{"id":1120,"date":"2021-02-15T09:13:00","date_gmt":"2021-02-15T09:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.zeiss.com\/sports-optics\/birding\/de\/?p=1120"},"modified":"2021-02-15T09:13:01","modified_gmt":"2021-02-15T09:13:01","slug":"ueber-die-kunst-voegel-ohne-filter-zu-geniessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.zeiss.com\/sports-optics\/birding\/de\/ueber-die-kunst-voegel-ohne-filter-zu-geniessen\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Kunst, V\u00f6gel ohne Filter zu genie\u00dfen"},"content":{"rendered":"\n<p>Der spanische Ornithologe Jos\u00e9 Luis Copete ist Insidern bekannt durch seine Fahlkauz-Forschung mit der Beschreibung des Strix hadorami vor f\u00fcnf Jahren. Heutzutage kennen ihn Vogelbeobachter aus dem spanischsprachigen Raum vor allem dank seiner Podcasts zu wissenschaftlichen Entdeckungen in der Ornithologie. Hier erz\u00e4hlt er uns von den regionalen Dialekten der V\u00f6gel, was finnische von spanischen Vogelbeobachtern unterscheidet und von seinen besonderen Sichtungen in Barcelona zu Zeiten des Lockdowns. Obwohl er seit vielen Jahren als Photograph unterwegs ist, empfiehlt er den puren Genuss der Vogelbeobachtung ohne Objektiv. Zudem verr\u00e4t er seine Lieblingspl\u00e4tze in Spanien.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Erz\u00e4hle uns mehr von Dir und vom Team Reservoir Birds.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alles begann, als Stefan Riedl, der Vertriebsleiter von Excopesa&nbsp;\u2013 dem Distributor von Zeiss in Spanien&nbsp;\u2013 sich vor einigen Jahren bei Francesc Kirchner nach einem Vogelbeobachter in Spanien erkundigte. Sie suchten jemanden, der f\u00fcr die hiesige Vogelbeobachter-Community das Gesicht von Zeiss werden k\u00f6nnte. Francesc dachte sofort an mich. Ich schlug vor, Ferran L\u00f3pez und Dani L\u00f3pez-Velasco ebenfalls in das Team aufzunehmen. Ferran beobachtet seit \u00fcber 20&nbsp;Jahren V\u00f6gel im Naturreservat des Llobregat-Deltas und ist in Spanien der Vogelbeobachter mit den meisten beobachteten Vogelarten der Westpal\u00e4arktis. Dani ist durch seine T\u00e4tigkeit als Exkursionsf\u00fchrer f\u00fcr Birdquest international bekannt. F\u00fcr diese ornithologischen Reisen ist er weltweit unterwegs. Wir drei sind in Spanien und vermutlich auch jenseits unserer Heimat angesehene Vogelbeobachter. Besonders wichtig ist uns jedoch der Kontakt zu anderen spanischen Vogelbeobachtern. Die meisten haben wir schon pers\u00f6nlich getroffen, darum kennt man uns in der Community. Der Name des Teams stammt von unserer Website \u201eReservoir Birds\u201c.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Seit wann beobachtest Du V\u00f6gel und was war der Ausl\u00f6ser f\u00fcr dieses Interesse?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich interessiere mich seit meinem 12.&nbsp;Lebensjahr f\u00fcr V\u00f6gel, also seit 1981. Urspr\u00fcnglich haben mich Amphibien und Reptilien fasziniert&nbsp;\u2013 vornehmlich Eidechsen und Schlangen. Als Kind habe ich stundenlang unter Steinen nach Eidechsen gesucht. Mein erstes Bestimmungsbuch war der klassische Naturf\u00fchrer von Arnold &amp; Ovenden \u00fcber die Amphibien und Reptilien Europas. Eines Tages nahm mich ein Bekannter mit auf eine \u201eMas\u00eda\u201c (das katalanische Wort f\u00fcr \u201eBauernhof\u201c) in Tiana in der N\u00e4he von Barcelona. Er wollte dort V\u00f6gel beringen. Ich konnte mir absolut nichts darunter vorstellen. Er war wie