mit Spieltipps für Kinder in der Natur

Manchmal sind unsere Kinder bei Spaziergängen so mit Meckern beschäftigt, dass sie nichts mehr um sich herum wahrnehmen. Nur weil die Eltern Freude an der Vogel- und Naturbeobachtung haben, lassen sich die Kinder noch lange nicht davon anstecken. „Vogelbeobachtung ist langweilig!“

Erst wenn die ersten Feldhasen ihren Weg kreuzen oder sich ein Reh blicken lässt, verbessert sich die Laune der Kinder. Als Kleinkinder waren Vögel noch fester Bestandteil ihres Lebens: Kaum redeten unsere Kinder, unterschieden sie zwischen Blaumeise, Amsel oder Rotkehlchen.

Die jeweiligen Artenbezeichnungen hatten sie früh für eindeutige, gängige Zuordnungen gehalten und wunderten sich darüber, dass manche einfach Vogel sagten. Mit diesem Überbegriff konnten sie nicht viel anfangen, wenn eine Kohlmeise vor ihnen an der Wassertränke badete.

Vogelbeobachtung ist etwas Ungewöhnliches

Während der Kindergartenzeit stellten sie jedoch fest, dass kaum ein anderes Kind die Unterscheidung zwischen den Vogelarten vornahm. Zudem sahen sie die erstaunten Gesichter der Erwachsenen, wenn sie bei einem Kindergartenausflug meinten „Papa ist nicht da, der zählt Vögel“, wenn er für ein ornithologisches Gutachten unterwegs war. Irgendwie schien dies etwas Ungewöhnliches zu sein mit der Vogelbeobachtung. So stellte unsere kleine Tochter eines Tages unmissverständlich fest, dass unser Spezialinteresse nichts für Kinder sei:

Wir sahen beim Familienausflug ein Schwarzkehlchen und die Kinder stritten sich ums Fernglas. Nachdem die Kleine das Fernglas der Großen abgeben musste und das Vergnügen erstmal vorbei war, meinte sie nur enttäuscht: „Was mache ich jetzt damit, dass ich das Schwarzkehlchen gesehen habe? Das kann ich sowieso niemandem erzählen, das interessiert kein anderes Kind! Vielleicht gerade mal noch eine Erzieherin. Vögel sind langweilig!“

Größere Augen, größerer Körper und mehr Fell

Inzwischen konzentrieren wir uns bei Ausflügen mehr auf Tiere mit größeren Augen und größerem Körper. Die stehen bislang einfach höher im Kurs. In einigen Wald- und Freiflächen unserer Umgebung sehen wir fast immer Feldhasen. Ihre Größe ist für die Kinder bereits beeindruckend im Verhältnis zu den eigenen Kaninchen. Auch wenn die Hasen sehr schnell sind, entdeckt man sie doch mit bloßem Auge. Ebenso Füchse oder Hirsche tauchen hin und wieder auf.

Einmal sprang ein Reh nur etwa 100 Meter von uns entfernt vorbei. Beide Kinder reagierten sofort und blieben ganz ruhig stehen. Auch das Reh blieb stehen und sah sich um. Wir hängten dem ersten Kind das Fernglas um und passten es auf ihren Augenabstand an. Die Kleine war selig: „Es schaut mir direkt in die Augen!“ So nah kam sie dem Reh mit dem Fernglas und erlebte eine unmittelbare Verbindung mit dem Tier, die sie nachhaltig beeindruckte.

Letztendlich ist vom kleinen Käfer bis zum Hirsch jedes Tier interessant für die Kinder, wenn sie ihm so nahe als möglich kommen – entweder mit dem Fernglas, über Geschichten oder direkt auf der Hand, solange es die Tiere nicht stört.

Von der Ameise bis zum Wiesel

Inzwischen fangen unsere Kinder Molche, Grashüpfer und Käfer sehr geschickt, um sie nach der Betrachtung gleich wieder ziehen zu lassen. Nur Blindschleichen sind ihnen nicht geheuer und bei den Dachsbauten wollen sie auch schnell weiter. In irgendeinem Kinderbuch spielt der Dachs eine gefährliche Rolle. Selbst wenn wir das aufklären konnten, wollen sie ihm lieber nicht persönlich begegnen.

Und was die Vögel angeht, gibt es doch Hoffnung: Als sich ein Junge aus dem Bekanntenkreis neulich brennend für die Greifvögel in der Luft interessierte, erklärten unsere Kinder ihm, wie er an dem gegabelten Schwanz erkenne, dass es ein Roter Milan sei. Irgendetwas nehmen sie aus dem Naturerlebnis immer mit – trotz anfänglichen Meckerns.

Spieltipps für Kinder in der Natur

  • Spurensuche: Als kleine Detektive vergleichen die Kinder mit Lupe und Bestimmungsbuch Fußabdrücke oder die Exkremente auf Feldwegen und dem Waldboden und ordnen sie den Tieren zu.
  • Fahndungsliste: Vorab eine Liste mit wahrscheinlichen Tierarten vom Käfer bis zum Säugetier erstellen, in Wald und Wiese danach Ausschau halten und diese dann abhaken.
  • Waldolympiade: Mit Zapfenweitwurf, Weitsprung mit Stöckchenmaß, Hürdenlauf oder Balancieren auf Baumstämmen.
  • Karneval der Tiere: Nacheinander verschiedene Tiere nachahmen, sich wie sie bewegen, ihre Geräusche imitieren und die anderen erraten lassen.
  • Hüja, Pferdchen: Mit einem Seil Kinder als Pferdchen Traben, Schritt und Galopp gehen lassen. Das Seil dient dann auch als Lasso für die kleinen Cowboys and Cowgirls oder hilft beim Hochklettern an Bäumen.
  • Vogelrätsel: Wie viele unterschiedliche Gesänge hören die Kinder.
  • Wald-Memory: Mit Holz ein kleines Quadrat abgrenzen und mit Zapfen und Stöckchen die Kinder ein Bild legen lassen. Danach schauen die Kinder weg und zwei Elemente verschwinden. Welche sind es?
  • Rucksack wirkt Wunder: Spaziergänge sind langweilig, Wanderungen mit Rucksäcken und eigenem Proviant dagegen sind Abenteuer. Am besten noch eine Lupe für Insekten und Blätter einpacken.

Michaela Sulz

Michaela Sulz ist eine passionierte Birderin und ZEISS Bloggerin.

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