Ein Ausflug des Young Birders Club

Alle Jahre wieder findet Mitte Januar auf Fehmarn die Mittwinterzählung statt, bei der an einem Wochenende sämtliche Vögel auf ganz Fehmarn durch ca. 40 Ornithologen aus Hamburg gezählt werden. Dieses Jahr waren wir als Young Birders Club auch mit von der Partie. Freitagnachmittag ging es mit einem Kleinbus Richtung Fehmarn los. Am Samstag war dann die erste Zählung, bei der durch 7 Gruppen der Westteil der Insel gezählt wurde. Wir haben die Strecke von Wallnau entlang der Westküste bis zum Flügger Leuchtturm gezählt.

Bei winterlichen Temperaturen und einer steifen Brise wird die passende Kleidung schon zur ersten Herausforderung, doch mit zwei dicken Pullovern übereinander und einer guten Winterjacke geht auch das. Die Zählstrecke verläuft direkt am Strand entlang, sodass viele Meeresenten zu zählen sind und sich auch die eine oder andere Besonderheit dazwischen finden lässt. Heute haben wir Glück und sehen ein paar Eisenten recht nah, sodass sie im Spektiv schön zu erkennen sind.

Das Highlight der Strecke sind aber die Seetaucher, die mit Glück vereinzelt zu finden sind, allerdings erkennt man die auch nur im Spektiv. Rekordhalter waren, wie jedes Jahr, die Eiderenten mit ca. 15.000 Individuen auf 6 km Küstenlinie.

Auch Trauer-, Schell-, und Bergenten sind in größeren Stückzahlen auf der Strecke zu finden. Noch spannender ist der Anblick der hübschen Eisente, die immer wieder in kleinen Stückzahlen auf der Ostsee zu finden ist. Hier gilt, viele Augen sehen mehr und so finden wir sowohl Pracht- als auch Sterntaucher. Nach 6 Stunden Zählung kommen wir am frühen Nachmittag glücklich aber durchgefroren wieder in Wallnau an.

Bei einer Tasse Tee geht es dann in der Wärme an die Auswertung. Das Gesamtergebnis ist dieses Jahr etwas niedriger als in den Vorjahren, besonders bei den Bergenten sind deutlich weniger als letztes Jahr gezählt worden. Dafür sind die Zahlen an Seetauchern höher als die letzten Jahre und auch ein paar Überraschungen wie eine Ringelgans oder Bartmeisen waren dieses Jahr gelungen.

Am Sonntag wird dann der Ostteil der Insel gezählt, wir haben eine Strecke ganz im Südosten von Staberhuk bis Burg entlang des Ufers zugeteilt bekommen. Und dieser Tag hält eine Überraschung nach der nächsten bereit. Gleich als wir aus dem Auto aussteigen und einen ersten Blick durch das Spektiv riskieren, fliegen zwei Samtenten direkt vor uns vorbei. So nah erlebt man die seltene Meeresente fast nie. Und es geht mindestens genauso spektakulär weiter. Auf einmal entdecke ich im Spektiv einen Tordalk der flach über das Wasser fliegt. Mit dieser Art hätte ich in der Ostsee niemals gerechnet.

Kurz darauf fliegt ein Basstölpel entlang der Küste nach Osten, man könnte denken, wir hätten die Insel gewechselt und wären jetzt auf Helgoland, so ungewöhnlich sind diese beiden Beobachtungen für die Ostsee.

Das Highlight des Tages entdeckt Christian beim Zählen der Goldregenpfeifer auf einem Acker im Inland. Zwischen den Watvögeln taucht auf einmal ein Mornellregenpfeifer auf! Das ist erst der dritte Winternachweis des seltenen Regenpfeifers.

Die Zahlen des heutigen Tages sind durchweg gut und übersteigen das Vorjahresergebnis deutlich. Den schönen Abschluss der Zählstrecke bilden drei Meerstrandläufer kurz vor Burg am Strand, die sich schön fotogen präsentieren und kaum Scheu zeigen. Nachmittags treffen wir uns dann noch mit den anderen Zählern in einem Café und tauschen bei Tee und Kuchen die Ergebnisse aus. Jeder staunt über unsere Entdeckungen.

Danach geht es leider schon wieder zurück nach Hamburg und das sagenhafte Wochenende ist vorbei. Es hätte gerne noch länger dauern können, da sind wir uns alle einig. Mit einem „nächstes Jahr sind wir wieder dabei“ geht es schließlich nach Hause und die Vorfreude auf das nächste Mal erleichtert den Abschied.

Sören Rust

Sören Rust ist ein begeisterter Young Birder und Naturfotograf sowie ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Carl Zeiss Vogelstation in der Wedeler Marsch.