Der Habicht ist ursprünglich ein Waldbewohner, welcher wie kaum ein anderer Vogel das Durchfliegen dicht bewachsener Baumbestände ebenso wie das Umfliegen von Hindernissen bei hoher Geschwindigkeit beherrscht.
Die außerordentliche Wendigkeit des Habichts, mitbedingt durch kurze Flügel und einen langen Steuerschwanz (Abb. 1), erlaubt ihm die Jagd auch in menschlichen Wohngebieten, in denen er die Deckung von Gebäuden geschickt zu nutzen vermag. So konnte er auch in einigen Großstädten wie Köln, Hamburg oder Berlin Fuß fassen und brütet teilweise sogar in hoher Dichte. Gründe dafür sind einerseits das in Großstädten günstigere Nahrungsangebot, andererseits aber ganz wesentlich die Tatsache, dass der Mensch dem Habicht dort weder mit Netzfallen aller Art, noch durch große Holzerntemaschinen oder Motorsägen zu Leibe rückt. Auch Vergiftung von Habichten kommt in Großstädten seltener vor als in den weiträumigen ländlichen Regionen Deutschlands.

Sehr günstig wirkt sich zudem aus, dass die Stadthabichte in kleineren und oft sogar lichten Baumbeständen ungestört einen Horst errichten können, wodurch der Brutplatz leicht zu finden und zu schützen ist. Außerdem wird im städtischen Bereich vermieden, Bäume innerhalb der Vegetationsperiode und damit in der Brutzeit zu fällen, während in den umliegenden Wirtschaftswäldern im Blick auf die wirtschaftliche Gewinnmaximierung oft keine Rücksicht auf die Brutzeit genommen wird. So gestalten sich die Zukunftsaussichten für Habichte außerhalb dieser wenigen Großstadtlebensräume als zunehmend schwierig und vielfach sogar lebensbedrohlich.
Denn hier sind, übrigens nicht nur der Habicht, sondern auch andere Vogelarten darauf angewiesen, in mehr oder weniger ausgedehnten Wäldern zu leben, welche zunehmend industrialisiert und zu Intensivholzplantagen umgeformt werden. Mit industriellen, bis zu 50 Tonnen schweren Holzerntemaschinen wird hier unter gewaltiger Bodenverdichtung auch während der Brutzeit in die Brutplätze vieler Arten eingegriffen und Horstbäume selbst oder die unmittelbar benachbarten deckungsgebenden Bäume ökologisch zerstört (Abb.2). Diese gewaltige Transformation wird zunehmend an sogenannten „Rückegassen“ erkennnbar (Abb. 3), welche mehr oder weniger rechtwinklig von den Hauptwegen aus im Abstand von 40 Metern und teilweise sogar nur 30 oder gar 20 Metern in die Wälder hineingeschlagen werden. Stark eingegriffen wird vor allem in die alten ökologisch besonders wertvollen Fichten- und Tannenbestände, aber auch altes Buchenholz wird verstärkt entnommen, welches zum großen Teil dann auch noch klimabelastend nach China transportiert wird.


Unter solchen Lebensbedingungen ziehen sich Habichte weit in die Wälder zurück und brüten hier in den ältesten geschlossenen Baumbeständen, soweit diese ausreichend dicht sind und die Anlage eines großen Horstes in möglichst großer Höhe erlauben. Nadelbäume wie Tanne, Lärche, aber auch Fichte und Kiefer werden den Laubbaumarten bevorzugt (Abb.4), stellen aber keinen limitierenden Faktor dar, da der Habicht auch auf Laubbaumarten wie Buche und Eiche zu brüten in der Lage ist. Essenziell ist jedoch eine stabile Unterlage für seinen großen Horst, dessen Durchmesser bis zu 1,5 Meter betragen kann. Allein schon daraus leitet sich die Vorliebe für über 70jährige bestandsbildende Althölzer ab. Da diese jetzt weiträumig eliminiert werden, entsteht nicht nur ein Problem für den Habicht, sondern beispielsweise auch für Wespenbussard, Milan, Schwarzstorch, Sperlings- und Raufußkauz, sowie diverse Spechtarten.

Die neue 48-seitige „Zeiss Edition zur Feldornithologie“ Ausgabe 4 behandelt den Lebensraum des Habichts in den Wäldern detailliert unter Berücksichtigung koexistierender Arten und anthropogener Einflüsse wie Forstwirtschaft und Freiland-Geflügelzucht.
Finanzstarke Großsägewerksbetreiber erhöhen ihre Gewinnspanne durch die Verarbeitung von Holz mit geringerem Stammdurchmesser unter 50-60 cm, wodurch die Bäume zukünftiger Holzplantagen nicht mehr älter als 60 bis 70 Jahre werden sollen. Moderne profitgerechte Sägemaschinen werfen nur bei ununterbrochener Auslastung maximale Gewinne für den Betreiber ab, weshalb die Forstbetriebe gezwungen werden könnten, Lieferpläne zu kontinuierlicher Lieferung zu unterschreiben. Damit wird jedoch das Holz nicht wie früher im Winter, sondern auch während der Brutzeit eingeschlagen, was unabdingbar den Tod zigtausender Tiere bedeutet. Abhilfe könnten Holz-Nasslager zur Überbrückung der Brutperiode bei den verarbeitenden Betrieben schaffen. Hohlphrasen wie „Es wird nur entnommen, was nachwächst“ sind gleichermaßen unsinnig wie falsch. Denn das macht der Intensiv-Maisanbau schon längst mit dem Unterschied, dass Mais dieselbe Höhe wie im Vorjahr erreichen darf, alte Bäume im Wald aber gefällt und die nachwachsenden, teilweise nicht einheimischen Bäume viel früher in profitgerechter geringerer Größe „geerntet“ werden sollen.
Schon jetzt ist der Brutbestand des Habichts auf einer Kontrollfläche von 700 km² in Oberschwaben auf die Hälfte zurückgegangen. Darüber hinaus sank der Bruterfolg verbliebener Brutpaare unter forstwirtschaftlicher Beeinträchtigung um 60% auf 40% gegenüber den ungestörten Paaren. Insgesamt stieg die Totalausfallrate von 20% um das Doppelte auf 40%. Gleichwohl zeigten die Forschungsergebnisse, dass der Habicht auch außerhalb nahrungsreicher Großstädte keineswegs an Nahrungsknappheit leidet, sondern vielmehr unter erhöhter forstwirtschaftlicher Brutplatzbeeinträchtigung und fortwährender Verfolgung durch Hobby-Taubenzüchter und Freiland-Hühnerhalter.
Schließlich hat die Erfindung des Hühnermobils im Zuge wachsender Nachfrage nach Freiland-Eiern seit der Jahrtausendwende zu einer Zunahme der Freiland-Hühnerhaltung geführt. Allen voran für Bio-Eier sollte unbedingt gelten und sogar gewährleistet sein, dass die Produktion umwelt- und naturfreundlich ohne Vernichtung von Greifvögeln und damit illegal vonstattengeht. Wer also Freilandeier oder sogar Bioeier genießen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass diese aus entsprechend naturverträglicher und nicht naturzerstörerischer Erzeugung stammen.