Judy Wu über Bird Sounds

Die Produzentin Judy Wu wurde für ihre Bird Sounds mit vielen Musikpreisen ausgezeichnet.

Taiwan, Asien
Taiwan, früher in europäischen Sprachen auch Formosa genannt, ist eine Insel im West-Pazifik vor dem chinesischen Festland und ist von diesem durch die Formosastraße getrennt.

Über das Hören fand Judy Wu zum Sehen: Die Musikerin und Produzentin aus Taiwan wurde für ihre Bird Sounds mit vielen Musikpreisen ausgezeichnet. Dabei entwickelte sich ihr Interesse für die Natur erst sehr langsam und entstand einzig über die Faszination des Klanges. Inzwischen interessiert sich Judy Wu auch für die Details der Tier- und Pflanzenwelt, die sie mit den Augen wahrnimmt.

Die Frösche und Insekten bilden den Rhythmus, die Vogelstimmen die Melodie in Judy Wus Musik. Die taiwanesische Musikproduzentin ist bekannt für ihre durch die Natur inspirierte Weltmusik.

Bis vor ungefähr 20 Jahren hatte Judy Wu jedoch noch wenig mit Natur am Hut. Damals studierte sie Musik und Aufnahmetechnik an der Brigham Young Universität in Utah, USA. Mit Freunden unternahm sie zu Beginn ihres Studiums einen Ausritt entlang eines Canyons.

Bis heute erinnert sie sich intensiv an die Bilder, den Gesamteindruck, jedoch nahm sie keinerlei Details der Natur wahr. Sie weiß, dass ein Adler, oder zumindest ein großer Greifvogel, über ihnen flog, aber sie erinnert sich außer an Hufgeklapper an kein einziges Geräusch. Ihre Sinne für die Natur waren noch nicht geschärft.

Wie die Wälder von Taiwan Judys Ohren öffneten

Im Wald von Taiwan warten die verschiedensten Geräusche darauf, entdeckt zu werden - beispielsweise jene der seltenen, gefährdeten Großen Taiwanesischen Zikade.

Große taiwanesische Zikade

Ostpazifischer Delphin

Bergsee in Orchid Island

Zurück in Taiwan gab ihr neuer Chef ihr ein Projekt: Sie sollte „Aborigine Music“ produzieren und sich also mit der Musik der Ureinwohner und deren Inspiration durch Naturklänge beschäftigen. Mit einem Aufnahmegerät bewaffnet und viel Proviant im Rucksack machte sich Judy auf einen langen Weg zu den Ureinwohnern in den Bergen. Während ihres Fußmarsches durch die Wälder Taiwans öffneten sich ihre Ohren, wie sie es selbst beschreibt. Sie fing an, Klänge einzufangen, festzuhalten und aus ihnen melodische Stücke zu komponieren.

Die Arbeit mit der Musik der Urvölker verfeinerte ihre Sinne weiter. Bis heute gibt es ungefähr 300.000 dieser Ureinwohner in Taiwan mit einer stark ausgeprägten Kultur. Sie leben noch traditionell im Einklang mit der Natur, auch wenn sie heute aufgrund der Schulpflicht der Kinder viel mehr in die Zivilisation eingebunden sind. Judy produziert deren Musik auf moderne Art und Weise. Denn sie sieht darin einen freundlichen Ansatz, Menschen von der kulturellen Vielfalt zu überzeugen.

„Musik erreicht die Emotionen von uns allen und lässt uns an die Kraft der Diversität glauben.“

Den gleichen Ansatz fährt sie mit ihren „Nature Sounds“: Sie will die Menschen überzeugen, neben der kulturellen Vielfalt auch den Facettenreichtum natürlicher Habitate zu erhalten. Für ihre Musikprojekte hat sie sich intensiv mit Fauna und Flora beschäftigt und sich von Biologen in die Welt der detailreichen Schönheit der Natur einführen lassen. Daraus entstand ihr Engagement für Naturschutz.

Bis heute hört Judy Wu mehr als sie sieht: Wenn sie mit Naturkundlern unterwegs ist, ist sie diejenige, die die Tiere immer zuerst hört.

Inzwischen interessiert sie sich jedoch für jedes Detail im Fernglas, weil sie von den Biologen gelernt hat, auch mit den Augen zu differenzieren. Nach besonders stressigen Tagen mit viel Arbeit als Musikdirektorin von Wind Music in Taipeh fährt sie zu ihrem regelmäßigen „Termin mit der Natur“, wie sie es nennt. Hier lässt sie sich als selbst erklärter Kontrollfreak komplett fallen, kann alles loslassen und wird wie die Ureinwohner eins mit den Geräuschen und Schauspielen der Natur.

"Nature Sounds Music of Taiwan" (von Judy Wu)

Judy Wu arbeitet verstärkt mit den in Taiwan heimischen Geräuschen um so das Bewusstsein für die Schönheit der Natur zu stärken.