Wenn mehr als 100 Millionen Vögel sich auf den Weg gen Süden machen

Sahara, Nordafrika
Die Sahararegion wird besonders von Langstreckenziehern als Winterquartier genutzt. Kurzstreckenzieher ziehen dagegen nur bis in den Mittelmeerraum.

Mehr als 100 Millionen Vögel brechen im Herbst in Richtung Südeuropa oder Afrika auf. Auslöser ist nicht etwa die Winterkälte, sondern in erster Linie der Mangel an zugänglicher Nahrung.

Während im Frühjahr die üppigen Nahrungsquellen im Norden ideal für die Aufzucht der Jungen sind, erschweren Minustemperaturen, Schnee und die im Winter kürzeren Tage die Futtersuche erheblich. Bei den Zugvogelarten ist der Weg in wärmere Regionen quasi einprogrammiert.

Jede Art hat ein angeborenes, artspezifisches Zugverhalten: Das innere Programm gibt ihnen die Richtung vor. In Mitteleuropa liegt der Höhepunkt des Vogelzugs in den ersten Oktoberwochen. Beim Herbstzug sind deutlich mehr Vögel sichtbar als beim Frühjahrszug. Zu den Altvögeln gesellen sich im Herbst zahlreiche Jungvögel, daher sind nach der Brutzeit im Sommer mehr als doppelt so viele Vögel unterwegs.

Die Vögel orientieren sich ohne Kompass und Karte: Jeder Vogel hat nachweislich einen Zuginstinkt.

Tagsüber dient der Stand der Sonne, nachts der Sternenhimmel als Bezugspunkt.

Die Langstreckenzieher brechen jedes Jahr zur gleichen Zeit auf und fliegen bis südlich der Sahara. Wohingegen die Kurzstreckenzieher nur bis ins winterwarme Westeuropa oder in den Mittelmeerraum reisen. Sie passen ihre Flugzeiten jeweils der aktuellen Wetterlage an.

Alle anderen, über das Jahr sichtbare Vogelarten werden als Standvögel bezeichnet. Viele von ihnen sind sogenannte Teilzieher, von denen einzelne Populationen aus kälteren Regionen nördlich oder östlich von Deutschland nach Süden oder Westen ziehen.

Mit innerem Kompass und ohne Navi unterwegs

Die Vögel orientieren sich ohne Kompass und Karte: Jeder Vogel hat nachweislich einen Zuginstinkt. Abzugszeit, Zugrichtung und Zugentfernung sind bei den meisten Vogelarten genetisch vorgegeben.

Auf ihrem Zugweg orientieren sie sich bei klarem Himmel tagsüber am Sonnenstand und nachts am Sternenhimmel. Ein eingebauter Magnetkompass weist ihnen bei schlechtem Wetter den Weg. Vor allem im Nahbereich.

Ohne Reserven und Auftankstationen geht es nicht weiter

Für den Zug benötigen die Vögel enorme Energiereserven. Insbesondere Arten, die lange Etappen über Meere und Wüsten überbrücken, brauchen ein ausreichendes Fettpolster. Man nennt dieses angeborene Verhalten auch zugzeitliche Fettdisposition. So passen sich die Vogelarten in ihrem Zugverhalten der inneren Uhr an.

Je nach Art hängt ein erfolgreicher Zug von den jeweiligen Rastgebieten ab, die auf ihrem langen Weg gegeben sind. Diese Rastgebiete sind für die Vögel notwendig, um ihre Energiereserven wieder auftanken zu können.

BirdLife International macht zum einen auf die Wilderei aufmerksam und organisiert mit den nationalen Verbänden in den Mittelmeerländern Aktionen gegen den illegalen Abschussvon Zugvögeln.

Gefahren auf dem Weg

Die lange, anstrengende Reise über Ländergrenzen hinweg birgt viele Gefahren. Wobei die meisten menschengemacht sind. So verenden viele Großvogelarten an Stromleitungen und schlecht isolierten Strommasten. Auch der Zustand der Rast- und Überwinterungsgebiete ist für die Zugvögel überlebenswichtig. Klimaveränderungen können dabei das ausbalancierte Wanderungssystem der Zugvögel durcheinanderbringen, so dass sie zu spät im Brutgebiet eintreffen und nicht mehr genügend Nahrung vorfinden.

Als wandernde Tierarten sind Zugvögel auf einen besonderen Schutz angewiesen:
Ein großes Problem insbesondere im Mittelmeerraum ist die Wilderei auf Vögel mit Schusswaffen, Netzen oder Leimruten. Auf Malta werden Großvogelarten wie Wespenbussarde oder Fischadler illegal abgeschossen, und auf Zypern werden Kleinvögel mit Netzen gefangen und als Delikatesse verkauft. Die Ausmaße des Bestandsrückgangs sind verheerend: An der Mittelmeerküste Ägyptens werden an 700 km langen Netzen jeden Herbst etwa 140 Millionen Vögel gefangen. So endet statistisch gesehen jeder siebzehnte europäische Zugvogel auf dem Weg nach Afrika in einem ägyptischen Netz.

Unter besonderem Schutz - Birdlife setzt sich international für den Schutz der Vögel auf ihrer langen Reise ein.

BirdLife International macht zum einen auf die Wilderei aufmerksam und organisiert mit den nationalen Verbänden in den Mittelmeerländern Aktionen gegen den illegalen Abschuss. Zum anderen zeichnet BirdLife International die für Vögel auf ihrer Reise überlebenswichtigen Gebiete als Important Bird Areas (IBA) aus.

 

Weltweit betreuen die nationalen Naturschutzverbände unter dem Dach von BirdLife International 12.000 sogenannte Important Bird Areas, um auch in Zukunft das Wunder des Vogelzugs zu erhalten.  Mehr  zu BirdLife International  bietet das Social Web: