International Bat Night 2018

Über den Feldwegen und Wiesen steht noch die Hitze des Tages, dabei ist es schon stockdunkel. So viele abertausende Sterne sieht man nur hier draußen, fernab der Straßenbeleuchtung der Stadt. Jetzt im August ist die beste Zeit, Sternschnuppen zu beobachten.

Der Blick ist trotz einsetzender Nackenstarre konsequent nach oben gerichtet, um keine Chance auf eine Sternschnuppe zu verpassen. Da verdunkelt im zackigen Flug ein dunkler Punkt immer wieder unsere Sicht, so schnell wie jede Sternschnuppe. Die Fledermäuse sind zu dieser Zeit noch aktiver als die Laurentiustränen, die sichtbaren Auswirkungen des Meteorstroms im August.

Anders als auf die Sternschnuppen hat man auf Fledermäuse auch mitten in der Stadt eine wunderbare Sicht, sofern ausreichend alte Häuser mit zugänglichen Dachböden in der Umgebung sind. Sobald es dämmert, rasen sie durch die Luft.

Flattermaus
Gemeinsam mit den Flughunden sind die Fledermäuse als Fledertiere die einzige Säugetierart, die aktiv fliegt. An sich waren sie schon immer da: Seit 50 Millionen Jahren saust sie auf der Erde durch die Dunkelheit. Während der Mensch gerade mal ungefähr 300.000 Jahre existiert. Die Bezeichnung der Menschen für die nachtaktiven Tiere war Flattermaus, was im Laufe der Zeit zu Fledermaus wurde.

Flattermaus trifft die Schnelligkeit der Tiere sehr gut, die mit 800 Herzschlägen pro Minute unterwegs sind.

Auch international sind sie sehr gut aufgestellt, die weltweit rund 1.200 Fledermausarten kommen bis auf der Antarktis auf allen Kontinenten vor. Bis die Menschen kamen, waren sie auf vielen Inseln wie Neuseeland sogar lange Zeit die einzigen Säugetiere.

Von Mausohren bis Vampiren
Die Mausohren sind die Gattung an Fledermäusen, die weltweit überall und in der größten Artenvielfalt vorkommen. An sich bevorzugen Fledermäuse ein warmes Klima und damit tropische Klimazonen, dort treten sie sehr artenreich auf. Je nördlicher man vom Äquator kommt, umso weniger Fledermäuse werden es.

Jedoch flitzen auch in Deutschland noch 25 Fledermausarten durch die Nächte. Während die meisten Arten auf dem Boden eher tollpatschig wirken, sind Arten wie die Vampir- und die Neuseelandfledermäuse sehr schnell zu Fuß unterwegs. Einzelne Arten schwimmen gar mit ihren Flughäuten und starten vom Wasser direkt in den Flug. Fledermäuse gibt es von ganz klein bis relativ groß. Die Schweinsnasenfledermaus wird auch gerne Hummelfledermaus genannt und misst vom Kopf bis zum Rumpf gerade mal drei Zentimeter und bringt zwei Gramm auf die Waage. Dahingegen ist die größte Art, die Australische Gespenstfledermaus, mit ihren 14 Zentimetern Länge, einer Spannweite von 60 Zentimetern und 200 Gramm Gewicht schon imposant.

Fast alle Arten eint jedoch das zarte Skelett mit geringem Gewicht, um besser fliegen zu können, die Flughaut von den Handgelenken bis zu den Fußgelenken sowie das dichte, seidige Fell.

Mit dem Ultraschall-Echo orientieren sie sich wie keine andere Art. Selbst kleinsten Hindernissen weichen sie im Dunkeln aus, alleine indem sie die Zeit einordnen, die das Echo ihrer Ultraschalllaute bei der Reflexion an Objekten in der Umwelt braucht. So finden sie Nahrung in vorüberfliegenden Insekten. Wobei es nicht nur Insektenfresser gibt. Einige Arten haben sich auf Früchte oder Blätter und wieder andere auf Fleisch spezialisiert. Es gibt sogar tropische Fledermäuse, die wie Kolibris Nektar und Pollen von in der Nacht offenen Blüten abstauben.

