Die professionelle Bestimmung von Vogelarten

Mittelspecht

Wer ernsthaft Vögel beobachtet, wird sich nicht mit einer unsicheren Bestimmung zufrieden geben. Oft entscheiden nur Details darüber, welche Art wir tatsächlich vor uns haben.

Experten, die beruflich mit dem Bestimmen von Vogelarten zu tun haben und ihr Vorkommen wissenschaftlich auswerten, sind darauf angewiesen, dass ihre Datenquellen korrekt sind. Christopher König beispielsweise verwaltet für den Dachverband Deutscher Avifaunisten das Portal ornitho.de Wenn ihm Meldungen wenig plausibel erscheinen, hakt er schon einmal nach. Einmal wurden bereits im April mehrere männliche Neuntöter aus einem Gebiet gemeldet. Der Beobachter beschrieb die typische schwarze Augenbinde.

Da Neuntöter für diese Jahreszeit ungewöhnlich sind, hakte Christopher König genauer nach. Letztendlich erwiesen sich die Neuntöter als Steinschmätzer.

Ein anderer bat darum, einen Ring eines Knutts auszulesen, der auf dem Foto eindeutig als farbmarkierte junge Silbermöwe zu erkennen war.

Aus Christophers Erfahrung heraus ist es eine Herausforderung, wenn man die Arten nur aus dem Bestimmungsbuch kennt. Darüber ergeben sich häufiger kuriose Verwechslungen, die nicht passieren, wenn man die wichtigsten Merkmale der Arten selbst schon im Detail beobachtet hat. Seine Nachfragen bei denjenigen, die die Arten melden, nimmt jedoch keiner negativ auf.
In der Regel sind alle dankbar, wenn sie über das Gespräch dazulernen und ihre Kenntnisse so ausbauen. Entscheidend für ornitho.de ist die Genauigkeit, daher darf jeder nur melden, was sicher bestimmt wurde. Jedoch unterlaufen auch den erfahrensten Vogelkundlern einmal Fehler. Automatisiert läuft direkt eine Validierung, was jahreszeitlich passt. Die Melder werden sofort gefragt, ob sie sich sicher sind.

Entscheidend ist es, mit der Überprüfung eine hohe Vergleichbarkeit der Daten zu erzielen.

Tritt eine seltene Vogelart in einem bestimmten Gebiet auf, überprüft die avifaunistische Kommission diese auf Nachvollziehbarkeit und gleicht sie mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik ab.

Auch wenn Christopher selbst an sich mehr auf die optische Beobachtung setzt, entdeckt er inzwischen mit zunehmender Kenntnis der Rufe und Gesänge die Vögel zuerst akustisch.
Für ihn ist der Gesamteindruck der körperlichen Merkmale eines Vogels, entscheidend. So erkennt er durch seine Erfahrung im Beobachten auch bei schlechten Lichtverhältnissen, um welche Vogelart es sich handelt.

Buntspecht

In Deutschland unterstützen 400 Regionalkoordinatoren und Artenspezialisten beim Prüfen und klären mögliche Fehlbestimmungen ab.

  • Grünspecht

  • Grauspecht

Die herausfordernden Arten im Unterschied

In Europa gelten beispielsweise die folgenden Paare an Arten als typische Fallen beim richtigen Bestimmen. Auf welche feinen Unterschiede man achten muss, zeigen wir hier an den Beispielen auf. Es geht dabei um Beispiele im Prachtkleid, juvenile Vögel oder Schlichtkleider sind noch ungleich schwieriger auseinanderzuhalten.

Grauspecht – Grünspecht

Lars Jonsson bezeichnet die Kopffärbung des Grünspechts als „Räubermaske“, da die Augen komplett schwarz eingefasst sind. Der Scheitel weist eine leuchtend rote Färbung aus. Beim Grauspecht hingegen findet sich nur ein wenig Rot an der Stirn und an die Augen reicht nur ein dünner schwarzer Strich. Auch ist der Grauspecht etwas kleiner und schlanker als der Grünspecht. Wie der Name sagt, ist der Grauspecht um einiges grauer am Bauch und Kopf als der Grünspecht.