ich 12&nbsp;Jahre alt. Ein paar Erwachsene nahmen uns mit und brachten uns das Beringen bei. Wir holten die V\u00f6gel aus den Fangnetzen, nahmen sie in die Hand, beringten sie und bestimmten sie anhand des Vogelbuchs von Peterson. Ich war vom ersten Tag an fasziniert. Ich habe meine Eltern angebettelt, mir einen Vogelf\u00fchrer zu kaufen, und verbrachte jede freie Minute in Tiana. Ich war zun\u00e4chst also gar kein Beobachter, sondern habe V\u00f6gel beringt. Anfangs habe ich gar nicht verstanden, was die Vogelbeobachter meinten, wenn sie sich beklagten, die Gartengrasm\u00fccke sei so schwer zu beobachten&nbsp;\u2013 man musste sie doch nur im September aus dem Fangnetz holen. 1983 habe ich mich dann auch unter die Vogelbeobachter begeben und nur noch beobachtet. Zun\u00e4chst wollte ich mehr \u00fcber die V\u00f6gel lernen, die ich bereits in den H\u00e4nden gehalten hatte. Das Interesse f\u00fcr ihre Stimmen und ihren Gesang kam erst sp\u00e4ter. Ich wollte unbedingt ihre Stimmen unterscheiden k\u00f6nnen. Im Wald von Tiana habe ich stundenlang V\u00f6gel beobachtet, um zu sehen, ob der Gesang auch tats\u00e4chlich von dem Vogel stammte, den ich vermutete. Die h\u00e4ufigsten Arten waren leicht auseinanderzuhalten. Als jedoch im Fr\u00fchjahr und Herbst Zugv\u00f6gel hinzukamen, wurden es immer mehr Stimmen. Es war haupts\u00e4chlich das Interesse am Gesang der einzelnen Arten, das mich schlie\u00dflich zum Vogelbeobachter machte. Damals gab es noch kein Internet oder Vogelstimmen-Apps. Man musste sich sein Wissen selbst in der Natur aneignen. Meiner Meinung nach geh\u00f6rt es sich f\u00fcr einen Vogelfreund auch so. Je mehr Gleichgesinnte ich kennenlernte, desto mehr beobachtete ich V\u00f6gel irgendwann auch einfach nur zum Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:41px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n  <figure id=\"image-wo-block_601b9b0069d7f\" class=\"image-options  none full-width\">\n\n\n\n    <div class=\"image-wo\">\n       <div class=\"image-wo-wrap\">\n      \n\n                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.zeiss.com\/sports-optics\/birding\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/02\/DSCN0763-zeiss-1024x555.jpg\" alt=\"\">\n                 <\/div>\n          \n\n\n\n\n  <!-- end image-options-->\n  <\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Welche Erfahrungen hast Du als Vogelbeobachter w\u00e4hrend der Corona-Pandemie gemacht?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das war gar nicht so einfach, denn von meiner Wohnung in Barcelona aus kann ich keine V\u00f6gel beobachten. Ich habe mir alle Vogelarten notiert, die ich w\u00e4hrend des strengen Lockdowns im M\u00e4rz und April von meinem Balkon aus entdecken konnte. Ich bin aber nur auf 38 gekommen. Allerdings waren auch interessante Arten dabei wie ein Wanderfalke oder eine Blaumerle. Nachts habe ich sogar die Rufe von Flamingos und Graug\u00e4nsen geh\u00f6rt, die \u00fcber die Stadt zogen. Das war nur m\u00f6glich, weil es ohne Verkehr und den \u00fcblichen Gro\u00dfstadtl\u00e4rm nachts viel stiller war als sonst. Abgesehen davon hat die Pandemie s\u00e4mtliche Reisepl\u00e4ne f\u00fcr 2020 durchkreuzt. Im August wollte ich eigentlich nach Kolumbien fliegen, doch daraus wurde nichts. Als es zwischendurch in Spanien Lockerungen gab, habe ich mich auf mein n\u00e4heres Umfeld konzentriert und in der Serra de Collserola, einem Mittelgebirge bei Barcelona, V\u00f6gel beobachtet.