Magie des Wassers

Über seinen Vater hat Raymond Larose mit 13 Jahren die Liebe zur Fotografie und Natur entdeckt. Besondere Faszination übt seitdem das Wasser auf den heute 40-Jährigen aus. Seine Heimat New Hampshire (USA) bietet ihm dafür eine spannende Kulisse. Am liebsten arbeitet er ohne Blitz, Stroboskop und Reflektoren. Die Natur soll für ihn das Wunder vollbringen, während er den Moment festhält.

Sonnenuntergang im Herbst (Distagon T* 2/35).
Sonnenuntergang im Herbst

Raymond, Sie sind ein leidenschaftlicher, sehr ambitionierter Amateurfotograf. Gibt es bestimmte Vorbilder, die ausschlaggebend für ihren Stil sind?

Da ist zuerst mein Vater, der mich früh für die Fotografie begeisterte und ich bewundere den großen Landschaftsfotograf Ansel Adams. Darüber hinaus halfen mir verschiedene Kollegen auf Flickr, meinen eigenen Stil zu entwickeln. Zum Beispiel Alonso Diaz. Er war es auch, der mich mit ZEISS Objektiven in Berührung brachte. Ich habe ihm sicherlich hunderte von Fragen gestellt und er hat jede einzelne offen und ehrlich beantwortet. Weitere Kollegen, die ich unbedingt erwähnen muss, sind Dylan Toh, ein erfolgreicher australischer Fotograf, James Neely und Aaron Reed. Das Schönste daran ist, dass die Vorbilder heute auch Freunde sind.

Was möchten Sie mit Ihrer Fotografie ausdrücken?

Meine größte Motivation ist, die Natur so abzulichten, wie sie sich gerade gibt. Natur vollbringt Wunder. Ich bin nur derjenige, der den Moment festhält. Wasser ist für mich ein magisches Element, indem ich mich vollkommen verlieren kann. Es ist außerordentlich dynamisch und kann für Fotografen sowohl als Thema, Hintergrund oder als Detail eines Fotos dienen.

Welche Wassermotive fotografieren Sie am liebsten?

Es gibt drei Arten von Wasseraufnahmen, die ich besonders mag: die Ruhe von Seen, den Rhythmus des Meeres mit Wellen, die ans Land schlagen, und die Kraft gewaltiger Flüsse oder Wasserfälle.

Wasserfall am Mt. Lafayette, New Hampshire (Distagon T* 3,5/18).
Wasserfall am Mt. Lafayette, New Hampshire.

Da ich in New Hampshire wohne, habe ich alle  Arten von Wasser in der Nähe. Es gibt viele Seen, den Atlantischen Ozean und ich bin umgeben von Bergen mit zahlreichen Flüssen, Bächen und Wasserfällen. Das Element Wasser ist eines der größten Geschenke der Natur an den Fotografen.

Herbstreflektionen, New Hampshire (Distagon T* 3,5/18).
Herbstreflektionen, New Hampshire.

Wie gehen Sie bei Wasseraufnahmen ans Werk?

Für mich kommt es darauf an, mit dem zu arbeiten, was die Natur uns gibt. Eines meiner favorisierten Motive ist ein ruhiger See, auf dessen Oberfläche sich das warme Licht des Sonnenuntergangs und interessant formierte Wolken spiegeln.

Spiegel der Elemente – solche Aufnahmen erfordern eine präzise Vorbereitung (Distagon T* 2/35).
Spiegel der Elemente – solche Aufnahmen erfordern eine präzise Vorbereitung.

Um solch einen Moment festzuhalten, beobachte ich die Windgeschwindigkeit im Laufe des Tages auf meinem Computer und iPhone. Wenn das Wasser vielversprechend aussieht, schaue ich mir den Himmel an, ob dieser ebenfalls interessant wirkt. Ein See während einer klaren Nacht interessiert mich hingegen nicht sonderlich. Ich will etwas Reflektierendes, dass das Sonnenlicht zurückwirft und der Szene besondere Kraft verleiht. Wolken während des Sonnenuntergangs etwa bieten immer eine Attraktion. Manchmal gehe ich ungefähr eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang zum See, um nach Dingen Ausschau zu halten, die ich in der Aufnahme festhalten möchte. Zum Beispiel Kajaks, Felsen, Bäume, oder die Sonne selbst.

Zwei Kajakfahrer genießen die Abendruhe (Distagon T* 3,5/18).
Zwei Kajakfahrer genießen die Abendruhe.

Wie viele Bilder machen Sie dann von so einer Szene?

