachter automatisch mit wenn sie nicht mehr aktuell sind.

Behavior Driven Development

Diese Lesbarkeit erstreckt sich bei Komponententests jedoch einzig auf den Personenkreis der auch die entsprechende Programmiersprache versteht und das verwendete Testframework kennt. Domänenfremde Personen wie zum Beispiel Testmanager, Projektleiter oder sogar Endanwender können der feinen Granularität und Detailgenauigkeit nur wenig abgewinnen.

Eine zweite Unzulänglichkeit wird bei der Betrachtung des gesamten Entwicklungsprozesses offenbar. Mit TDD verfasste Tests sind hervorragend geeignet um Teile der Software anhand ihrer Spezifikation zu verifizieren, nicht aber um sie gegen die Akzeptanzkriterien zu validieren. Gerade diese sind es aber die befriedigt werden wollen und somit bei einer Überprüfung noch vor der Implementierung kommen sollten.

Aus diesen Gründen ist aus dem bekannten Test Driven Development das sogenannte Behavior Driven Development oder auch Acceptance Test Driven hervor gegangen. Bei diesem verschmelzen Tests und Spezifikation dank der Nutzung bestimmter Werkzeuge und Schlüsselworte so miteinander, dass die Testergebnisse in klarsprachlicher Weise ausgewertet werden können. Dazu wird insgesamt von der Beschreibung einzelner Funktionalitäten weg und zur Schilderung eines erwarteten Verhaltens (Behavior) hin gegangen. Auf diese Weise bedarf die Definition der einzelnen Testfälle keines Hintergrundwissens mehr zur Architektur des Programms, wodurch sie auch von Nichtentwicklern nachvollzogen werden kann und führt sogar soweit, dass häufig nicht einmal mehr von Testfällen sondern von Spezifikationen gesprochen wird.

Behaviour Driven Develoment kann nicht als eine Konkurrenz zum Test Driven Development verstanden werden. Denn ersteres dient vor allem der Validierung der Software sowie der Prüfung der Systemintegration, während letzteres der Verifikation  und damit der Sicherung von funktionaler Korrektheit dient. Demnach ist es durchaus sinnvoll beides in Kombination zu verwenden.

Aufwand

Durch die Besonderheit, dass neben der eigentlichen Produktentwicklung von Entwicklern auch das Schreiben der Tests erwartet wird, führt die testgetriebene Entwicklung zunächst zu einem höheren Aufwand, als dies bei klassischen Verfahren üblich ist. So muss eine entsprechende Infrastruktur geschaffen, weitere Werkzeuge erlernt und zusätzlicher Code geschrieben werden, der nicht sofort in nutzbaren Features mündet. Dies mag zunächst abschrecken, zeigt aber im Grunde nur den Aufwand, der andernfalls viel später im Projekt anfällt. Statt der Aufwände für lange Test- und Bugfixingphasen gegen Ende des Projekts, wird ein Großteil der Qualitätssicherung bereits zu einem Zeitpunkt vorbereitet, indem ein Projektteam durchaus noch komfortabel handeln kann. Dieser Aufwand wiederum sinkt mit zunehmendem Projektverlauf, da die Infrastruktur häufig nur einmal grundlegen erstellt und anschließend nur noch punktuell angepasst werden muss.

Ab wann lohnt sich TDD?
Abbildung 3: Ab wann lohnt sich TDD?

Fazit

Der Einsatz der in diesem Artikel vorgestellten Methoden stellt teilweise einen erheblichen Bruch mit den klassischen Vorgehensweisen in der Softwareentwicklung dar, ermöglicht jedoch eine Qualitätssicherung und Dokumentation wie sie sonst nur schwer möglich ist. So verrät die Software im Grunde selbst ihren aktuellen Ist-Stand ohne dass externe Ressourcen gepflegt werden müssen, die unter Umständen schnell veralten. Durch die Kombination der unterschiedlichen Ansätze kann dabei die Qualität und ein umfassendes Projektverständnis über alle Abstraktionsebenen hinweg sichergestellt werden.