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Das Element Wasser fasziniert in vielerlei Hinsicht – und es bietet eine Fülle interessanter Fotomotive. Etwa in Form eines stillen Bergsees, in dem sich die unberührte Natur in der Wasseroberfläche spiegelt; oder das fließende Wasser eines Baches, der sich seinen Lauf durch das Unterholz eines Waldes bahnt. Durch den Einsatz von POL Filtern, kann man die Farbbrillanz und die Kontraste von Naturaufnahmen verbessern. Manchmal braucht es aber keine speziellen Hilfsmittel, sondern nur ein bisschen Hintergrundwissen und Kreativität, um tolle Aufnahmen zu machen.
Spiegelungen in Wasseroberflächen
Auch im Zeitalter der digitalen Fotografie und Bildbearbeitungsprogrammen erfüllen Filter ihren Zweck. Noch mehr, durch ihren Einsatz lassen sich Effekte erzielen, die in der Nachbearbeitung kaum oder nur sehr zeitaufwendig zu realisieren sind. Bei unerwünschten Spiegelungen etwa hilft ein Polarisationsfilter (kurz: POL Filter). Reflexe auf nichtmetallischen Oberflächen werden von POL Filtern ausgefiltert. Also überall da, wo schräg einfallendes Licht zu einem Teil reflektiert wird und zum anderen Teil in das Objekt eintritt. Bei so einer Teilreflexion, die etwa bei Wasser, Glas oder lackierten Oberflächen auftritt, kommt zum eigentlichen Reflexionsstrahl noch ein Brechungsstrahl hinzu. Der POL Filter eliminiert die Reflexionsstrahlen, so dass die Spiegelungen in der Aufnahme nicht mehr sichtbar sind.
Wichtig beim Einsatz des POL Filters sind der Aufnahmestandort und die optimale Stellung des Filters. Die optimale Position für den Polarisationseffekt wird ganz einfach durch Drehen des Filters und eine Sichtprüfung durch den Sucher ermittelt. Als Faustregel für ein gutes Aufnahmeergebnis gilt: die Aufnahmerichtung sollte etwa im rechten Winkel zur Sonne sein.
Aufnahme-Tipp: Eine besonders faszinierende Wirkung hat der Effekt des POL Filters bei Wasseroberflächen. Mit dem Wegfall der Reflexionen lässt sich bei kristallklarem Wasser in der Aufnahme bis auf den Grund “eintauchen”. Dieser Eindruck verleiht dem Bild zusätzliche Tiefe und erzeugt eine unerwartete raumgreifende Wirkung. Das Auge des Betrachters kann am Seegrund entlang wandern, dann kann der Blick über das Ufer schweifen und schließlich die Umgebung erkunden. Es entsteht der Eindruck von drei Ebenen – unter Wasser, auf dem Wasser und entlang des Wassers.
Lange Belichtungszeiten realisieren
Die Aufnahme eines Wasserfalls oder Flusslaufs mit scheinbar samtig-weichem Wasser hat wohl jeder schon einmal gesehen. Solche Aufnahmen entstehen oft mit Hilfe eines Neutraldichte-Filters (kurz: ND-Filter, oder auch: Graufilter). Je nach Geschwindigkeit des fließenden Wassers ist eine lange Belichtungszeit, vielleicht sogar von mehreren Sekunden notwendig, um sanfte Wogen zu erzeugen. Der ND-Filter ermöglicht auch bei starkem Lichteinfall eine längere Belichtungszeit, denn er verringert die einfallende Lichtmenge gleichmäßig und farbneutral.
Im Bezug auf die Bildgestaltung bedeutet dies, dass das Spiel mit der Schärfentiefe voll ausgeschöpft werden kann. Würde man einfach nur die Blende schließen, um so die Lichtmenge zu reduzieren und die Belichtungszeit zu verlängern, dann würde die Schärfentiefe in der Aufnahme zunehmen. Ein Scharf-Unscharf-Kontrast wie bei einer offenen Blende, wäre ohne Filter nicht zu realisieren. Durch die Verwendung eines Graufilters erzielt man auch bei offener Blende den angenehm weichen Effekt auf fließenden Wasseroberflächen. Der Filter verhindert trotz der großen Blendenöffnung einen zu starken Lichteinfall und damit eine Überbelichtung.
