Allgemein

Erste Erfahrungen mit der Kamera machte Peter Grüner, Jahrgang 1970, bereits in frühen Jahren. Er fotografierte als Jugendlicher Schwarz-Weiß und entwickelte die Bilder in der Dunkelkammer. Nach jahrzehntelanger Schaffenspause entflammte die alte Leidenschaft mit dem Einstieg in die Digitalfotografie im Jahr 2004 erneut. „Ich habe in den ersten Jahren viel Motorsport fotografiert und auf ausgedehnten Reisen durch USA, Kanada und Australien die Landschafts- und Naturfotografie für mich entdeckt“, erklärt Grüner die Entwicklung. „Ab 2009 habe ich mich dann zunehmend auf die Dessous- und Aktfotografie konzentriert, habe entsprechende Workshops besucht und mich auf diese Themen spezialisiert“. Gelegentlich fotografiert Grüner zusammen mit seiner Ehefrau auch Hochzeiten oder Konzerte.

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Nikon D5, ZEISS Distagon T* 1.4/35, f2.8, 1/50 sec, ISO 1600
Die Umgebung mit einbeziehen: Lichteinfall und Geometrie der Treppe geben hier die Blickrichtung des Models vor.

Die Portraitfotografie spielt für ihn dabei fast immer eine wichtige Rolle: „Portraits sind ja ein fester Bestandteil bei vielen meiner Shootings, egal, ob ich nun eine Hochzeitsgesellschaft oder eine Rockband vor der Kamera habe. Sie ergeben sich meist beiläufig, sind dann aber doch oft ein echtes Highlight.“ Ein gutes Portrait sollte für Peter Grüner den Betrachter berühren und nur dezent nachbearbeitet sein. Die Umwandlung in Schwarz-Weiß könne richtig eingesetzt die Wirkung intensivieren, sei aber nicht in allen Situationen die beste Wahl. „Bei den Beispielbildern hat es sehr gut gepasst und die düstere Novemberstimmung zusätzlich hervorgehoben“, fügt er hinzu. Er entscheidet das situationsbedingt, nimmt in einer tollen Location auch mehr von der Umgebung mit aufs Bild. Denn eine genaue Definition, was denn genau ein Portrait überhaupt ist und wie der Bildausschnitt gewählt werden muss, gibt es für den Fotografen nicht. Seine wichtigste Regel für Portraits: der Mensch das muss das Motiv sein, nicht das Drumherum.

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Nikon D810, ZEISS Milvus 1.4/85, f2, 1/60 sec, ISO 3200
Durch die fast offene Blende entsteht eine wunderbare Hintergrundunschärfe. Elemente und Lichter umspielen die Person und sorgen für eine harmonische Gesamtkomposition.

Der Mensch in seiner Gesamtheit spielt überhaupt eine sehr wichtige Rolle für Peter Grüners Portraits und bestimmt auch stark seinen Arbeitsablauf. „Es ist einfach wichtig, sein Motiv besser kennen zu lernen und eine Vertrauensbasis zu schaffen – nur so kann ich die Persönlichkeit des Portraitierten in den Fokus stellen“, erklärt er seine Herangehensweise. Und dafür nimmt er sich auch viel Zeit, es finden Vorgespräche statt, persönlich oder auch per Telefon. Im Idealfall werde so schon vorab klar, was später in den Bildern zum Ausdruck gebracht werden soll. Das sei bei Aufnahmen außerhalb des Studios besonders wichtig: „Model und Location müssen zusammenpassen und so kann ich mir genau überlegen, wo das Shooting später stattfinden soll.“ Ist ein Shooting für den ganzen Tag angesetzt, wird mit einem gemeinsamen Frühstück gestartet, reisen die Models schon am Vortag an können sie auch bei den Grüners übernachten. Das sorgt für ein familiäres Verhältnis und später für eine gelöste Stimmung bei der Arbeit. Ein Gespür für die Situation und sein Gegenüber zu entwickeln zählt für Peter Grüner dabei zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Portraitfotografen. Ein weiterer Tipp: „Jede Person ist anders - man muss offen sein und sich auf Neues einlassen.“

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Nikon D5, ZEISS Milvus 1.4/85, f2, 1/80 sec, ISO 6400
Es muss nicht immer alles scharf sein. Hier sorgt eine leichte Bewegungsunschärfe im Haarbereich für Dynamik und eine geheimnisvolle Anmutung.

Zum Thema Nachbearbeitung hat Grüner eine klare Meinung. „Es mag etwas Old School klingen, aber für mich entsteht der Großteil des Bildes bereits vor dem Drücken des Auslösers“, erzählt er im Gespräch, „außerdem sitze ich bei meinem Beruf als Systemadministrator sowieso schon den ganzen Tag vor dem Bildschirm, da habe ich wenig Lust auf umfangreiche Bildbearbeitung.“ Mit dem RAW Converter und Photoshop gibt er seinen Bildern lediglich den finalen Schliff. Für die Umsetzung seiner Projekte nutzt Peter Grüner deshalb eine ganze Reihe von ZEISS Objektiven, die bereits ohne Nachbearbeitung am PC einen für ihn „einzigartigen Look“ liefern. Für die Bildreihe in diesem Beitrag kamen das Milvus 1.4/50 und das Milvus 1.4/85 zum Einsatz, sehr häufig fotografiert Grüner auch mit dem Apo-Sonnar T* 2/135 und dem Distagon T* 1.4/35. „Der manuelle Fokus ist sehr präzise und hilft mir, den Blick auf das Motiv zu lenken“, beschließt Grüner das Gespräch, „das ist bei offener Blende nicht immer ganz einfach, aber mit etwas Übung ganz gut in den Griff zu bekommen.“

Über Peter Grüner

Peter Grüner, 1970 in Mannheim geboren, hat den Beruf des Biologielaboranten erlernt und arbeitet derzeit als IT System Administrator. Zur Fotografie fand er schon als Jugendlicher, stieg dann 2004 nach längerer Pause in die Digitalfotografie ein. Heute ist die Fotografie ein kreativer und entspannender Ausgleich zum Berufsleben. Peter Grüner ist verheiratet und lebt mit seiner Frau – die sich ebenfalls für Fotografie begeistert – in Ludwigshafen am Rhein.

www.gruener-fotodesign.de

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1 Kommentar

  1. Ralf Bräutigam

    Ohne Herrn Grüner nahe treten zu wollen, wenn man, wie er, so strenge Geometrien, wie im ersten Bild dargestellt, als Gestaltungsmittel verwenden möchte, sollten diese doch wenigstens ausgerichtet und verzeichnungsfrei sein. Das Bild ist mir viel zu unausgewogen. Es kippt für mich nach hinten und zur Seite. Eventuell wäre es eine Überlegung wert sich vielleicht doch intensiver mit der Nachbearbeitung zu beschäftigen.
    Als Idee: bei der zweiten Aufnahme hätte ich den unteren Teil bis zum Knopf unter der Gürtelschnalle weggeschnitten da der helle Stoff des Strickkleides den Blick zu stark vom Gesicht wegzieht.

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