  • Sandregenpfeifer

  • Flussregenpfeifer

Sandregenpfeifer – Flussregenpfeifer

Sandregenpfeifer und Flussregenpfeifer beobachten wir in der Regel durchs Spektiv von weiter weg, der Fokus liegt dabei auf Kopf und Beinen. Sandregenpfeifer sind zwar etwas gedrungener und heller als Flussregenpfeifer, wohingegen dieser eine länglichere Körperform hat, aber meist stehen sie nicht nebeneinander für den direkten Vergleich. Daher hilft dieser Unterschied nur bedingt. Am einfachsten ist der Blick auf die Beine und den Schnabel. Während der Flussregenpfeifer einen dunklen Schnabel und eher schlammfarbene Beine hat, sind Schnabelbasis und Beine beim Sandregenpfeifer im Prachtkleid gelb bis orangefarben. Im Flug fällt beim Sandregenpfeifer ein weißer Flügelstreif auf, den der Flussregenpfeifer nicht vorweist.

  • Buntspecht

  • Mittelspecht

Buntspecht – Mittelspecht

Der Mittelspecht ist etwas kleiner als der Buntspecht und unterscheidet sich vor allem durch seinen Scheitel. Dieser ist beim Mittelspecht komplett rot, auch ist seine Wangenzeichnung nicht so ausgeprägt wie beim Buntspecht. Den Kopf des Buntspechts prägt eine überwiegend schwarz-weiße Kennzeichnung – mit nur einem kleinen roten Abschnitt am Hinterkopf beim Männchen. Zugegeben ist dies nicht immer einfach auszumachen, wenn der Specht weit oben im Baum ist und man in erster Linie von unten hinaufschaut. Von unten unterscheidet man sie vor allem an der Bauchfärbung. Beim Buntspecht ist diese im unteren Bereich viel stärker rot als beim Mittelspecht. Dessen Rot an den inneren Schwanzfedern ist eher dezent und der weiße Bauch ist zudem leicht schwarz gestrichelt.

  • Sumpfmeise

  • Weidenmeise

Sumpfmeise – Weidenmeise

Auf den ersten Blick sind die beiden Arten kaum voneinander zu unterscheiden. Neben dem Ruf, der bei der Sumpfmeise explosionsartig und bei der Weidenmeise langgedehnt klingt, gibt es nur kleine Unterscheidungsmerkmale. Unter dem Schnabel zeichnet sich bei der Sumpfmeise eine Art kleiner, schwarzer Latz ab, der vom Weiß am Kopf eingerahmt wird. Bei der Weidenmeise ist er meist ausgedehnter und reicht bis zum Hals runter. Auch im Flügel erkennt man bei der Weidenmeise meist ein helles Feld, das die Sumpfmeise nicht aufweist.

  • Mäusebussard

  • Wespenbussard

Mäusebussard – Wespenbussard

Zwar sind Wespenbussard und Mäusebussard gar nicht sehr eng verwandt, dennoch sehen sie sich sehr ähnlich. Beide Arten sind zudem recht variantenreich, was die Färbung betrifft. Am besten zu unterscheiden sind strukturelle Merkmale wie der Hals. Beim Wespenbussard ist dieser länger und schmäler, zudem streckt er ihn weit nach vorne. Im direkten Vergleich zeigt sich auch, dass der Wespenbussard einen längeren Schwanz hat. Eindeutig den Unterschied sieht man am Schnabel. Der des Wespenbussards läuft vom grauen Kopf und Bauch in eine schwarze Spitze aus. Beim Mäusebussard ist die Wachshaut gelb.

  • Zilpzalp

  • Fitis

Zilpzalp – Fitis

Beide Vogelarten sind in Europa relativ verbreitet und werden gerne verwechselt. Der Fitis ist geringfügig größer und leuchtet stärker gelb als der Zilpzalp. Auch sein Überaugenstreif ist deutlicher ausgeprägt und stark gelb, zudem sind seine Beine heller als beim Zilpzalp. Dieses  Unterscheidungsmerkmal gilt in erster Linie im Sommer, im Winterkleid sind die farblichen Unterschiede relativ gering.

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