Ein weiteres Argument gegen das Abblenden ist Beugungsunschärfe: Je stärker die Blende geschlossen wird, desto stärker macht sich Beugungsunschärfe im Bild bemerkbar, die die Qualität der Aufnahme mindert. Mit dem Graufilter lässt sich die Verschlusszeit verlängern, ohne über die Maßen abblenden zu müssen. Bei der Aufnahme kann man so für ein brillantes Bildergebnis die optimale Blendeneinstellung des Objektivs verwenden.
ND-Filter gibt es in unterschiedlichen Stärken. Man kann theoretisch verschiedene Stärken kombinieren, also mehrere Filter vor ein Objektiv schrauben. Es empfiehlt sich aber, das zu vermeiden und anstelle von zwei schwachen einen starken Filter zu verwenden. Jeder Filter vor dem Objektiv bedeutet eine zusätzliche Minderung der Abbildungsqualität.
Hier gilt natürlich umso mehr die Empfehlung, ein Stativ zu verwenden. Denn nur so lassen sich die Langzeitbelichtungen realisieren, die das Wasser weich einfangen sollen.
Bewegungen einfrieren
Die Dynamik von Wasser in Bewegung übt eine besondere Anziehungskraft aus. Fallende Tropfen, schäumende Gischt an felsigen Ufern – für diese Motive braucht es kurze Belichtungszeiten und etwas Können. Belichtungszeiten von einem 1/500 bis etwa 1/2000 Sekunde sind kurz genug, um beispielsweise umherspringende Wasserspritzer klar einzufangen.
Für die Umsetzung so kurzer Belichtungszeiten ist ein Tag mit hellem Sonnenschein von Vorteil. Die ISO-Einstellung sollte möglichst nicht erhöht werden. Mit zunehmendem ISO-Wert steigt zwar die Lichtempfindlichkeit des Sensors und es werden noch kürzere Belichtungszeiten realisierbar, aber die Bildqualität könnte unter Bildrauschen leiden. Daher sollte mit möglichst niedriger Einstellung fotografiert werden.
Die dynamische Wirkung von Wasserspritzern wird durch das gezielte Spiel mit der Perspektive verstärkt: Besonders spannend ist die Wirkung, wenn das Wasser scheinbar auf den Betrachter zufließt. Vorzugsweise sollten Tageszeit und Aufnahmewinkel so gewählt sein, dass das Motiv eine Art natürliches Gegenlicht erhält.
Im Gegenlicht lassen sich kurze Belichtungszeiten auch ohne zusätzliche Lichtquelle realisieren, und sprudelndes Wasser kommt optimal zur Geltung. Geysire, die mit einer Fontäne aus dem Boden schießen oder Wasserfälle mit herabstürzenden Wassermassen sind ideale Motive für Gegenlichtaufnahmen mit kurzen Belichtungszeiten.
Praxis-Tipp: Gegenlicht lässt sich auch künstlich erzeugen, etwa durch externe Lichtquellen oder ein Blitzgerät im Slavemodus. Damit kann in einem abgedunkelten Raum, wie dem Badezimmer, eine interessante Aufnahme mit einzelnen Wassertropfen aus der Dusche eingefangen werden. Bei abgedunkeltem Raum wird der Verschluss der Kamera geöffnet. Dafür braucht man einen Fernauslöser, der in der „bulb“-Einstellung die Kamera so lange belichten lässt, wie man den Auslöser gedrückt hält. Während nun das Wasser aus der Handbrause fließt und der Verschluss geöffnet ist, blitzt man seitlich von hinten gegen die Wassertropfen und beendet danach die Belichtung. Als Ergebnis erhält man eine Aufnahme mit scharf abgebildeten Wassertropfen.
