Young Birders Club

Samstagmorgen 6:30 Uhr im Wasservogelreservat Wallnau, der Wecker klingelt. Schnell gefrühstückt und angezogen, dann geht es raus an den Strand. Zum dritten Mal in Folge sind wir mit dem YoungBirders-Club Mitte Januar auf Fehmarn zur Mittwinterzählung. Doch während die letzten Jahre das Wetter zwar kalt aber durchweg freundlich war, ist in diesem Jahr für das Wochenende Dauerregen und Sturm angesagt, sodass die Zählung zu einem Funktionstest für die eigene Regenkleidung wird.

Davon lassen wir zehn YoungBirders uns nicht abhalten und nutzen jede Minute Tageslicht zum Vögel beobachten.

Mit Eider- und Trauerente sind die ersten spannenden Arten bald gefunden. Auch ein Rothalstaucher schwimmt nicht weit vor der Küste und sogar die erste Eisente fliegt durch das Sichtfeld unserer Spektive. Danach geht es zur heutigen Zählstrecke.

Auf ca. 10 Kilometern Küstenlinie gilt es für uns alle anwesenden Vögel zu erfassen, um so den Gesamtbestand auf Fehmarn möglichst genau zu bestimmen.

Am nächsten Tag zählen wir die Strecke von Orth bis auf den Krumsteert. Um neun Uhr geht es in Friesennerz und Regenhose gehüllt los. Auffällig sind viele Mittelsäger, die in der geschützten Bucht nach Nahrung suchen. Mittags wärmen wir uns bei einer Tasse Tee aus der Thermoskanne auf, danach geht es raus auf den Krummsteert. Gegen drei Uhr nachmittags sind wir mit der Zählung fertig und fahren zurück nach Wallnau.

Bis auf unsere triefenden Wanderstiefel hat die Kleidung ihren Zweck erfüllt. Abends gibt es ein gemeinsames Essen mit allen Zählern. Danach vertreiben wir uns die Zeit mit Billard spielen und tauschen uns über unsere letzten Orni-Touren und Beobachtungen aus. Die Zeit vergeht wie im Flug und ehe wir uns versehen haben, ist es schon Zeit schlafen zu gehen.

Die Landzunge, die jedes Jahr durch angespülten Sand weiter wächst, ist ein Rastplatz für viele Limikolen wie Alpenstrandläufer und Kiebitzregenpfeifer.

Am Sonntagmorgen heißt es schon wieder Sachen packen und auf nach Burgtiefe ganz im Süden Fehmarns. Das Wetter stellt keine Überraschung dar, wieder haben wir Regen – doch zum Glück Rückenwind. Gleich zu Beginn sorgt ein Trupp Schneeammern für ein erstes Highlight des Tages auf das noch viele weitere Folgen sollen. Während wir gerade Eiderenten zählen ruft Marco Sommerfeld auf einmal „Eismöwe!“, sofort schauen alle hin und bestaunen die immature Eismöwe die unmittelbar vor uns am Strand entlang fliegt.

Eine Eismöwe ist eine richtige Rarität in Deutschland und für alle der absolute Höhepunkt der Tour.

Zum Nachmittag hin wird das Wetter sogar etwas besser und wir entdecken als spannenden Abschluss einen Trupp von 21 Tordalken der flach über das Wasser nach Westen fliegt. Durchgefroren und müde aber gut gelaunt und glücklich über die gemeinsamen, tollen Tage geht es danach zurück nach Hamburg.

Sören Rust

Sören Rust ist ein begeisterter Young Birder und Naturfotograf sowie ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Carl Zeiss Vogelstation in der Wedeler Marsch.