Wie Batman zu seinem Namen kam
Am bekanntesten wurden die Fledermausarten, die sich aufs Blutlecken spezialisiert haben. Warmblüter überraschen sie in der Nacht, beißen ihnen mit ihren Schneidezähnen kleine Wunden in den Körper und lecken dann das Blut ab. Gleichzeitig besitzen viele Arten starke, lange Eckzähne, an sich jedoch angepasst auf ihre Insekten- und Blütennahrung. Alleine diese Besonderheiten liefern ausreichend Stoff für die Phantasie der Menschen.

So wurde die harmlose Fledermaus Vorbild für zahlreiche Vampirgeschichten und die 1939 erdachte Comicfigur Batman.

Im echten Leben ist die Figur Bruce Wayne Milliardär, sie verwandelt sich jedoch in einen Fledermausmann mit Umhang und spitzen Ohren, die Gotham City vom Verbrechen befreien will. Bruce Wayne geht davon aus, dass schon allein die Fledermausgestalt Ganoven Angst und Schrecken einjagt. Tatsächlich wurden Fledermäuse in vielen Kulturen als Unheil verkündende Wesen gefürchtet.

Sie steht für den Tod. Auch die Bibel sieht nur negative Eigenschaften in der Fledermaus. Bis heute sind Fledermäuse eng verbunden mit Vampirvorstellungen, Lebewesen, die nachts Gefahr bedeuten. In China wiederum steht die Fledermaus für Glück, sie ist häufig auf Kleidungsstücken oder als Talisman zu finden und symbolisiert Reichtum, Gesundheit und ein langes Leben.

International Bat Night
Für ihre geringe Größe erreichen Fledermäuse ein stattliches Alter. Im Vergleich zur ähnlich großen Maus wird die Fledermaus zehnmal so alt. Zu verdanken hat sie das der ökologischen Nische, die sie besetzt. Nachts bleiben ihr nicht viele Feinde und diesen fliegt sie einfach davon. Selbst in der Fortpflanzung ist die Fledermaus sehr trickreich zur Arterhaltung:

Anders als bei sonstigen Säugetieren überleben die Spermien über Monate. In Gegenden mit echtem Winter paart sie sich im Sommer oder frühen Herbst, die Eizelle der Weibchen wird aber erst im Frühjahr nach dem Winterschlaf befruchtet.

Eine echte Gefahr für die Fledermäuse ist nur der Mensch. In vielen Naturvölkern galt und gilt sie als wertvolle Medizin oder wurde zu Schutzamuletten verarbeitet. In unseren Breitengraden werden die Nachtakrobaten nur selten bejagt, aber wir zerstören ihren Lebensraum.

Viele Arten stehen als stark bedroht oder gefährdet auf der Roten Liste der IUCN, vier Fledermausarten gelten bereits als ausgestorben. Höhlen und Stollen als Winterquartiere sind inzwischen häufig geschützt, aber als Kulturfolger ist die Fledermaus vor allem von der Sanierung von Altbauten betroffen. Viele ihrer Schlafplätze sind versiegelt, daher helfen Naturschützer teilweise mit Fledermauskästen aus.

Entscheidend ist jedoch, dass der Bedarf der Fledermäuse bei Baumaßnahmen berücksichtigt wird, und wir wieder mehr Lebensräume für Insekten schaffen, ohne die die Fledermäuse nicht überleben. Die Internationale Fledermausnacht weist jährlich auf die Gefährdung der Nachtflieger hin. In erster Linie weckt sie mit besonderen Aktionen und Events die Faszination der Menschen für die besonderen Tiere.

Mit „Bat-Detektoren“ macht der NABU beispielsweise die Ultraschallrufe der Tiere hörbar und unterscheidbar. Die Fledermäuse bevölkern die Erde schon Millionen Jahre länger als wir und sie haben das Recht darauf, auch unsere Anwesenheit zu überleben. Machen Sie sich selbst ein Bild, packen Sie also ein Fernglas mit hoher Transmission für die Dunkelheit in die Tasche und reagieren Sie schnell, um die Geheimnisvollen der Nacht nicht zu verpassen!

Michaela Sulz

Michaela Sulz ist eine passionierte Birderin und ZEISS Bloggerin.