Widrigkeiten trotzen (Schutz)
Wasser bietet dem Fotografen spannende, vielfältige Motive. Doch ob nun einzelne Tropfen, Pfützen, in denen sich der Himmel spiegelt, Bäche oder ganze Wasserfälle: Das Element hinterlässt Spuren auf dem Objektiv und ist eine potentielle Gefahr für die wertvolle Ausrüstung.
Schon kleinste Tropfen oder verdunstender Nebel auf der Frontlinse lassen Flecken entstehen. Diese lassen sich etwa mit einem Mikrofasertuch (80% Polyester, 20% Polyamid) und einer speziellen Reinigungsflüssigkeit beseitigen. Vorsicht ist geboten, denn bei unsachgemäßer Handhabung leidet die Vergütung des hochwertigen Objektivs. Perfekt für die Pflege von Objektiven ist das Carl Zeiss. Lens Cleaning Kit
Zudem ist es nicht immer reines Wasser, das sich auf der Linse absetzt. Wasser ist in der Natur fast zwangsläufig mit Schmutzpartikeln vermengt. Diese können beim Reinigen kleinste Kratzer in der Frontlinse verursachen. Ein UV Filter bietet neben seiner Filter-Funktion auch mechanischen Schutz vor Wasser und Schmutzpartikeln. Bei Naturaufnahmen empfiehlt sich der Einsatz eines Filters schon aus diesem Grund. Ganz besonders übrigens bei Aufnahmen am Meer und am Strand, wo die feuchte salz- und sandhaltige Luft um das Objektiv weht.
Seinen eigentlichen Einsatz findet der UV Filter in großen Höhen über 2000 Meter oder am Meer. Er filtert das für das menschliche Auge unsichtbare ultraviolette Licht. Diese Strahlen vom Ende des Lichtspektrums haben mehr Energie als das sichtbare Licht und werden vom Objektiv stärker gebrochen. Das UV-Licht vermengt sich beim Auftreffen auf den Sensor mit dem sichtbaren Licht und kann dabei Unschärfe erzeugen. Als Schutz für die Frontlinse eignen sich UV Filter jedoch hervorragend, da sie farblos sind und nichts an der Bildfarbe ändern.
Qualität ist wichtig
Ganz klar, Filter müssen von höchster Güte sein. Je nach Ausführung fügt ein Filter dem Objektiv eine Glas-Luftschicht hinzu. Die Lichtstrahlen müssen auf dem Weg zum Sensor auch diese Schichten durchqueren und werden hierbei minimal reflektiert und gebrochen. Das wiederum führt rein physikalisch zu einer geringfügigen Verringerung der Bildschärfe. Wie schon bei der Wahl des Objektivs sollte man daher auch bei Filtern auf Qualität achten. Der Filter sollte unbedingt mehrschicht vergütet sein, plan geschliffen und in einer hochwertigen Fassung implementiert sein.
Eine gut gearbeitete Fassung ist die Voraussetzung für die Montage des Filters auf dem Objektiv. Damit sollte gewährleistet sein, dass der Filter senkrecht auf der optischen Achse fixiert wird und dies auch bei immer wiederkehrendem An- und Abschrauben.
Wer auf Qualität bei der Filterwahl achtet, kann beruhigt den geringen Verlust der Bildqualität übersehen. Denn: Ohne einen ND-Filter lassen sich kaum weiche Wogen auf der Wasseroberfläche und Dynamik in der Aufnahme erzielen. Auch auf den Einsatz eines POL Filters, der unerwünschte Reflexe eliminiert und zu verstärkter Farbsättigung führt, muss man dann nicht verzichten.
Tags: ISO-Einstellung, Magie des Wassers, Makro-Planar T* 2/100, ND-Filter, POL Filter, Sabine Unterderweide, UV-Filter, Wasser
22. August 2011 |