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Für ein besseres Leben

Im Jahr 2016 beeindruckte Tamina-Florentine Zuch die Juroren des ZEISS Photography Award, sicherte sich den ersten Platz im Wettbewerb und ZEISS Objektive im Wert von 15.000 Euro. In diesem Beitrag erzählt sie von ihrem neuen Projekt „Bleib, ich brauche nichts“, wie sie dabei durchs Kühe melken an gute Bilder gelangte und wie der Umstieg auf manuellen Fokus ihre Arbeit beeinflusst hat.

Für mein Projekt „Bleib, ich brauche nichts“ habe ich die Familien von Gastarbeitern portraitiert. Also die Daheimgebliebenen, die Partner und Kinder, die zwar Geld und Geschenke geschickt bekommen, den Vater oder die Mutter aber nur selten sehen. Dafür habe ich erst die Gastarbeiter selbst getroffen und bin dann zu deren Familien nach Rumänien, Moldawien und Serbien gefahren. Es war sehr spannend, die unterschiedlichen Beweggründe kennen zu lernen und zu sehen wie gut oder schlecht diese Arrangements funktionieren. Natürlich geht es in erster Linie ums Geldverdienen, aber dahinter verbergen sich ganz individuelle Träume und Schicksale und das hat mich teilweise sehr berührt. Die getrennt lebenden Familienmitglieder zahlen einen hohen Preis für den Traum vom besseren Leben.

© Tamina-Florentine Zuch
© Tamina-Florentine Zuch Nikon D800, ZEISS Milvus 2/35, f2.8, 1/15 sec, ISO 6400
Für Tamina einer der schönsten Momente: Georgetta (27) und ihre Tochter Georgina (3) liegen auf dem Trampolin und betrachten den Sternenhimmel.

Um auch etwas hinter die Fassaden blicken zu können, habe ich mindestens zwei Wochen mit den jeweiligen Familien gelebt und mich so gut es ging eingebracht. In Rumänien habe ich im Haushalt mitgeholfen, die Kinder gehütet und ab und an auch mal die Kuh gemolken – man verpasst dabei vielleicht die eine oder andere Situation, schafft aber eine engere Verbindung und kann so am Ende noch bessere Bilder machen. Bisweilen war ich echt überrascht, wie nah – auch in emotionaler Weise - mich einige Menschen an sich heran gelassen haben.
Fast das gesamte Projekt habe ich mit dem ZEISS Milvus 2/35 fotografiert, einem der Objektive, die ich für den ZEISS Photography Award 2016 bekommen habe. Ich hatte ursprünglich ja etwas Bedenken, was die Arbeit mit manuellem Fokus betrifft, aber die Umstellung hat sich bald sehr positiv bemerkbar gemacht. Man fängt an anders zu fotografieren, ruhiger und überlegter. Das überträgt sich auf das Portraitierten und hilft anfängliche Skepsis zu überwinden. Ich habe das auch bei meinem Projekt bemerkt und finde, man sieht das den Bildern an. Mittlerweile nutze ich ausschließlich manuelle ZEISS Objektive an meiner Nikon D800.

© Tamina-Florentine Zuch
© Tamina-Florentine Zuch Nikon D800, ZEISS Milvus 2/35, f11, 1/40 sec, ISO 200
Murguel (33) und sein Cousin Ilie (30) arbeiten auf einem Biobauernhof in Deutschland. Die Arbeitsbedingungen sind gut, sie können regelmäßig nach Rumänien zu ihren Familien fahren. (Aus der Serie „Bleib, ich brauche nichts“)

Als Ansprechpartner und Berater seitens der Firma ZEISS stand Bertram Hönlinger der damals frisch gebackenen Gewinnerin des ZEISS Photography Award 2016 zur Seite.
„Tamina hatte bis zum Gewinn des Wettbewerbs keine Erfahrung mit ZEISS Objektiven, auch nicht mit manuellem Fokus im Allgemeinen. Also stand am Anfang ein kleiner Workshop an. Wir haben über theoretische Grundkenntnisse, aber auch praktische Themen wie Mattscheiben, Okularvergrößerungsvorsätze und Live View Modus gesprochen.