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:41px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Zum Global Bird Weekend hast Du das neue ZEISS SF&nbsp;32 Fernglas getestet. Was gef\u00e4llt Dir daran besonders? Was zeichnet das Fernglas f\u00fcr Dich aus?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Hauptmerkmale des neuen ZEISS SF&nbsp;32 haben mich besonders beeindruckt: Es ist so leicht, dass man es m\u00fchelos mit nur einer Hand halten kann. Au\u00dferdem hat es eine hervorragende Sch\u00e4rfe und Lichtst\u00e4rke. Ich wusste ja vorher, dass der Objektivdurchmesser nur 32 mm betr\u00e4gt, aber ich war wirklich beeindruckt von der Lichtst\u00e4rke, obwohl die Linse 1 cm kleiner ist als das 42er-Fernglas, mit dem ich normalerweise unterwegs bin. Es ist so leicht und scharf, dass ich es nicht mehr hergeben m\u00f6chte. Die Qualit\u00e4t ist wirklich \u00fcberw\u00e4ltigend. Ganz ohne Zweifel ist es das beste Fernglas, das ich je in der Hand hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:41px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Du interessierst Dich auch f\u00fcr Naturfotografie. Wo liegt Dein Schwerpunkt und welche Tipps kannst Du angehenden Naturfotografen geben?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anf\u00e4ngern w\u00fcrde ich empfehlen, nicht einfach wahllos drauflos zu knipsen, sondern sich Zeit zu nehmen und in Ruhe zu beobachten. Mit ge\u00fcbtem Auge kann man dann den Sensor hei\u00dflaufen lassen. Viele beobachten V\u00f6gel heutzutage auch durch ihre Kamera. Die spiegellosen Modelle sind erschwinglich und nicht so schwer. Auf den Touren und Exkursionen mit unserer Firma Icaro Birding Experience ist mir aber schon h\u00e4ufiger aufgefallen, dass gerade j\u00fcngere Leute nur fotografieren, um sich die Fotos dann auf dem Display anzusehen. Sie beobachten gar nicht den Vogel, sondern machen ein Foto und vergr\u00f6\u00dfern es dann auf dem Display. So lernt man leider nicht viel \u00fcber die Tiere. Ich w\u00fcrde empfehlen, die V\u00f6gel zun\u00e4chst mit einem guten Fernglas zu beobachten, ihre Verhaltensweisen, Bewegungen, Fressgewohnheiten und so weiter kennen zu lernen&nbsp;\u2013 und nat\u00fcrlich ihre Stimmen. Mit der entsprechenden Erfahrung gelingen sp\u00e4ter auch viel bessere Fotos.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:41px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Welches S\u00e4ugetier fasziniert Dich als Fotograf am meisten?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da muss ich nicht lange \u00fcberlegen. Das S\u00e4ugetier, das ich unbedingt einmal in freier Wildbahn sehen wollte, war der Schneeleopard. Er ist extrem scheu und sehr selten. Au\u00dferdem lebt er in abgelegenen, schroffen Gebirgsregionen. Das macht ihn noch geheimnisvoller. 2015 sah ich in Ladakh zusammen mit meinem damaligen Teamkollegen Dani zum ersten Mal einen Schneeleoparden. Das war der sch\u00f6nste Moment meines Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die mehrteilige Enzyklop\u00e4die \u201eHandbook of the Mammals of the World\u201c habe ich \u00fcber 350.000&nbsp;Fotos von S\u00e4ugetieren gesichtet und bearbeitet. Nachdem ich 10&nbsp;Jahre lang Fotos von S\u00e4ugetieren gepr\u00fcft und ausgew\u00e4hlt habe (von den Vogelfotos f\u00fcr die mehrb\u00e4ndige HBW-Enzyklop\u00e4die f\u00fcr V\u00f6gel ganz zu schweigen), kann ich mit Fug und Recht behaupten, \u00fcber einen gewissen Erfahrungsschatz zu verf\u00fcgen. Ich