Schutz der Waldrappe in Marokko

In Marokko liegt das letzte Zufluchtsgebiet der vom Aussterben akut bedrohten Waldrappe. Ursprünglich kamen diese eigentümlich aussehenden Vögel von Nordafrika und dem Nahen Osten aus nach Norden bis Süddeutschland in einem großen Verbreitungsgebiet bis in das 17. Jahrhundert vor.

Hauptursache für das dramatische Aussterben in vielen Ländern war die direkte menschliche Verfolgung. Denn der Waldrapp ist nicht besonders scheu und hat meist sehr nahe an der menschlichen Zivilisation in kleineren Felswänden gebrütet. Die verhältnismäßig leichte Erreichbarkeit vieler Brutplätze hat ihren Beitrag zur Ausrottung der Tiere geleistet.

Unterschutzstellungen durch Könige, Erzherzöge und Fürsten konnten nicht verhindern, dass die Tiere zu oft in den Kochtöpfen der Menschen landeten. Denn das Fleisch der großen Vögel war als Delikatesse sehr begehrt. Waldrappe sind Ibisse mit einer Flügelspannweite von 130 cm, was der eines europäischen Löfflers entspricht.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich bei identischem Aussehen nur in der Größe, wobei die Männchen etwas größer als die Weibchen sind, was bei den Nestpaaren vergleichend erkennbar ist. Das Nest wird bereits im März aus Zweigen und Blättern gebaut. Die Vögel brüten nur einmal im Jahr von März bis Juni, wobei 2-4 Eier gelegt und von beiden Eltern abwechselnd bebrütet werden.

Zusammen mit BirdLife International und der Prince Albert II Foundation unterstützt ZEISS das Projekt zur Erhaltung der letzten Brutplätze im Souss Massa Nationalpark an der Atlantikküste südlich von Agadir. Bis zum Jahr 1960 gab es noch eine weitere große über 1.000 Tiere umfassende Brutkolonie in Birecik im Südosten der Türkei. Dann fielen die Vögel einer Massenvergiftung durch auf landwirtschaftlichen Feldern ausgebrachte Pestizide zum Opfer.

Aus wenigen verbliebenen Exemplaren konnte sich kein überlebensfähiger Wildbestand mehr etablieren und es existiert dort inzwischen nur noch ein kleines Vorkommen unter zooähnlichen Bedingungen in weitgehend menschlicher Obhut. Heute bildet der in Marokko verbliebene Wildbestand die einzige Hoffnungsgrundlage zur Rettung der Vogelart in freier Wildbahn.

Im Jahr 2018 werden dort mindestens 250 adulte Vögel zur Brut schreiten können.

Dies ist eine erfolgversprechende Zahl und es gibt neben den beiden Hauptbrutplätzen auch bereits kleinere Neuansiedlungen in der Umgebung. Das Problem liegt jedoch meist nicht an der Verfügbarkeit geeigneter Brutplätze in verschiedenen Klippen, sondern an den umgebenden Lebensräumen. Denn diese müssen nicht nur hinsichtlich ihrer Qualität als Nahrungslieferant ein ausreichendes Niveau erreichen, sondern auch eine ausreichend große Fläche umfassen, um den Tieren dauerhaft eine Lebensgrundlage bieten zu können.

Während die Tiere innerhalb des Nationalparks weitgehend sicher sind, ist ihr Schutz außerhalb der Nationalparkgrenzen nicht völlig gewährleistet. Denn der Waldrapp ist grundsätzlich ein Zugvogel, der nach der Brutzeit auch größere Strecken zurücklegt um ergiebige Nahrungsgründe vor allem in Feuchtgebieten zu erreichen. Insbesondere bei langanhaltender Trockenheit könnten die Vögel zum Abwandern gezwungen werden und in unkontrollierbare Gebiete gelangen, in denen sie illegaler Nachstellung oder Vergiftung zum Opfer fallen könnten.

Deshalb werden die zur Verfügung stehenden Mittel überwiegend für die Überwachung der Brutplätze, Verbesserung der Nahrungsgründe und die Aufklärung und Akzeptanzwerbung in der betreffenden Bevölkerung eingesetzt.

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Dr. Gerold Dobler

Dr. Gerold Dobler ist passionierter Birder und einer unserer ZEISS Produktspezialisten.