„Ein entsprechendes Tutorial "Manuelles Fokussieren mit AF Kamerasystemen“ stellen wir übrigens auch auf der ZEISS Webseite zur Verfügung. Außerdem haben wir uns intensiv Gedanken gemacht, welche ZEISS Objektive am besten zu ihrer Art der Fotografie passen. Eine Überlegung, die ich jedem Fotografen ans Herz legen möchte. Und wenn Sie sich diesbezüglich unsicher sind, dann probieren Sie die Objektive einfach aus: Sie können ZEISS Objektive bei unserem Partner lens4rent mieten und ausgiebig testen.“

© Tamina-Florentine Zuch, Deutschland, 2016 ZEISS Photography Award
© Tamina-Florentine Zuch, Deutschland, 2016 ZEISS Photography Award

Mit der „Indian Train Journey“ fotografierte Tamina-Florentine Zuch bereits 2015 eine beeindruckende Bildserie und wurde dafür mit dem ZEISS Photgraphy Award 2016 ausgezeichnet.
Die Fotos der „Indian Train Journey“ sind während eines Auslandssemesters in Indien entstanden. Zurück in Deutschland habe ich die Bilder an verschiedene Redaktionen geschickt, die zeigten großes Interesse und haben die Bilder zum Teil doppelseitig in ihren Magazinen gedruckt. Das positive Feedback hat mich schließlich dazu bewogen, die Bildserie beim ZEISS Photography Award einzureichen. Dass ich dann die Profijury überzeugen konnte und mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurde, hat mich natürlich besonders gefreut. Und natürlich auch das damit verbundene Interesse an meiner Arbeit. Es gab zahlreiche Anfragen von Magazinen, ich habe viele Interviews gegeben und hatte sogar einen Live Fernsehauftritt bei BBC World News. Das war sicherlich eines der Highlights im letzten Jahr.

© Tamina-Florentine Zuch, Deutschland, 2016 ZEISS Photography Award
© Tamina-Florentine Zuch, Deutschland, 2016 ZEISS Photography Award

Über Tamina-Florentine Zuch
Die 26-Jährige wurde in Stuttgart geboren und ist mit ihren Eltern – der Vater Architekt, die Mutter Grafikerin – häufig umgezogen. Ihr Abitur machte sie 2007 in Leipzig. Danach ging sie für ein Jahr nach Ghana, wo sie in einer Dorfschule unterrichtete und wo auch ihre ersten Fotoserien entstanden. In Braunschweig schrieb sie sich für ein Fotografiestudium mit Schwerpunkt Produktfotografie ein, studiert seit 2011 aber an der Hochschule in Hannover im Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie. Dabei entstanden im Zuge eines Auslandssemesters in Indien auch die Siegerfotos des ZEISS Photography Award 2016. Tamina-Florentine will im Frühjahr 2017 ihren Bachelor ablegen und anschließend für ein neues Projekt in den Iran reisen.

tamina-florentine.com
instagram.com/taminaflorentine

Erste Erfahrungen mit der Kamera machte Peter Grüner, Jahrgang 1970, bereits in frühen Jahren. Er fotografierte als Jugendlicher Schwarz-Weiß und entwickelte die Bilder in der Dunkelkammer. Nach jahrzehntelanger Schaffenspause entflammte die alte Leidenschaft mit dem Einstieg in die Digitalfotografie im Jahr 2004 erneut. „Ich habe in den ersten Jahren viel Motorsport fotografiert und auf ausgedehnten Reisen durch USA, Kanada und Australien die Landschafts- und Naturfotografie für mich entdeckt“, erklärt Grüner die Entwicklung. „Ab 2009 habe ich mich dann zunehmend auf die Dessous- und Aktfotografie konzentriert, habe entsprechende Workshops besucht und mich auf diese Themen spezialisiert“. Gelegentlich fotografiert Grüner zusammen mit seiner Ehefrau auch Hochzeiten oder Konzerte.

20161121_alex_lenspire_0056
Nikon D5, ZEISS Distagon T* 1.4/35, f2.8, 1/50 sec, ISO 1600
Die Umgebung mit einbeziehen: Lichteinfall und Geometrie der Treppe geben hier die Blickrichtung des Models vor.

Die Portraitfotografie spielt für ihn dabei fast immer eine wichtige Rolle: „Portraits sind ja ein fester Bestandteil bei vielen meiner Shootings, egal, ob ich nun eine Hochzeitsgesellschaft oder eine Rockband vor der Kamera habe. Sie ergeben sich meist beiläufig, sind dann aber doch oft ein echtes Highlight.“ Ein gutes Portrait sollte für Peter Grüner den Betrachter berühren und nur dezent nachbearbeitet sein. Die Umwandlung in Schwarz-Weiß könne richtig eingesetzt die Wirkung intensivieren, sei aber nicht in allen Situationen die beste Wahl. „Bei den Beispielbildern hat es sehr gut gepasst und die düstere Novemberstimmung zusätzlich hervorgehoben“, fügt er hinzu. Er entscheidet das situationsbedingt, nimmt in einer tollen Location auch mehr von der Umgebung mit aufs Bild. Denn eine genaue Definition, was denn genau ein Portrait überhaupt ist und wie der Bildausschnitt gewählt werden muss, gibt es für den Fotografen nicht. Seine wichtigste Regel für Portraits: der Mensch das muss das Motiv sein, nicht das Drumherum.

