Gestreifte Rohrsänger

Die gestreiften Rohrsänger bereiten vielen Vogelbeobachtern in Mitteleuropa Bestimmungsprobleme. Überwiegend liegt das an fehlender Erfahrung, denn regelmäßig bei uns anzutreffen ist nur der Schilfrohrsänger. Die Verbreitungsgebiete der beiden anderen Arten, Mariskenrohrsänger und Seggenrohrsänger, grenzen lediglich südlich beziehungsweise östlich an den deutschsprachigen Raum an und sind dazu auch noch relativ selten. Hinzu kommt ihre versteckte Lebensweise in ausgedehnten Schilf- oder Seggensümpfen, wodurch sie außerhalb der doch recht kurzen Gesangsperiode schwer zu entdecken sind. Das gilt auch für rasternde Vögel während der Zugzeiten. Oftmals sind nur Teile des Vogels zwischen den Halmen ihres Lebensraumes erkennbar und der Beobachter muss ihn dann nach kurzer Beobachtungsphase geistig aus mehreren erkannten Teilen „zusammensetzen“, wozu ein gewisses Training und nicht zuletzt Erfahrung erforderlich ist. Vielen Ornithologen ist lediglich der in Deutschland verbreitete Schilfrohrsänger geläufig, welcher sich durch seinen im Frühjahr oftmals gezeigten Singflug bemerkbar macht. Er überwintert in Afrika südlich der Sahara und zählt somit zu den Weitstreckenziehern. Dementsprechend zeigt der Vogel eine lange Handschwingenprojektion, ganz im Gegensatz zu dem im südlichen bis südöstlichen Mitteleuropa beheimateten Mariskenrohrsänger, welcher nur eine kurze Flugstrecke bis zu seinem im Mittelmeerraum liegenden Überwinterungsquartier zurücklegen muss. Seine Flügel sind kürzer, ebenso die Handschwingenprojektion. Diese bezeichnet die Distanz zwischen der Spitze der Handschwingen und der Spitze der Armschwingen oder Schulterfedern am angelegten Flügel.

Abb. 1: Adulter Schilfrohrsänger

Die Grundtönung des Mariskenrohrsängers ist rötlichbraun. Aus der Ferne erscheint sein Scheitel nahezu einförmig schwarz. Aus der Nähe ist aber oft ein kurzer rötlichbrauner feiner Scheitelstreif zu erkennen. Der Überaugenstreif ist weiß und verbreitert sich im Gegensatz zum Schilfrohrsänger nach hinten. Typisch ist auch ein deutlich schwarzer schmaler Zügelstreif zwischen Schnabel und Auge, von dem nach unten ein dünner Wangenstreif abläuft. Die Ohrdecken des Mariskenrohrsängers sind grau bis bräunlich. Der ungestreifte rötlichbeige Brustbereich ist zur weißen Kehle meist scharf abgesetzt, wodurch diese meist auffällig in Erscheinung tritt. Wie beim Schilfrohrsänger ist der Bürzel nicht durch dünne längliche Strichel versehen, wie dies für den Seggenrohrsänger kennzeichnend ist. Die Beine des Mariskenrohrsängers sind dunkel. Er bewegt sich sehr gerne bodennah und erscheint am Schilfrand oft auch auf umgebrochenen Halmen. Charakteristisch für diese Art ist auch ein regelmäßig gezeigtes Zucken des Schwanzes, welcher häufig etwas angehoben gehalten wird. Bekannter Brutplatz mit mehreren tausend Brutpaaren ist übrigens der Neusiedler See im Osten Österreichs.

Abb. 2: Mariskenrohrsänger

Der Schilfrohrsänger zeichnet sich durch eine olivbraune Grundtönung aus. Die Brust der Altvögel ist ungestrichelt. Die bei uns im Herbst auftretenden Jungvögel haben jedoch überwiegend einen dunkel gestrichelten bis gefleckten Brustbereich. Der Bürzelbereich ist ungestrichelt wie beim Mariskenrohrsänger. Der etwas hellere, über die Mitte des Scheitels verlaufende Streif ist bei adulten Schilfrohrsängern relativ breit und dunkler als beim Seggenrohrsänger. Vorsicht ist jedoch bei jungen Schilfrohrsängern geboten. Diese zeigen oftmals einen helleren und schmalen Scheitelstreif, welcher an einen Seggenrohrsänger erinnert. Die Beine des Schilfrohrsängers sind in der Tönung variabel, aber nahezu immer heller als beim Mariskenrohrsänger.   

Abb. 3: Juveniler Schilfrohrsänger

Der Seggenrohrsänger ist der seltenste Sperlingsvogel Deutschlands und zählt davon abgesehen auch zu den seltensten Vögeln Europas.  Seine Grundtönung ist fahlbeige bis graubeige, womit er der hellste unter den betrachteten drei Arten ist. Der Rücken ist markant mit schmaler schwarzer Begrenzung eingefasster hellbeiger Streifung versehen und der Bürzelbereich ist fein dunkel gestrichelt. Der Brustbereich juveniler Seggenrohrsänger ist ungestrichelt. Bei adulten Vögeln zeigt sich hier jedoch in der Regel eine feine dunkle Strichelung verschiedener Intensität, welche sich in der Regel auch über die Flanken ausdehnt. Arttypisch ist weiterhin ein schmaler hellbeiger Streif über die Mitte des Scheitels, ebenso wie das Fehlen eines zwischen Auge und Schnabel verlaufenden dunklen Zügelstreifs. Ein solcher ist bei den beiden anderen Arten in der Regel deutlich vorhanden. Die Beine des Seggenrohrsängers sind hell, oft blaßrosa gefärbt. Die Handschwingenprojektion ist beim Seggenrohrsänger fast so stark ausgeprägt wie beim Schilfrohrsänger.

Abb. 4: Seggenrohrsänger

Er zieht von seinem osteuropäischen Brutgebiet im Herbst zunächst nach Westen über die Iberische Halbinsel und anschließend weiter nach Süden und Südosten in seine westafrikanischen Winterquartiere. Durch die am Ende doch sehr lange Zugstrecke muss auch der Seggenrohrsänger zu den Weitstreckenziehern gezählt werden. Zur Nahrungssuche bewegt sich der Vogel bodennah durch dichte Vegetation, ähnlich einem Schwirl, wodurch er sehr schwer zu sehen ist. Nur während des Gesangs bewegt sich der heimliche Vögel entlang von längeren Halmen oftmals aufwärts und ist dann frei sichtbar.

Abb. 5: Seggenrohrsänger

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