Vogelbeobachtung in der steinigen Wüste im Süden Israels

Ich wurde in Jerusalem geboren und diese alte, heilige Stadt mit ihrer Fülle an religiösen Stätten war der erste Ort, den ich als Kind durchstreifte.

Die öde, steinige Wüste im Süden Isreals kann für die Augen unerfahrener Vogelbeobachter ein schwieriges Terrain sein. Diese weite, offene Landschaft mit vielen Wadis, zerklüfteten Felswänden und ausgedehnten Flächen ist mir aber dennoch zur Heimat geworden – genauso, wie vielen außergewöhnlichen und geheimnisvollen Wüstentieren.

Das Leben hier ist karg und dennoch vielfältig. Die Wüste hat ihre eigenen Regeln, und wenn man sie befolgt, kann man sich einfügen und alles miterleben. Andernfalls erscheint einem die Wüste nur weit und leer und ihre Tierwelt bleibt einem fremd.

Die extremen Bedingungen, die das Leben in der Wüste zur Herausforderung machen, zu verstehen, ist der Schlüssel zum Erfolg. Ressourcen, die wir als selbstverständlich erachten, sind in der Wüste knapp: Nahrung, Schatten und vor allem Wasser.

In der Wüste kann aus der kleinsten Bewegung ein interessantes Spektakel werden, eine einzige Ameise kann dich zu einem riesigen Ameisenbau führen oder ein Schwarm Flughühner zum heiligen Gral, zu einer Wasserstelle, die das Gebiet mit kostbarem Nass versorgt und mit Leben erfüllt.

Als ich zehn Jahre alt war, beobachtete ich staunend wie Mauersegler über unseren Köpfen kreisten und dann kreischend in ihren in den Rissen und Spalten der Klagemauer verborgenen Nestern verschwanden. Das war ein ganz besonderer Moment. Seither bin ich begeisterter Vogelbeobachter.

Während ich in diesem Zentrum der Religionen aufwuchs, sah ich, wie tausende Menschen aller Glaubensrichtungen von dieser Stadt angezogen wurden und zu ihren heiligen Stätten pilgerten, ähnlich wie Wüstenvögel von einer Wasserstelle angezogen werden.

In der Wüste sind diese vereinzelten und oft vorübergehenden Trinkplätze meine heiligen Stätten.
Nicht das Wasser darin oder die Geschichten, die diese Plätze umgeben, machen sie heilig, sondern ihre Besucher.

Wie Jerusalem und seine Vielzahl von Religionen, alle innerhalb einer Stadt, folgen diese Orte anderen Regeln. Tierarten mit territorialem Verhalten werden auf diesem heiligen Boden zu sozialen Wesen, und für wenige, kurze Momente gibt es kein Konkurrenzdenken mehr.

Jede Tierart hat ihre eigenen Rituale. Flughühner trinken rasch, haben es dann aber nicht eilig, wieder wegzufliegen, zurück in ihr einsames Wüstenleben. Kappensteinschmätzer können an der Wasserstelle relaxen und kümmern sich nicht um die Vögel um sie herum, die sie anderswo sofort verjagen würden.

Ich beobachte das Geschehen aus der Entfernung durch mein ZEISS Harpia 95 und bin bei kristallklarer Sicht Zeuge dieses heiligen Schauspiels, ohne die Pilger zu stören.

Der Graudrossling, der seinesgleichen überdrüssig ist, sucht sich eine andere gesellige Gruppe, damit er ein paar wilde Stories von abenteuerlichen Zugvögeln aufschnappen kann.

Kronenflughuhn und Tropfenflughuhn, hunderte arabische Wüstenhühner, Steinlerchen, Wüstengimpel, Saharasteinschmätzer, Kappensteinschmätzer und Schwarzrücken-Steinschmätzer, Schwätzer, Bülbüls, Tauben, Schwarzschwänze, Fahlsperlinge und Steinschwalben, alle kommen an die Reihe und können ihren Durst stillen.

Diese Oasen sind ein wichtiger Teil der Zusammenarbeit zwischen dem International Birding & Research Center in Eilat und ZEISS. Zur Schaffung und Aufrechterhaltung eines Rahmens für den Schutz, die Überwachung und Verbesserung dieser wichtigen Trinkplätze für Vögel und andere Wildtiere im Süden der Wüste Negev werden wir weiterhin intensiv zusammenarbeiten.

Noam Weiss

Noam bezeichnet sich selbst als 24/7-Vogelbeobachter. Sein ZEISS Victory SF Fernglas trägt er ständig um den Hals, sogar im Urlaub und in Großstädten. Zum Glück ist er mit einer Biologin verheiratet, die großes Verständnis für seine Leidenschaft aufbringt. Seine Einstellung zur Vogelbeobachtung hat sich im Laufe der Zeit aber verändert: In jungen Jahren sah Noam die Natur hauptsächlich als seinen Zufluchtsort an und war am liebsten alleine unterwegs. Später wollte er der Natur etwas zurückgeben und begann, auch andere Menschen für den Naturschutz zu begeistern. Seine Leidenschaft und seine positive Ausstrahlung sind so ansteckend, dass er es schafft, selbst unerfahrene Menschen von der Wichtigkeit des Vogel- und Naturschutzes zu überzeugen. Naturschutz schützt uns alle.