wei\u00df, von welchen S\u00e4ugetieren es gute Fotos gibt und von welchen nicht. Die Aufnahmen von Schneeleoparden sind in den letzten f\u00fcnf Jahren deutlich besser geworden, seit es organisierte Fotoexpeditionen in den Lebensraum der scheuen Gro\u00dfkatzen gibt. Wir haben unsere Tour abseits der Massen unternommen. Zehn Tage lang sind wir keinen anderen Fotografen oder Touristen begegnet. Das war ein tolles Erlebnis. Tagelang haben wir im Gebirge Ausschau nach dem Schneeleoparden gehalten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n  <figure id=\"image-wo-block_601b9c3969d80\" class=\"image-options  none full-width\">\n\n\n\n    <div class=\"image-wo\">\n       <div class=\"image-wo-wrap\">\n      \n\n                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.zeiss.com\/sports-optics\/birding\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/02\/DSCN0793-zeiss-1024x633.jpg\" alt=\"\">\n                 <\/div>\n          \n\n\n\n\n  <!-- end image-options-->\n  <\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Wo kann man in Spanien am besten V\u00f6gel beobachten und welche Vogelarten trifft man dort an?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00e4llt mir schwer, mich f\u00fcr einen Ort zu entscheiden. Es gibt ein paar sehr unterschiedliche Regionen in Spanien, die ich empfehlen kann. In der Steppenlandschaft von Belchite kann man im Fr\u00fchling Schw\u00e4rme von Flugh\u00fchnern beobachten und in der Abendd\u00e4mmerung dem Gesang von Dupontlerche, Kalanderlerche, Stummellerche und Kurzzehenlerche lauschen. Dort findet man auch Triele und einige Greifv\u00f6gel wie unter anderem den Schwarzmilan oder den Steinadler. Dazu kommen unz\u00e4hlige Zugv\u00f6gel wie Grasm\u00fcckenartige, Steinschm\u00e4tzer, Fliegenschn\u00e4pper und viele andere. Die Halbinsel Estaca de Bares ist im Herbst sehr zu empfehlen. Dort kann man auch Seawatching-Touren auf dem Meer unternehmen. Im September und Oktober lassen sich hier die eindrucksvollsten Zugvogelschw\u00e4rme in ganz Europa beobachten. Tausende Sturmtaucher, Seeschwalben, Alkenv\u00f6gel, Raubm\u00f6wen und viele andere Seev\u00f6gel ziehen dann vor\u00fcber. Manchmal fliegen sie ganz nah am Kap vorbei&nbsp;\u2013 ein unvergesslicher Anblick. Einer meiner Lieblingsorte ist das Ebro-Delta im April und Mai. Hier sieht man Watv\u00f6gel, Enten, M\u00f6wen, Seeschwalben und andere Seev\u00f6gel in H\u00fclle und F\u00fclle. Sperlingsv\u00f6gel br\u00fcten im R\u00f6hricht und in den S\u00fcmpfen. Wenn die Zugv\u00f6gelschw\u00e4rme kommen, wimmelt es nur so von V\u00f6geln. Und mit etwas Gl\u00fcck entdeckt man auch seltene Arten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>In den letzten Jahren bist Du viel gereist. Haben V\u00f6gel auch \u201eregionale Dialekte\u201c und erkennst Du die V\u00f6gel aus Deiner Heimat an ihrem Gesang?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oft ist es schwierig, die Grenze zwischen den Variationen einzelner Expemplare und einer Art Dialekt zu ziehen. Bei der Gartenammer ist die Unterscheidung jedoch ganz einfach. Von 2013 bis 2018 habe ich im katalanischen Landkreis Segarra an einem Forschungsprojekt zu dieser Vogelart gearbeitet. Ihr lokaler Dialekt unterscheidet sich stark von dem der Gartenammer in Mittel- und Nordeuropa. Nicht nur das: Wenn ich unseren katalanischen Ammern Tonaufnahmen der mitteleurop\u00e4ischen Verwandten vorspiele, reagieren sie nicht eindeutig. Spielt man ihnen den Gesang von V\u00f6geln vor, die in der direkten Umgebung br\u00fcten, reagieren sie sofort sehr aggressiv. Sie nehmen diese Stimmen als Konkurrenz wahr. Der Gesang einer deutschen Gartenammer interessiert sie hingegen \u00fcberhaupt nicht!