Interview mit Simon King

"Ich kann mich gar nicht daran erinnern, jemals nicht von meiner Umgebung fasziniert gewesen zu sein. Ich bin überzeugt, dass alle Kinder von Natur aus neugierig sind und von Lebendigem angezogen werden. Ich hatte schlicht Glück, dass ich meine Leidenschaft ins Erwachsenenalter retten und aus meinem Hobby einen Beruf machen konnte."

Simon King

ZEISS: Können Sie sich daran erinnern, wann und wie Sie Ihre Leidenschaft für die Naturbeobachtung entwickelt haben?

Simon King: Ich kann mich gar nicht daran erinnern, jemals nicht von meiner Umgebung fasziniert gewesen zu sein. Ich bin überzeugt, dass alle Kinder von Natur aus neugierig sind und von Lebendigem angezogen werden. Ich hatte schlicht Glück, dass ich meine Leidenschaft ins Erwachsenenalter retten und aus meinem Hobby einen Beruf machen konnte.

ZEISS: Nach so vielen Jahren der Naturbeobachtung sind Sie da nicht irgendwann abgestumpft? Wie bleiben Sie interessiert nach all dem, was Sie von der Welt schon gesehen haben?

Simon King: Ich habe schnell gelernt, dass je mehr ich von der Welt und ihrer Tier- und Pflanzenwelt sehen darf, umso mehr gibt es noch Neues zu entdecken. Ich bin fasziniert von den Lebensgeschichten anderer Kreaturen, ihr Kampf ums Überleben, ihr Glück und ihr Schicksal. Ich realisiere, dass ich nie genug über die Natur in meinem Garten wissen werde – ganz zu schweigen von den Gebieten weiter entfernt. Jeder Tag in der Natur gibt mir so viel zurück und es ist mein Privileg, diese Geschichten in Filme umwandeln zu dürfen.

ZEISS: Wenn Sie nicht arbeiten, wie entspannen Sie in Ihrer Freizeit?

Simon King: Ich habe ein sehr großes und breites Interessensspektrum, das vom Musikhören, über Musizieren, Kochen, bis zu Kino, Theater und Freunde treffen reicht. Ich genieße eine Stadtbesichtigung, allerdings nur für einen Tag und nicht viel länger. Nach längerer Zeit in der Stadt werde ich etwas nervös und muss zurück zu großen Grünflächen und freiem Himmel. Wenn ich Zeit für mich habe, nutze ich diese oft für die gleichen Dinge, die ich bei der Arbeit mache. Die Arbeit ist meine Leidenschaft.

ZEISS: Was war Ihre härteste Aufgabe und welche die gefährlichste?

Simon King: Ich wurde von einem wilden Geparden angegriffen, der von einem Spitzmaulnashorn gejagt wurde. Asiatische Elefanten zerdrückten mich beinahe und ich bin durch für Menschen harte Gebiete in der Antarktis gekommen. Jedoch gehen die meisten Probleme in der Vergangenheit auf mein eigenes Konto, weil ich die Zeichen nicht richtig beachtet habe, oder einfach reines Pech hatte. Ich sehe die Erde nicht als gefährlichen, sondern faszinierenden und abwechslungsreichen Ort an, bei dem es manchmal etwas dauert, ihn genau kennen zu lernen. Auf diesem Weg können Fehler passieren.

Einige der Filme, die ich in der Vergangenheit gemacht habe, haben ein gewisses Maß an Hartnäckigkeit und Ausdauer gefordert. Ich habe mich einmal 14 Tage in einem Versteck aufgehalten, um einen Sperber dabei zu filmen, wie er eine Blaumeise an einem Futterhäuschen schnappt. Ich war drei Wochen auf einer australischen Insel für Filme von Krokodilen, die Schildkröten fressen, was sie jedoch nicht getan haben. Und ich habe unzählige Monate verbracht, auf Ereignisse zu warten, die auf dem Bildschirm nur ein paar Sekunden dauern.

ZEISS: Wie weit würden Sie für einen guten Film gehen und wo sind Ihre Grenzen?

Simon King: Meine goldene Regel ist, dass mein Filmobjekt Vorrang hat. Kein Foto oder keine Filmsequenz rechtfertigen es, ein Tier zu stören oder zu stressen. Unter dieser Vorgabe würde ich alles machen, um etwas zu filmen, das es der Mühe wert ist – unabhängig von meinem persönlichen Unbehagen. Harte körperliche Bedingungen, zahlreiche Stunden und extreme Anstrengungen sind manchmal die Voraussetzung, um Zeuge eines einzigartigen Naturschauspiels zu werden. Ich denke jedoch nicht, dass die Zuschauer das mitbekommen sollten, wenn sie einen Film sehen. Dabei geht es nur um die Schönheit und Vielfalt der Welt, in der wir leben, und deren wild lebenden Tiere.

ZEISS: Wie gehen Sie vor, um eine Gruppe Jugendlicher für die Natur zu begeistern?

Simon King: Bis ein Mensch ins Teenager-Alter kommt, haben sich viele Gewohnheiten schon etabliert. Wenn jemand noch niemals die Möglichkeit hatte, die Natur kennen und schätzen zu lernen, dann ist es schwierig, ihnen nur davon zu erzählen, worum es geht. Besser ist es, sie rauszunehmen und ihnen den Reichtum der Natur zu demonstrieren. Vielleicht auch über Outdoor-Aktivitäten wie Surfen, Klettern, Trekking oder anderen körperlichen Betätigungen – begleitet von jemanden, der ihnen die Natur näher bringen kann. Einen Mentor in diesem Sinne zu haben, ist sehr wichtig. Die Welt da draußen kann verwirrend sein, bis man sie richtig kennenlernt. Sobald man sie näher kennt, ist es fast unausweichlich, sie zu schützen.

ZEISS: Wenn Sie die Mittel dazu bekämen, welches Naturschutzprojekt würden Sie aufsetzen?

Simon King: Ich habe ein Naturschutzprojekt begonnen: Das „Simon King Wildlife Project“. Unsere Ziele sind sehr einfach. Wir wollen Land kaufen, das in seiner natürlichen Art zerstört wurde. Entweder als Ackerland, abgetragene Waldflächen oder städtische Müllablagerungen. Sobald wir uns um diese Gebiete kümmern, renaturieren wir sie, indem wir Bäume pflanzen, Wildblumen säen und Seen anlegen. Während die Natur dorthin zurückkehrt, dokumentieren wir dies auf unserer Website, um alle daran teilhaben zu lassen:

www.simonkingwildlife.com

Darin entwickeln wir Naturerlebniszentren für Kinder und Erwachsene. Die größte Gefahr für das Überleben der Tier- und Pflanzenwelt überall auf der Welt ist der Verlust an Fläche aufgrund unserer menschlichen Aktivitäten. Mit unserem Projekt wollen wir die Natur zurück auf die Landkarte bringen.