In die Wildnis

Er hängt in Felswänden oder springt aus fliegenden Hubschraubern: Wenn es gefährlich wird, ist David Clifford in seinem Element. Der Abenteuerfotograf aus Aspen, Colorado, hat in der Outdoor-Szene einen legendären Ruf. Immer auf Tour mit dabei: sein Set mit ZEISS Objektiven.

„Sie brauchen jemanden, der eine Maschinengewehrstellung stürmt und im Kugelhagel die bestmöglichen Fotos mitbringt? Dann fragen Sie Cliffy.“ Die Aussage über David „Cliffy“ Clifford stammt von Duane Raleigh, Herausgeber des Rock and Ice Magazine und einer der besten Klettersportler der Welt. Wörtlich nehmen darf man Raleighs Aussage nicht, denn Clifford ist nicht in Kriegsgebieten unterwegs. Dafür mit Weltklassesportlern aus der Climbing-, Running- und Skiing-Szene vorzugsweise in seiner Wahlheimat in Carbondale, Colorado. Wenn Clifford seine spektakulären Abenteuershootings macht, ist eine Portion Nervenkitzel immer dabei.

Fünf Objektive hat „Cliffy“ in den 25 Jahren seiner Fotografenkarriere schon durch Crashs ins Jenseits befördert. Das ist erstaunlich wenig für einen, der am liebsten mit drei Kameras am Hals baumelnd nur mit einem Seil gesichert über dem Abgrund schwebt. Ausfälle kann er sich da nicht leisten. Deshalb vertraut Clifford schon seit Beginn seiner Karriere auf ZEISS Objektive. Schon mit seiner ersten Kamera fotografierte er mit einem Distagon T* 2/35, das heute immer noch sein Favorit ist. Gut die Hälfte aller Fotos entsteht mit diesem Objektiv. „Schon im College habe ich von diesen Objektiven gehört und seitdem habe ich davon geträumt, diese Firma repräsentieren zu dürfen.“ Das hat er nun geschafft: 2014 wurde Clifford zum ZEISS Camera Lens Ambassador ernannt, als einer von nur wenigen Fotografen weltweit. „Das ist eine große Ehre für mich.“

Heute fotografiert der 45-Jährige mit diversen digitalen Vollformatkameras. Auch der Inhalt seiner Objektiv-Tasche ist gewachsen: Distagon T* 2,8/15, Distagon T* 2/25, Distagon T* 2/35, Planar T* 1,4/50, Planar T* 1,4/85, Apo Sonnar T* 2/135, Makro-Planar T* 2/50 sind immer mit auf Tour.

D600, Distagon T* 2/35 (f/3,5, 1/160 sec, ISO 100)
Eine Tour, bei der alles schief ging – bis auf dieses Foto: Ben Ruck beim Bergwandern in den Purple Mountains nahe Marble, Colorado.
Hochauflösendes Bild auf Flickr

 

Gute Fotos erfordern gute Planung – doch manchmal macht einem die Wirklichkeit einen Strich durch die Rechnung. Wie bei der Bergtour mit seinem Freund Ben Ruck in den Purple Mountains in Colorado. Nach sechseinhalb Stunden Aufstieg war klar: Die beiden hatten sich verlaufen. „Wir kamen irgendwo auf 4.000 Meter Höhe raus, wo wir eigentlich gar nicht hinwollten“, erinnert sich Clifford. Und dann wurde zu allem Überfluss bei einem Absturz die Drohne beschädigt, die mit einer Actioncam Bilder von Ben beim Klettern schießen sollte. „Trotz allem: Der Spot war fantastisch.“ Im schwächer werdenden Licht entstand dieses eine Foto von Ben auf dem Berg. Die leichte Sepia-Tönung wurde mit einem Bildverarbeitungsprogramm angehoben, um die natürliche Farbe des Grases im Herbstlicht zu verstärken. „Allein für dieses Foto hat es sich gelohnt.“

D4, Distagon T* 2/25 (f/5,6, 1/1600 sec, ISO 800)
Carrie Cooper klettert ohne Seil an einer Felswand in Cala Varques auf Mallorca mit dem hohen Schwierigkeitsgrad 7a.
Hochauflösendes Bild auf Flickr

 

