Digiscoping am Alt-Rhein

Lampertheim, Deutschland
Am historischen Flusslauf des Rheins, auch "Alt-Rhein" genannt, sind nach dessen Begradigung zahlreiche Brutgebiete seltener Vogelarten entstanden.

Die Erde dampft um mich herum. Trotz des kühlenden Gewitters in der Nacht hält sich die Hitze des vorangegangen Tages. Morgens um fünf Uhr entfaltet die Natur hier an den Ausläufern des Alt-Rheins ihren besonderen Reiz. Zwischen Wasser, Wald und Wiesen bewege ich mich, um Orchideen zu entdecken, die erwachende Natur zu beobachten und vor allem, um Vögel mit meinem neuen Spektiv, dem ZEISS Conquest Gavia, für den Moment einzufangen.

Seit einer halben Stunde höre ich nun den Pirol singen. Ich habe jedoch wenig Hoffnung, ihn wirklich vor die Optik zu bekommen, so heimlich wie er ist. Dafür sehe ich zweimal einen Eisvogel aus unterschiedlicher Perspektive. Für mein Spektiv ist er zu schnell, hier muss mein Fernglas ran. Die Farben des Vogels beeindrucken mich jedes Mal aufs Neue.

Mit nur einem Klick die Stimmung auf dem Wasser einfangen

Beim Marsch über einen engen Pfad zwischen grünen, nassen Zweigen bekomme nicht nur ich die Regentropfen der Nacht ab, sondern auch mein Victory SF. Wie blöd, dass ich vor Begeisterung über den Eisvogel vergessen habe, den Schutz wieder oben drauf zu machen. Glücklicherweise sorgt die Beschichtung dafür, dass das Wasser einfach abperlt. Mein Spektiv, mit dem neuen leichten Stativ über meiner Schulter, ist besser geschützt. An der nächsten Lichtung kommt ein Rhein-Ausläufer, mehr See als Fluss. Hier mache ich es mir auf einem Stein bequem, baue mein Spektiv auf und beobachte die Wasserfläche. Zuerst genieße ich den Blick auf die Trupps der üblichen Entenarten hier: neben den Blässhühnern, Stock-, Tafel- und Reiherenten heute ein paar Rostgänse. Deren Farben leuchten so schön im morgendlichen Licht. Zu gerne möchte ich diese sowie die friedliche Stimmung der Rostgänse auf dem Wasser einfangen. Schnell klicke ich mein Smartphone über den Adapter an die Linse und freue mich, dass das Foto die Farben sehr gut wieder gibt.

Als ich das Ufer im hohen Gras absuche, entdecke ich ein Teichhuhn und nur wenige Meter weiter eine Wasserralle. Schnell, bevor sie wieder zwischen Schilf und Gräsern verschwunden ist, halte ich sie noch mit einem Foto fest. Ich möchte mir unbedingt noch das Gefieder später anschauen und die Details vergrößern. Denn jetzt ist die Ralle auch schon wieder versteckt und ich kann keine weiteren Einzelheiten beobachten.

Beim Schwenk weiter entlang des Ufers entdecke ich doch tatsächlich einen Seidenreiher. Den fotografiere ich nicht nur für mich, sondern auch als Belegfoto. Ich lade ihn direkt auf die Plattform Ornitho hoch.

Einzigartige Momente festhalten - dank der passenden Digiscoping Ausrüstung.

Auf meinem Rückweg durch den Wald höre ich ganz nahe einen Pirol. Ich bleibe stehen, verhalte mich völlig lautlos und suche den Baum ab, aus dem das Geräusch kommt.

Tatsächlich: Ich sehe ihn durchs Fernglas! Sein Gelb schillert zwischen den nassen, grünen Blättern. Ich glaube nicht ernsthaft daran, dass ich das Spektiv aufbauen und ein Foto machen kann. Dennoch versuche ich es so geräuscharm als möglich. Glücklicherweise geht es mit dem Adapter sehr unkompliziert und schnell. Auch gezoomt bekomme ich ihn direkt auf das Display und habe das Foto.

Als der Pirol dann doch verschwindet, trete ich selig den Heimweg an. Ich fühle mich wie die Feldmaus Frederick aus dem italienischen Kinderbuch. Während alle anderen Feldmäuse Vorräte für den nahenden Winter sammeln, beobachtet Frederick die Farben und die Natur. Im Winter erhellt er dann den anderen Mäusen die langen Wintertage mit den Sonnenstrahlen und Farben, die er eingesammelt hat. Ja, der Zauber liegt im Moment und ich kann ihn für immer in meiner Erinnerung festhalten. Noch schöner ist es, ich habe ein Bild davon, um mir alle Details des Moments auch noch später anzusehen und alles in Erinnerung zu rufen. Zudem entdecke ich später bei den Vergrößerungen noch weitere Raffinessen des Gefieders, die mir in der Aufregung während der Beobachtung gar nicht aufgefallen sind.

Michaela Sulz

Michaela Sulz ist eine passionierte Birderin und ZEISS Bloggerin.