Ein Paradies für Wasservögel im Osten von Hamburg

Ein kalter Wintermorgen, der Wetterbericht sagt Wind und Schneeschauer voraus, die besten Voraussetzungen, sich noch einmal im Bett umzudrehen und sich einen gemütlichen Tag drinnen zu machen. Doch nicht heute, denn an diesem Tag steht ein Treffen mit dem Young Birders Club am Öjendorfer See ganz im Osten Hamburgs an. Der Öjendorfer See ist ein künstlicher See der aus einer stillgelegten Kiesgrube entstanden ist und gerade im Winter ein Paradies für Wasservögel ist. Genau aus diesem Grund sind wir gleich morgens da – und das Wetter präsentiert sich dann doch besser als angekündigt mit viel Sonnenschein.

Also starten wir zu acht voller Tatendrang auf der Suche nach Entenvögeln und der Rohrdommel. Die Rohrdommel ist die Wunschart aller an diesem Tag, dieser Reihervogel ist einer der heimlichsten Vögel überhaupt, meistens mitten im Schilf verborgen und durch seine perfekte Tarnung kaum zu finden. Doch hier am Öjendorfer See überwintern jedes Jahr 4-5 Rohrdommeln in einem kleinen Schilfgebiet und sind auch regelmäßig gut zu sehen. Doch erstmal lässt sich keine Rohrdommel finden, dafür sind durch das Fernglas (ZEISS Victory SF) einige hundert Blässhühner und Reiherenten zu sehen.

Zwischen den Reiherenten stechen ein paar Tafelenten ins Auge, die Männchen sind mit ihrem roten Kopf und silbergrauen Körper eine der auffälligeren Enten. Plötzlich taucht im Spektiv eine Schellente auf, diese Entenart ist in Hamburg nur Wintergast, da sie in alten Schwarzspechthöhlen in Buchen brütet, die in Hamburg sehr knapp sind. Im Winter kann man die attraktive Ente dafür gelegentlich beobachten.

Besonders der Öjendorfer See und die Carl Zeiss Vogelstation sind für sie und viele andere Entenarten gute Punkte, da man die Vögel dort aus geringer Entfernung beobachten kann.

Ein paar Meter weiter grasen auf einer Wiese am Ufer Gänse, darunter auch ein Nilgans-Paar, das noch Junge führt. Die Jungvögel sind zwar schon fast erwachsen, folgen ihren Eltern aber immer noch und verlassen die Familie meist erst im Frühjahr.

Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf und ohne Vorwarnung bricht ein Graupel-Schauer über uns herein, doch zum Glück ist es nicht weit bis zum Kiosk und so flüchten wir uns unter das Dach und wärmen uns bei einer Tasse Kakao auf. Danach geht es weiter, ein Schwarm Taiga-Birkenzeisige begleitet uns auf unserem Weg, die nordischen Finkenvögel fressen die Samen der Erlen am Ufer und machen sich durch ihre Rufe bemerkbar.

In den meisten Jahren sind nur vereinzelte Birkenzeisige bei uns zu finden, doch dies Jahr sind hunderte Vögel aus dem Norden gekommen und bilden ein beeindruckendes Schauspiel.

Da das Wetter inzwischen leider der Vorhersage entspricht und die Schneeregenschauer überwiegen, beschließen wir zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Doch kurz vor den Autos fällt mir aus dem Augenwinkel eine Bewegung im Schilf auf und tatsächlich sitzt da auf einmal eine Rohrdommel oben im Schilf. Als wir stehen bleiben tauchen noch zwei weitere auf, ohne dass man sie vorher auch nur erahnt hätte.

Plötzlich sind sie da und genauso schnell verschwinden sie auch wieder im Schilf. Ihre Tarnung ist einfach perfekt und macht das Glück der tollen Beobachtung dafür umso größer. Mit dieser Beobachtung als Abschluss machen wir uns glücklich auf den Heimweg, doch der Tag wird noch lange in Erinnerung bleiben.

Sören Rust

Sören Rust ist ein begeisterter Young Birder und Naturfotograf sowie ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Carl Zeiss Vogelstation in der Wedeler Marsch.