Seevogelbeobachtung in Eilat

Ich wurde in Israel geboren, zu der Zeit umgeben von feindlichen Grenzen, umringt von hohen rauen Bergen, und habe mich immer gefragt, was sich an Orten befindet, die ich sehen kann, aber zu denen ich nicht gelangen kann. Mithilfe meiner ZEISS-Spektive wollte ich ferne Bewegungen von Vögeln beobachten, entfernte Klippen und verödete Berggipfel, die alle außerhalb meiner Reichweite lagen. Ich fragte mich, welche Vögel dort wohl lebten. Wie sehr unterscheidet sich das von unserem Lebensraum? Die Realität hat sich gewandelt und ich habe einige dieser Ort besucht und wunderschöne Landschaften, Vögel und nette Menschen entdeckt.

Jeder Vogelbeobachter, der lange Zeit das Meer beobachtet, kennt dieses Gefühl. Möwen und Stare kommen an Land, aber in der Ferne (und nur, wenn der Wind richtig steht) lassen sich vielleicht Sturmtaucher (und mit besonders viel Glück eine Sturmschwalbe) blicken, um gleich darauf wieder im Dunst zu verschwinden. Für manche kann es frustrierend sein, sie durch das Fernglas zu beobachten und an Land festzusitzen. Aber für mich war das sehr inspirierend. Ich wollte wissen, wie es dort ist, am anderen Ende, hinterm Horizont. Wir haben versucht, mit kleinen Booten aufs Meer hinauszufahren. Aber wir haben nicht viel gefunden.

Ich träumte von einer neuen Entdeckung, neuen Lösungen und Antworten auf meine Fragen an dem für mich unerreichbaren Ort.

Die Beobachtung vom Land aus war immer produktiver. Doch ich wusste, dass da mehr sein musste… biologische Muster, die man nur durch lange Beobachtung erkennen konnte. Ich wollte auch mehr über das Vorkommen von Sturmschwalben in Eilat herausfinden. Es gab nur wenige Beobachtungen in der Vergangenheit und in fast allen Fällen handelte es sich um schwache Vögel, die schließlich starben.

Schließlich hatte ich die Gelegenheit, auf den Golf von Akaba hinauszufahren, nachdem ich mich mit dem meeresbiologischen Labor von Eilat (Interuniversity Institute for Marine Science in Eilat) in Verbindung gesetzt hatte. Alleine meine Aussage „Seevögel sind Teil der Meeresbiologie“ reichte aus, um das Labor davon zu überzeugen, mich auf die monatlichen Beobachtungsfahrten in den tiefen Gewässern vor Eilat, weit im Roten Meer, mitzunehmen.

In den letzten beiden Jahren sind wir nun einmal pro Monat in die Mitte des Golfs von Akaba hinausgefahren, entlang der Meeresgrenze zwischen Israel, Jordanien und Ägypten.

Bei den ersten Fahrten wurde unsere Geduld auf die Probe gestellt, denn manchmal war nicht ein einziger Vogel zu verzeichnen. Die Winter waren besonders ruhig. Aber im Frühling nahmen die Bewegungen von Flusssee- und Zwergseeschwalbe, Schmarotzerraub-, Spatelraub- und Falkenraubmöwe zu und auch einige Sperlinge waren in der Mitte der Bucht zu beobachten. Viele Vögel waren in Richtung Süden vom nördlichen Strand von Eilat, der sich am oberen Ende des Golfs befindet, zu beobachten. Dadurch lässt sich erklären, warum die meisten Seevögel hier zu sehen sind, wo sie für Beobachter vom Land aus sichtbar sind.

Wir haben auch Wespenbussarde beobachtet, die eine Abkürzung über das Meer nahmen, wenn der Ostwind ihnen Gegenwind bescherte. So lässt sich auch begründen, warum unsere Greifvogelzähler in den Bergen sie unter diesen Bedingungen vermissen. Und das erklärt auch, warum wir bei Ostwind häufig gerufen werden, um im Golf schwimmende Bussarde zu retten. Wir haben sogar herausgefunden, dass Eleonorenfalken die ziehenden Singvögel bei ihrem Versuch, offenes Wasser zu überqueren, jagen. Aber die entscheidende Beobachtung machten wir bei Fahrten im Sommer, als die Temperaturen gut über 40 °C lagen und die Vögel in der Ferne durch den Dunst kaum sichtbar waren. Aus dem blauen Wasser heraus kamen die Sturmschwalben.

Während einer besonders rauen Fahrt bei sengender Hitze tauchte plötzlich eine schlanke, schwarz-weiße Sturmschwalbe auf, gefolgt von dem größeren Swinhoewellenläufer. Das dunkelblaue Wasser lieferte einen perfekten Hintergrund, um in der subtilen Schönheit dieser Vögel zu schwelgen.

Mit meinem ZEISS Victory SF 10×42 konnte ich ihr Gefieder scharf und deutlich erkennen und ich beobachtete genau jede dramatische Wendung und Drehung, während sie auf der Oberfläche des Ozeans nach Futter suchten. Diese Beobachtung war kein Zufallstreffer. Wir haben fortan Swinhoewellenläufer zwischen Juni und September beobachtet und die Buntfuß-Sturmschwalben kommen immer im August und September. Sie sahen alle gesund und kräftig aus, suchten nach Futter und flogen schnell. Es hat sich herausgestellt, dass unser brütend heißer Sommer deren südlicher Winter ist.

Wenn das Plankton aus der Antarktis davon treibt, folgen ihm die Sturmschwalben nach Norden, bis in unseren Golf. Somit ist Eilat bei 29° nördlicher Breite am Rand des Indischen Ozeans Teil der südlichen Hemisphäre. Es ist nun ein anderes Gefühl, am nördlichen Strand von Eilat zu sitzen und das Meer zu beobachten. Ich weiß, dass da draußen Seevögel sind, und ich weiß, dass unsere Gewässer gut für sie sind. Ich habe Entdeckungen hinterm Horizont gemacht. Ich habe einmal mehr das Unerreichbare erreicht.

Noam Weiss

Noam Weiss ist der Leiter des IBRCE in Eilat. Er ist verantwortlich für die Pflege und Verbesserung der Lebensräume im Vogelschutzgebiet sowie für die Aufstockung der Nahrungsquelle von Zugvögeln in Eilat und der südlichen Aravasenke. Außerdem rückt er das Thema Vogelschutz ins öffentliche Bewusstsein und leitet Seminare, um Menschen zum Schutz der Vögel und zur Unterstützung von Vogelbeobachtern zu animieren.