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Nikon D810, ZEISS Milvus 1.4/85, f2, 1/60 sec, ISO 3200
Durch die fast offene Blende entsteht eine wunderbare Hintergrundunschärfe. Elemente und Lichter umspielen die Person und sorgen für eine harmonische Gesamtkomposition.

Der Mensch in seiner Gesamtheit spielt überhaupt eine sehr wichtige Rolle für Peter Grüners Portraits und bestimmt auch stark seinen Arbeitsablauf. „Es ist einfach wichtig, sein Motiv besser kennen zu lernen und eine Vertrauensbasis zu schaffen – nur so kann ich die Persönlichkeit des Portraitierten in den Fokus stellen“, erklärt er seine Herangehensweise. Und dafür nimmt er sich auch viel Zeit, es finden Vorgespräche statt, persönlich oder auch per Telefon. Im Idealfall werde so schon vorab klar, was später in den Bildern zum Ausdruck gebracht werden soll. Das sei bei Aufnahmen außerhalb des Studios besonders wichtig: „Model und Location müssen zusammenpassen und so kann ich mir genau überlegen, wo das Shooting später stattfinden soll.“ Ist ein Shooting für den ganzen Tag angesetzt, wird mit einem gemeinsamen Frühstück gestartet, reisen die Models schon am Vortag an können sie auch bei den Grüners übernachten. Das sorgt für ein familiäres Verhältnis und später für eine gelöste Stimmung bei der Arbeit. Ein Gespür für die Situation und sein Gegenüber zu entwickeln zählt für Peter Grüner dabei zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Portraitfotografen. Ein weiterer Tipp: „Jede Person ist anders - man muss offen sein und sich auf Neues einlassen.“

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Nikon D5, ZEISS Milvus 1.4/85, f2, 1/80 sec, ISO 6400
Es muss nicht immer alles scharf sein. Hier sorgt eine leichte Bewegungsunschärfe im Haarbereich für Dynamik und eine geheimnisvolle Anmutung.

Zum Thema Nachbearbeitung hat Grüner eine klare Meinung. „Es mag etwas Old School klingen, aber für mich entsteht der Großteil des Bildes bereits vor dem Drücken des Auslösers“, erzählt er im Gespräch, „außerdem sitze ich bei meinem Beruf als Systemadministrator sowieso schon den ganzen Tag vor dem Bildschirm, da habe ich wenig Lust auf umfangreiche Bildbearbeitung.“ Mit dem RAW Converter und Photoshop gibt er seinen Bildern lediglich den finalen Schliff. Für die Umsetzung seiner Projekte nutzt Peter Grüner deshalb eine ganze Reihe von ZEISS Objektiven, die bereits ohne Nachbearbeitung am PC einen für ihn „einzigartigen Look“ liefern. Für die Bildreihe in diesem Beitrag kamen das Milvus 1.4/50 und das Milvus 1.4/85 zum Einsatz, sehr häufig fotografiert Grüner auch mit dem Apo-Sonnar T* 2/135 und dem Distagon T* 1.4/35. „Der manuelle Fokus ist sehr präzise und hilft mir, den Blick auf das Motiv zu lenken“, beschließt Grüner das Gespräch, „das ist bei offener Blende nicht immer ganz einfach, aber mit etwas Übung ganz gut in den Griff zu bekommen.“

Über Peter Grüner

Peter Grüner, 1970 in Mannheim geboren, hat den Beruf des Biologielaboranten erlernt und arbeitet derzeit als IT System Administrator. Zur Fotografie fand er schon als Jugendlicher, stieg dann 2004 nach längerer Pause in die Digitalfotografie ein. Heute ist die Fotografie ein kreativer und entspannender Ausgleich zum Berufsleben. Peter Grüner ist verheiratet und lebt mit seiner Frau – die sich ebenfalls für Fotografie begeistert – in Ludwigshafen am Rhein.

www.gruener-fotodesign.de

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