Faszinierende Giganten unserer Meere

Wale faszinieren mit ihrer Größe und den eleganten Bewegungen trotz des teilweise plumpen Körpers. Anders als bei Vögeln erkennt man sie von weitem mit dem bloßen Auge und braucht das Fernglas erst für die Details. Bei der Optik kommt es darauf an, ein möglichst großes Sehfeld abzudecken und über eine entsprechende Verzeichnung das optische Bild auch beim Schwenken des Fernglases stabil zu halten, ohne Unwohlsein hervorzurufen.
Fast überall am Meer ist eine der weltweit 90 Walarten zu entdecken, allerdings viele nur auf See per Schiff. Einzelne Spots in Europa lassen auch die Beobachtung vom Strand aus zu.

Flipper in der Nordsee
Dem kleinsten Wal der Meere begegnen viele Touristen auf Deutschlands Nobelinsel Sylt und fragen sich verwundert, was Flipper in der Nordsee macht. Was einige auf den ersten Blick für einen Delfin halten, ist ein Schweinswal, der gerade mal je nach Unterart längstens zwei und halb Meter von der Schnauze bis zur Fluke misst. Sprünge wie von Delfinen sind beim Schweinswal kaum zu erwarten, da es seinem ruhigen Temperament eher entgegen läuft. Dass er so klein ist, ist seine Überlebensstrategie für die flachen Küstengewässer in Nord- und Ostsee.

Seinen Namen verdankt der Wal, der keineswegs einem Schwein gleicht, der gängigsten Interpretation zufolge Aristoteles: Dieser entdeckte ihn bereits im dritten Jahrhundert vor Christus und wollte vermutlich damit die Ähnlichkeit zum Schwein als Säugetier ausdrücken. Jedoch ordnete erst Carl von Linné die Wale im 18. Jahrhundert den Säugetieren zu, womit unser alter Begriff „Walfisch“ ausgedient hatte, da die Meeressäuger eben keine Fische sind.

In den 90er Jahren zählten viele junge Naturschützer entlang der gesamten Nordseeküste alle zwei Wochen sonntags die Schweinswale, auch Kleine Tümmler genannt. Typisches Bild waren die jungen Menschen in Outdoor-Klamotten, Fernglas um den Hals und Spektiv über der Schulter.

Einige der festgelegten Beobachtungspunkte lagen an FKK-Stränden und die Beobachter mussten sich schnell für ihre Optikausrüstung rechtfertigen. Zu dem Zeitpunkt war nur wenigen Strandtouristen bekannt, dass es Wale in der gesamten Nordsee gebe, auf die inzwischen überall Informationsschilder hinweisen.

Gefährdet sind die Schweinswale neben der Verschmutzung der Meere in erster Linie, als kleine Wale im Beifang von Fischernetzen zu landen. Das bekannte Phänomen wird seit Jahren zunehmend erfolgreich durch Gegenmaßnahmen verhindert.

Bei den Zählungen wurden 1994 um die 170.000 Schweinswale ermittelt. Inzwischen gehen neuere Erhebungen von einer Zunahme des Bestandes aus, jedoch werden erst neuere europäische Studien die Einschätzung der 90er Jahre verifizieren.

In der Tradition der Wikinger
Anders als in der Nordsee, deren Anrainerstaaten das Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) unterschrieben haben, gehören Norwegen und Island neben Japan noch zu den wenigen Ländern, die sich auf ihre Walfangtradition berufen. Norwegen erlaubt den Fang von um die tausend Minkwale im Jahr.

Die Minkwale im Nordatlantik und Nordpazifik werden auch Zwergwale genannt. Im Vergleich zu ihren Artgenossen auf der Südhalbkugel sind sie mit ihren sieben bis zehn Metern zwar noch recht groß, jedoch einer der kleinsten Bartenwale. Besonderheit der Minkwale ist, dass auch sie nicht nur auf hoher See vorkommen, sondern von der Küste aus und besonders in Fjorden zu beobachten sind.

Eine sehr seltene Beobachtung, aber umso spektakulärer, ist sein „Spyhopping“: Für den besseren Überblick schießt der Zwergwal gerade aus dem Wasser bis kurz vor den Brustflossen und lässt sich dann wieder ins Wasser fallen. Nördlich des Polarkreises, auf den Lofoten und Vesterålen ist nicht nur die Landschaft der norwegischen Inselgruppen für ausgedehnte Wanderungen atemberaubend.

Egal ob man Frühaufsteher ist oder abends mehr Energie hat: Da es nie dunkel wird, teilt man sich den Tag einfach ein, wie man es persönlich bevorzugt. In den Fjorden verbringen die Pottwale ihren Sommer. Die etwas plump anmutenden Zahnwale sind die größten räuberisch lebenden Tiere mit ihren ungefähr 20 Metern und über 50 Tonnen Gewicht.

Seinen deutschen Namen verdankt der Pottwal seinem Kopf, der ein bisschen an einen Topf erinnert.

Im Winter gibt es an gleicher Stelle mehrtägige Polarlicht-Safaris per Schiff, um Buckelwale und Orcas zu beobachten. Hier ist ein Fernglas mit hoher Lichtdurchlässigkeit, Transmission, zu empfehlen, um in der Dämmerung alles sehen zu können. Orcas, eigentlich Schwertwale, sind die wohl bekanntesten Wale durch ihre besondere Farbgebung und die Aufladung durch Hollywood-Filme als „Killerwal“. Ihren Beinamen verdanken sie in erster Linie ihren Jagdmethoden, die überall im Internet in Filmen zu beobachten sind. An sich sind sie soziale Tiere mit komplexen Populationsstrukturen, die den Jungtieren Jagdarten und Laute antrainieren.

Tropisches Whale Watching
Wem der hohe Norden zu kalt ist, der fährt zur Walbeobachtung auf die Azoren. Die Inselgruppe im Atlantik vor Portugal bietet das ganze Jahr über gut temperiertes, sommerliches Flair. Durch den warmen Golfstrom und den Fischreichtum sind vor den Küsten der Azoren bereits 38 verschiedene Wal- und Delfinarten gesichtet worden. In erster Linie ist mit Pottwal, aber auch Blauwal und Finnwal zu rechnen.

Am besten sind die Tiere hier per Schiff zu beobachten, aber auch von der Küste aus stehen die Chancen nicht schlecht. Blauwale sind mit 33 Metern Länge und einem Gewicht von bis zu 200 Tonnen die schwersten Tiere der Erde.

Sie werden mindestens 100 Jahre alt, vermutlich jedoch noch viel älter, da das Alter nur an gejagten oder gestrandeten Tieren festgestellt werden konnte. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie als solch große Tiere älter als Grönlandwale werden können, bei denen bereits ein Alter eines Tieres von 211 Jahre festgestellt wurde. Ihre Chance, jeden von uns zu überleben, solange wir ihren Lebensraum schützen und mit unserem Interesse an den Walen auf ihren Erhalt hinarbeiten.

Mehr Informationen über die besten Orte für Walbeobachtung:

Karte für die Walbeobachtung
Whale Watching Guide Europe

Michaela Sulz ist eine passionierte Birderin und ZEISS Bloggerin.

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