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:41px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Konntest Du Unterschiede zwischen den Ornithologen in den einzelnen L\u00e4ndern feststellen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde diese Unterschiede eher als sozial und kulturell bedingt bezeichnen. Wir Spanier sind sehr verschiedenartig: Wir sprechen verschiedene Sprachen, f\u00fchren unterschiedliche Lebensstile und pflegen unterschiedliche Kulturen und Traditionen. Das spiegelt sich auch in der Gemeinschaft der Vogelfreunde wider. In Finnland ist mir aufgefallen, dass fast alle mit derselben Ausr\u00fcstung losziehen. Alle haben einen Haltestab f\u00fcr ihr Fernglas, tragen Gummistiefel und \u00e4hnliche Kleidung. Ich halte die Finnen \u00fcbrigens f\u00fcr die beste Vogelbeobachter-Community \u00fcberhaupt. Sie sind gut ausgebildet. Man begegnet dort sehr h\u00e4ufig Ornithologen, die international nicht bekannt sind, aber extrem gut Bescheid wissen. In Spanien ist das anders. Hier kennen sich nicht alle gleich gut aus oder sind gleich gut ausger\u00fcstet. Es ist ja schlie\u00dflich auch ein Unterschied, ob man im Nordwesten Spaniens in Galicien unterwegs ist, wo es sehr viel regnet, oder im hei\u00dfen Andalusien mit seiner mediterranen Landschaft. Wir sind auch ein eher lautes Volk. Spanische Vogelbeobachter reden einfach unheimlich viel. Au\u00dferhalb Spaniens f\u00e4llt mir immer wieder auf, wie still die Menschen sind.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:41px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n  <figure id=\"image-wo-block_601b9d6a69d81\" class=\"image-options  none full-width\">\n\n\n\n    <div class=\"image-wo\">\n       <div class=\"image-wo-wrap\">\n      \n\n                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.zeiss.com\/sports-optics\/birding\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2021\/02\/DSCF6310-zeiss-768x429.jpg\" alt=\"\">\n                 <\/div>\n          \n\n\n\n\n  <!-- end image-options-->\n  <\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Auf welche Arten sollte Deiner Meinung nach der Fokus im Naturschutz gerichtet werden?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke da nicht an eine bestimmte Art, sondern eher an eine Artengemeinschaft in einer bestimmten Umgebung&nbsp;\u2013 n\u00e4mlich die V\u00f6gel, die auf Ackern und Feldern br\u00fcten. Viele Arten brauchen diesen Lebensraum und ihre Zahlen sind stark r\u00fcckl\u00e4ufig. Arten wie die Gartenammer, die auch den Umschlag des European Breeding Bird Atlas ziert, ist ein gutes Beispiel, denn ihr Lebensraum f\u00e4llt zunehmend der Landwirtschaft zum Opfer. Saumbiotope mit ihren Hecken und B\u00fcschen zwischen Feldern gehen ebenso zur\u00fcck wie wertvolle Brachfl\u00e4chen. Als ich anfing, mich f\u00fcr V\u00f6gel zu interessieren, sah man einige Arten noch recht h\u00e4ufig auf Ackerfl\u00e4chen. Heute ist ihr Bestand stark geschrumpft, beispielsweise der der Wachtel. Dasselbe gilt f\u00fcr die V\u00f6gel der Steppen, die auf offenen Feldern br\u00fcten, wie Kalanderlerche, Zwegtrappe, Triel, Spie\u00dfflughuhn und Sandflughuhn. Diese Entwicklung muss schleunigst umgekehrt werden.