David Clifford wohnt mit seiner Frau und seinen drei Kindern eine halbe Autostunde außerhalb von Aspen. Die meisten seiner Fotos entstehen in Colorado. Schnee und spektakuläre Berge gibt es hier im Überfluss. Was es nicht gibt: Meer. Für ein Shooting mit Carrie Cooper, einer der bekanntesten Klettersportlerinnen der Welt, mussten die beiden dorthin reisen, wo Felsen auf Meer treffen: nach Mallorca. Menschen mit Höhenangst wird es vermutlich schon beim Betrachten des Fotos schlecht, das die Sportlerin ohne Sicherungsseil im Fels zeigt. Um zu dem Spot zu kommen, musste sie mit einem wasserdichten Kleidersack dorthin schwimmen, sich umziehen und hochklettern. Carrie Cooper klettert hier 15 Meter über dem Wasser. „Das war also nicht sehr gefährlich“, sagt David Clifford, „auch für mich nicht.“ Als Kletterlaie wird man das anders sehen. Der Fotograf hing angeseilt über der Klippe, mit zwei Kameras um den Hals. Gefährlich war es also für die Ausrüstung im Wert von einigen tausend Euro, die im Fall des Falls im Wasser gelandet wäre. Ausgeschlossen sind solche Unfälle nicht, aber für David macht das Unerwartete einen Teil des Reizes seiner Arbeit aus.

D4, Distagon T* 2.8/15 (f/13, 1/1000 sec, ISO 500)
Helikopter-Skiing in den San Juan Mountains in Colorado für den Katalog eines Outdoor-Ausrüsters
Hochauflösendes Bild auf Flickr

 

(Über)leben war auch das Thema der Werbekampagne „What Gives You Life“ eines Outdoor-Ausrüsters, für dessen 2014/15er-Katalog David Clifford die Fotos machte. Eine Woche war er mit den besten Skisportlern der Welt unterwegs, drei Tage im Schnee, zwei Tage an Lifestyle-Locations. 35.000 Shots sind dabei entstanden. Zum Einsatz kamen ZEISS Objektive in allen Brennweiten vom 15mm-Weitwinkel bis zum 135mm-Tele. 50 bis 65 Kilogramm wog die Ausrüstung, die Clifford und sein Assistent auf Skiern schleppen mussten. Das Motiv mit den fünf Skiwanderern sieht entspannter aus als es ist. Die Athleten wollten loslaufen und Schwünge im Tiefschnee machen. Kameratasche fallen lassen, eine der beiden Kameras greifen und aus der Hüfte schießen, sei Teil des Jobs, so David.

Das Team wollte in einen Helikopter steigen und Clifford versuchte, den goldenen Moment mit der Sonne im Gegenlicht einzufangen, die sich im abgeblendeten Distagon T* 2,8/15 zu einem Stern bricht. Bei Outdoor-Aufnahmen mit Bewegung sei das Fokussieren eine Herausforderung, sagt Clifford. Das Objektiv sei aber sehr gutmütig zu fokussieren und liefere eine beeindruckende Schärfe und Klarheit. „Die Kamera und das Distagon haben hier einen überragenden Job gemacht“, schwärmt Clifford. Eine Linse mit Autofokus hätte bei diesem Motiv versagt.

D4, Distagon T* 2.8/15 (f/16, 1/1000 sec, ISO 640)
Der Helikopter von Telluride HeliTrax sammelt die Skisportler auf, die für die Werbekampagne eines Outdoor-Ausrüsters unterwegs sind
Hochauflösendes Bild auf Flickr

 

„Wir sollten nahe zusammen bleiben und uns in den Schnee ducken. Ich drückte ab, bis ich nichts mehr sah“, sagt Clifford, „zum Glück war der Schnee so kalt, dass er um das Objektiv herumgeweht wurde. Trotz der klirrenden Kälte arbeiteten die Objektive tadellos.“ Ergebnis ist ein Foto, bei dem alles stimmt. „So etwas gelingt vielleicht einmal im Jahrzehnt“, findet sogar der erfolgsverwöhnte Starfotograf.

Auch in diesem Motiv steckt eine Menge Planung – und das Knowhow von über 20 Jahren. So muss man wissen, welche Belichtungszeit nötig ist, damit der Rotor des Helikopters genau die richtige Bewegungsunschärfe bekommt: zwischen 1/640 und 1/1000 Sekunde. Und der Sternenkranz an der Rotorachse entsteht im Gegenlicht nur bei einer fast geschlossenen Blende von 16 oder 22. Auch hier gelingt die perfekte Belichtung dank der Dynamik der Kamera, die eine perfekte Balance zwischen dem Gegenlicht, dem blauen Himmel und dem vom Schnee reflektierten Licht im Schatten findet. „Und das Distagon T* 2,8/15 sorgt für reichlich Drama, man hat das Gefühl, mitten in der Gruppe zu sein.“

Über David Clifford

David Clifford, 45, hat in Boston, Massachusetts, Fotografie studiert. 1991 zog er ins Bergparadies Aspen in Colorado, wo er zunächst in einem Fotoladen als Verkäufer arbeitete. Bald wurden international bekannte Athleten auf ihn aufmerksam wie der Extremskisportler und Weltmeister Chris Davenport. Clifford ist ZEISS Botschafter, einer von nur wenigen Fotografen weltweit. Clifford ist verheiratet und hat drei Kinder.

www.davidcliffordphotography.com

David Clifford
David Clifford

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.