1978 wurde trotz massiver Proteste von Naturschützern die Wedeler Marsch eingedeicht.  Der NABU Hamburg setzte jedoch durch, dass die für den Deichbau benötigte Kleientnahmestelle (Klei = schwerer, tonhaltiger Marschboden) zu einem ökologischen Ersatzlebensraum für Wat- und Wasservögel gestaltet wurde. Nach Vorgaben und unter tatkräftiger Mithilfe vieler Vogelfreunde entstand auf dem etwa 17,5 ha großen Gelände ein 10 Hektar großes Gewässer. Seither ist das Gebiet vom NABU Hamburg gepachtet und wird von ehrenamtlich Aktiven ständig gepflegt und weiter entwickelt.

Die Carl Zeiss Vogelstation wurde 1984 eröffnet. Seit mehr als 30 Jahren wird von hier aus, ca. 15 km westlich von Hamburg, die Vogelwelt der Wedeler Marsch beobachtet. Das Schutzgebiet rund um die Vogelstation bietet durch seine Strukturvielfalt auf engstem Raum Vögeln wertvolle Lebensräume. Enten, Gänse, Watvögel und Möwen finden hier ideale Nahrungs- und Brutflächen. Ein hauptamtlicher und mehrere ehrenamtliche Betreuer informieren die Besucher über die Natur vor Ort, verleihen Ferngläser und begeistern auf zahlreichen Führungen für die heimische Vogelwelt.

Das Schutzgebiet rund um die Vogelstation bietet durch seine Strukturvielfalt auf engstem Raum Vögeln wertvolle Lebensräume.

Von drei Beobachtungsständen aus bietet sich ein freier Blick auf angrenzende Gewässer und Inseln.
Durch höhenverstellbare Sehschlitze lassen sich Wasser- und Brutvögel bequem beobachten, teilweise aus nur wenigen Metern Entfernung. Sichtschutzwälle verhindern mögliche Störungen der Vogelwelt. Heiner Hofmann zieht es oft an die Wedeler Marsch. Der Fotograf genießt die Natur um die Vogelstation und konnte dort schon einige gelungene Bilder aufnehmen.

Im Juni 2016 gab es an der Carl Zeiss Vogelstation für ihn das erst Mal junge Flussregenpfeifer zu sehen. Sie hatten sich alle auf einer Kiesinsel versammelt. Die Eltern waren in großer Sorge, denn es zeigten sich immer mehr große, für die kleinen Vögel gefährliche Möwen. Sie flogen ständig vom Ufer zur Kiesinsel und zurück und lockten die Kleinen mit Rufen. Doch es hat ca. eine Stunde gedauert, bis sich die Jungen entschieden hatten, zu den Eltern zu schwimmen. Denn mit den kleinen Flügeln kann man leider noch nicht fliegen.

Im Laufe eines Jahres lassen sich hier bis zu 160 Vogelarten beobachten.

Ein besonderes Erlebnis ist für Hofmann der Besuch von Tausenden Weißwangengänsen im Frühjahr. „In einem Jahr konnte ich ein eindrucksvolles Bild aufnehmen“, so Hofmann. „Es sammelten sich wie in jedem Frühjahr ca. 10.000 Weißwangengänse vor der Carl Zeiss Vogelstation um Nahrung aufzunehmen. Plötzlich zeigte sich in der Ferne ein Seeadler. Die Gänse hielten inne und hoben ihre Köpfe. Sie wurden immer unruhiger und ihre Rufe immer lauter. Plötzlich flogen alle wie auf ein Kommando hoch. Sie flogen dabei so eng beieinander, wie ich es später nie wieder gesehen habe.“

Auch für den ostatlantischen Vogelzug ist die Wedeler Marsch als Durchzugs-, Rast- und Überwinterungsgebiet von besonderer Bedeutung. So finden beispielsweise Tausende Krickenten Nahrung in den Süßwasserwatten bei Fährmannssand, Bishorst und dem Mühlenberger Loch.
Andere Vögel überwintern in der Wedeler Marsch. Zu ihnen gehören Weißwangen-, Grau- und Blässgänse genauso wie Gänsesäger. Die Wiesen bieten ihnen Schutz und Nahrung.
Nähere Informationen gibt es unter: Carl Zeiss Vogelstation

Tausende von Zugvögeln nutzen die Süßwasserwatten als Kraft-Tankstelle auf ihrem Zug von Skandinavien oder Nordrussland in den Süden.