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:40px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><em>Erz\u00e4hl uns mehr \u00fcber Deinen Podcast und Deine pers\u00f6nliche Motivation f\u00fcr dieses Projekt.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben La Radio del Somormujo (<a href=\"https:\/\/eur01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Flaradiodelsomormujo.com%2F&amp;data=04%7C01%7C%7Ce18a7dbb3c7e4c56d9f908d8a6971318%7C28042244bb514cd680347776fa3703e8%7C1%7C0%7C637442515083726668%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C1000&amp;sdata=9Se5OhxBFfaBmu%2FIizJKX%2B9qOrdwp4n%2BVmq1jk74f50%3D&amp;reserved=0\">https:\/\/laradiodelsomormujo.com\/<\/a>) 2018 ins Leben gerufen. Damals gab es in Spanien noch keine Podcasts \u00fcber V\u00f6gel, die sich an Ornithologen und Naturfreunde richteten. Wir hatten also eine Nische entdeckt. Unser Podcast wurde sehr gut angenommen und die H\u00f6rerzahlen stiegen schnell. Mir ist es sehr wichtig, wissenschaftliche Entdeckungen an Vogelfreunde und Hobby-Ornithologen weiterzugeben. Viele wissen gar nicht, was in der Vogelwelt alles entdeckt wird! Es gibt fast nichts erf\u00fcllenderes, als Menschen von wissenschaftlichen Forschungsarbeiten und Schutzprojekten zu erz\u00e4hlen, denn man schafft so ein Bewusstsein f\u00fcr den Schutz der V\u00f6gel. Unter unseren H\u00f6rern sind Vogelbeobachter, Naturfreunde, aber auch Neulinge, die sich erstmals mit dem Thema besch\u00e4ftigen. Unsere Gespr\u00e4che \u00fcber V\u00f6gel sollen in erster Linie unterhalten. Wir erz\u00e4hlen Anekdoten, manchmal auch lustige, um Menschen an das Thema heranzuf\u00fchren. Wenn wir das Ganze zu wissenschaftlich und akademisch angingen, w\u00fcrden viele das Interesse verlieren. Wir wollen nicht distanziert, sondern nahbar sein. Um unser Publikum zu erreichen, d\u00fcrfen wir nicht zu oberlehrerhaft wirken. Wir sind stolz darauf, dass unser Podcast immer mehr Anh\u00e4nger findet. Im Fr\u00fchjahr 2020 wurde er von der gr\u00f6\u00dften Podcast-Plattform Spaniens iVoox zu einem der interessantesten Wissenschafts-Podcasts gew\u00e4hlt. F\u00fcr unsere eigentlich ganz uneigenn\u00fctzige Initiative ist das ein gro\u00dfartiger Erfolg. Ich durfte sogar schon bei einigen bekannten Radiosendungen mitwirken und dort \u00fcber meine Begeisterung f\u00fcr V\u00f6gel sprechen. F\u00fcr den Podcast bekommen wir kein Geld. Jede Woche gibt es eine neue Folge \u2013 im Januar haben wir die 100.&nbsp;Folge produziert! Und 40.000&nbsp;Downloads sind wirklich eine beachtliche Zahl. Wir hoffen, irgendwann einen Sponsor zu finden, der uns unterst\u00fctzt, denn die Vorbereitungen der w\u00f6chentlichen Folgen sind sehr zeit intensiv.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:21px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Wer die lebendigen, gut erkl\u00e4rten Podcasts h\u00f6ren m\u00f6chte, h\u00f6rt sich die verschiedenen Programme auf <a href=\"https:\/\/laradiodelsomormujo.com\">https:\/\/laradiodelsomormujo.com<\/a> an. Daf\u00fcr lohnt es sich sogar, Spanisch zu lernen. Selbst f\u00fcr Leute mit spanischen Grundkenntnissen ist es gut verst\u00e4ndlich. Mehr \u00fcber das ZEISS SF 32, das Jos\u00e9 Luis testete, finden Sie hier: <a href=\"http:\/\/www.zeiss.de\/mehrentdeckungen\">www.zeiss.de\/mehrentdeckungen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview mit dem spanischen Vogelbeobachter Jos\u00e9 Luis Copete. 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