Neues von der Carl Zeiss Vogelstation

Nun wo die heißesten Tage des Jahres vorbei sind und die ersten frühen Zugvögel wieder in der Wedeler Marsch ankommen, ist es an der Zeit, auf die diesjährige Brutzeit zurückzublicken. Dieses Jahr war ein sehr gutes Brutjahr für viele Arten, sodass die Carl Zeiss Vogelstation momentan voll mit Jungvögeln und Familien ist. Der Anfang der Brutzeit war dieses Jahr durch die lange kalte Phase im Frühjahr sehr schleppend, sodass besonders die Graugänse später als sonst waren.

Ende März begannen erste Paare mit der Brut versteckt in Schilf und Binsen, Ende April wurden erste Familien gesichtet, wie sie im Gänsemarsch am Ufer grasten.

Kurz danach begannen die Kanadagänse mit ihrer Brut. Anfang April bauten auch die Singvögel ihre Nester und besetzten die Reviere, ein Blaukehlchen saß täglich oben auf dem Holunderstrauch und sang weithin hör- und sichtbar.

Die Rohrammern und Schilfrohrsänger sangen überall im Schilf und die ersten Bachstelzen waren schon bald am Füttern.

Gegen Mitte April begannen dann auch erste Watvögel mit der Brut. Während die Kiebitze und Rotschenkel die Feuchtwiesen rund um die Station bevorzugen und von dem nassen Frühjahr profitierten, da die Blänken gut gefüllt waren und das Nahrungsangebot groß, begannen die Flussregenpfeifer direkt vor einer der Beobachtungshütten zu brüten. Vier Eier lagen zwischen den Kieseln und nach 25 Tagen schlüpften vier süße, kleine Flussregenpfeifer-Pulli, die sogleich über die Insel flitzten und ihren Eltern folgten.

Über die nächsten Wochen konnten wir hautnah dabei zuschauen, wie unsere kleinen „Fluppis“ größer und letztendlich alle vier flügge wurden. In der Zwischenzeit hatten auch die Sturmmöwen auf den Inseln ihre Reviere abgesteckt und verteidigten diese vehement gegen jeden Eindringling. Noch aktiver bei der Verteidigung des Reviers waren nur unsere 11 Säbelschnäbler-Paare, die selbst vor einer Konfrontation mit Seeadler und Graureiher nicht zurückschreckten, um ihr Revier zu verteidigen.

Die Hoffnung, die jungen Säbelschnäbler wie die letzten Jahre aus nächster Nähe aufwachsen zu sehen, wurde leider enttäuscht, da die teilweise überschwemmten Wiesen ein gutes Nahrungsangebot darstellten und die Eltern ihren Nachwuchs bald nach dem Schlupf in die Blänken führten, wo in der dichten Vegetation nur mit Glück etwas zu entdecken war.

Anders ist es bei den Enten, hier bekommen wir nie mit wo sich Nester befinden, da sie zu gut im Schilf versteckt sind. Plötzlich schwimmt dann die ganze Entenfamilie auf dem Gewässer. Von Stock- und Schnatterenten hat es in diesem Jahr zahlreiche Bruten gegeben und auch eine Reiherente sowie eine Knäkente wurden mit Jungen entdeckt, auch sie werden verborgen gebrütet haben müssen.

Eine Besonderheit in diesem Jahr war die Brut einer Löffelente, bei der wir überraschend einen Jungvogel entdeckten.

Auch zwei Nilgansfamilien tauchten bei uns auf, die aber wahrscheinlich über die Binnenelbe zugewandert waren, um an der Carl Zeiss Station ihre Jungen aufzuziehen. Die letzten Wochen wurden dann von den 5 halbstarken Sturmmöwen für die ersten Flugversuche genutzt, inzwischen sind auch sie flügge und schauen nur noch gelegentlich mit dem ganzen Schwarm vorbei.

Familie Blaukehlchen ist treuer Gast bei uns und jeden Tag irgendwo zu entdecken. Auch wenn die Jungvögel noch keine blaue Kehle haben, sind sie mit ihrem leuchtend orangen Schwanz schon gut zu erkennen. Insgesamt haben dieses Jahr mehr als 25 Arten an unserer Vogelstation gebrütet und Erfolg gehabt, was ein sehr gutes Ergebnis ist.

Besonders bei den Sing- und Watvögeln waren mehr Bruten zu bestaunen, als ich es in den letzten Jahre erlebt habe. Nach der Brutzeit beginnt mit dem Herbstzug schon bald das nächste Highlight in der Marsch, langweilig wird es garantiert nie in der Carl Zeiss Vogelstation.

  • Flussregenpfeifer 3. Tag

  • Flussregenpfeifer 7. Tag

  • Flussregenpfeifer 12. Tag

Sören Rust

Sören Rust ist ein begeisterter Young Birder und Naturfotograf sowie ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Carl Zeiss Vogelstation in der Wedeler Marsch.