Gewöhnlich dauert die Aufnahmezeit nur 30 Minuten. Während dieser Sessions schieße ich durchschnittlich 250 Fotos. Mein Ziel ist es, ein perfektes Bild von einem speziellen Moment zu bekommen, der die Atmosphäre widerspiegelt und eine Geschichte erzählt. Um ein „wärmeres“ Ergebnis zu erzielen setzte ich in der Nachbearbeitung  den Weißabgleich auf „wolkig“. Generell versuche ich aber im Photoshop nicht mehr als einen Signaturstempel zu machen.

Welches Equipment nutzen Sie für Ihre Aufnahmen?

Meine Ausrüstung besteht aus einer Nikon D700, einem Manfrotto 055XDB Stativ mit einem 804RC2 Aufsatz und folgenden Carl Zeiss Objektiven: Distagon T* 3,5/18, Distagon T* 2/35, Planar T* 1,4/85. Für einen Sonnenuntergang am See verwende ich normalerweise  das  Distagon T* 3,5/18 oder Distagon T* 2/35, da ich die Objektive mit Weitwinkel mag. Manchmal, um einem warmen Glanz zu erzeugen, wenn er einfach nicht da ist. Aber für gewöhnlich benutze ich einen GND8 Verlaufsfilter, um Wasser und Himmel auszubalancieren.

Auf was sollte man bei Sonnenuntergängen am Wasser noch achten?

Eine große Herausforderung bei Sonnenuntergängen an Seen ist, dass der Himmel viel heller ist als die Reflexion im Wasser. Ich wähle dann eine etwas längere Belichtungszeit, während ich den Filter etwas verstelle, um die Linie zu verwischen, an der der GND8 aufhört und in klares Glas übergeht.

Wie lange fotografieren Sie schon mit ZEISS Objektiven und welches benutzen Sie besonders oft?

Ich verwende ZEISS Objektive erst seit etwa einem Jahr. Davor habe ich einige Monate recherchiert und mir viele Fotos von meinen Kontakten auf Flickr angesehen. Besonders gefielen mir Klarheit und Tiefe von Bildern mit ZEISS Objektiven – ganz im Gegensatz zu dem, was ich bis dato kannte. Nach Monaten des Bildervergleichs mit unterschiedlichen Objektiven entschied ich mich dafür, sie auszuprobieren. Mein erstes Objektiv war das Distagon T* 2/35 – und bis heute ist es immer noch mein Favorit.  Ich benutze es für alles, angefangen bei Landschafts-, über Nahaufnahmen, bis hin zu Porträts.

Spiel mit dem Wasser (Distagon T* 2/35).
Spiel mit dem Wasser

Welche Erfahrungen haben Sie mit POL-Filtern?

Merkwürdigerweise benutze ich sie, obgleich ich Naturfotograf bin, nicht in Kombination mit ZEISS Objektiven. Ich werde mir allerdings einen zulegen, um mit dem Distagon T* 2/35 zu experimentieren.

Rückblickend: Auf welche Fotoprojekte mit Wasser sind Sie besonders stolz?

Ich habe zum Beispiel den Hafen von Boston bei Sonnenuntergang für die amerikanische Küstenwache innerhalb der Commanders Challenge Coin fotografiert. Als die Münzen geprägt waren, wurden mir im Beisein meiner Familie von der Küstenwache eine Gedenktafel und einige Münzen überreicht. Das war ein bewegender Moment. Ein anderes Projekt zeigt Sonnenuntergänge an unterschiedlichen Seen, die letztes Jahr in einer Galerie ausgestellt wurden. Ich habe sie aus 25 verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Darunter ist auch ein Schwarz-Weiß-Bild, das meine Kinder zeigt, wie sie durch einen Springbrunnen laufen.

Was sind Ihre nächsten Fotoprojekte und Pläne für die Zukunft?

Momentan arbeite ich mit einigen Models und werde einige Konzerte und kleinere Hochzeiten von Freunden begleiten. Obgleich ich immer Landschaften fotografieren werde, möchte ich mir neue Stile aneignen und meine Fotografie weiterentwickeln. Ich glaube nicht, dass man in diesem Bereich jemals aufhören kann zu lernen. Ganz oben auf meiner Liste steht der Versuch, Menschen so einzufangen, dass ihre Bilder eine Geschichte erzählen – ihre Geschichte. Keine Studioaufnahmen, kein Posen, sondern Menschen in ihrer natürlichen Art und Umgebung. Ich möchte den dokumentarischen Stil des Fotografierens entdecken. Einer meiner größten Träume ist, bei National Geographic abgedruckt zu werden (oder ganz dort zu arbeiten).

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