Makrofotografie

Nachdem Sie im ersten Teil unseres Artikels Tipps and Tricks in der Makrofotografie die technischen Grundlagen und Makroobjektive kennen gelernt haben, möchten wir Sie im zweiten Teil an die Praxis heranführen. Anhand von Beispielen erläutern wir das formatfüllende Fotografieren von Kleinstmotiven.

 

Wie der Knoten für eine gute Makrofotografie platzt, lesen Sie im Folgenden (Makro-Planar T* 2/50; F/5,6; 1/320 Sek.; ISO 800).

Wie der Knoten für eine gute Makrofotografie platzt, lesen Sie im Folgenden (Foto von Carter Edwards).

Überwiegend in der Medizin (z.B. Pathologie, Dermatologie, Gerichtsmedizin), der Botanik, der Zoologie, der Paläontologie, der Mineralogie, der Materialprüfung, der Kriminalistik sowie der Halbleitertechnik und Elektronik spielt die Abbildung von kleinen und kleinsten Motivdetails eine wichtige Rolle. Die dafür erforderliche Aufnahme- und Beleuchtungstechnik lässt sich jedoch auch hervorragend für die freizeitliche Fotografie einsetzen, z.B. zur Dokumentation von Sammelobjekten, für Reproduktionen, oder das Eintauchen in die nicht alltägliche Welt von Insekten, Oberflächenstrukturen oder Miniaturtechnik. So kann die Makrofotografie völlig neue Sichtweisen sowohl beim Fotografen als auch beim Betrachter der Bilder hervorrufen.

Schärfentiefe und Lichtverlust im Nahbereich – noch etwas Theorie

Um bei dreidimensionalen Objekten im Nahbereich noch eine ausreichende Schärfentiefe zu erzielen, muss das Objektiv häufig stark abgeblendet werden, also z.B. auf Blende 11 oder 16. Nach Möglichkeit sollte die Blende jedoch nicht noch weiter geschlossen werden (z.B. auf 32), da dadurch zwar die Schärfentiefe zunimmt, aufgrund von Beugungseffekten die Bildqualität jedoch wieder verringert wird. Für eine gute allgemeine Schärfe wählen Sie die optimale Blende oder eine mittlere Blende, beispielsweise eine Blende zwischen f/4 und f/11 bei ZEISS Makro-Planar T* 2/50 oder ZEISS Makro-Planar T* 2/100 (jeweils Blendenbereich f/2 - f/22).

Bei Nahaufnahmen erstreckt sich die Schärfentiefe bei mittlerer Blende nur über einen kleinen Bereich (Makro-Planar T* 2/100).

Bei Nahaufnahmen erstreckt sich die Schärfentiefe bei mittlerer Blende nur über einen kleinen Bereich.

Bei großen Abbildungsmaßstäben tritt zudem ein Lichtverlust im Objektiv auf. So ist z.B. bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 eine Belichtungsverlängerung von zwei Zeitstufen oder das Öffnen der Blende um zwei Stufen gegenüber einer Aufnahme außerhalb des Makrobereichs bei identischen Lichtverhältnissen erforderlich. Sofern die TTL-Innenmessung der Kamera verwendet wird, berücksichtigt diese den Lichtverlust entsprechend automatisch.

Somit werden auch bei guten Lichtverhältnissen häufig Belichtungszeiten schon erreicht, die nicht mehr ohne Verwacklungsgefahr aus der Hand zu halten sind oder selbst bei sich leicht bewegenden Blättern im Wind zu Bewegungsunschärfe auf der Aufnahme führen.

Bei Makroaufnahmen aus freier Hand besteht zudem die Gefahr, sich während des Auslösens aus dem zuvor sorgsam gewählten Schärfentiefebereich zu bewegen. Deshalb sollte ein Fotograf auf ein Stativ zurückgreifen oder zumindest Kamera oder Objektiv abstützen. Außerdem sollten Sie entweder den Selbstauslöser oder einen Fernauslöser verwenden, damit beim Auslösen keine Verwacklungen durch die Bewegung entstehen. Wenn Ihre Kamera diese Möglichkeit bietet, wählen Sie zudem die Spiegelvorauslösung, so dass auch das Hochklappen des Spiegels keine Vibrationen verursachen kann.

Herbstlaub im Gegenlicht erfordert keine zusätzliche Beleuchtung.

Herbstlaub im Gegenlicht erfordert keine zusätzliche Beleuchtung.

Das Set-Up vorbereiten

Bevor Sie mit der Fotosession anfangen, legen Sie sich alles zurecht, was Sie für Ihre Aufnahmen brauchen: Beispielsweise große Bögen farbiger oder schwarze Pappe als Hintergrund, ein Wasserzerstäuber für Tau-Effekte auf der Blüte, ein weicher Pinsel, um Staub zu entfernen. Dann können Sie sich nur auf die Aufnahmen konzentrieren, ohne durch die Suche nach Zubehör abgelenkt zu sein.

Denken Sie bei der Gestaltung einer Makroaufnahme auch auf die scheinbaren Selbstverständlichkeiten wie Staubkörner oder Fingerabdrücke auf glatten Oberflächen. Falls Sie eine Blüte aufnehmen wollen, achten Sie bereits bei der Auswahl auf möglichst perfekte, heile Blütenblätter. In der Nahaufnahme erscheint jeder kleine Makel unübersehbar und besonders deutlich.

Richtiges Licht

Sorgen Sie für eine gleichmäßige, weiche Ausleuchtung. Das geht mit professionellen Studioleuchten oder mit externen Blitzgeräten mit vorgesetzten Softboxen, die ein besonders weiches Licht erzeugen. Es lässt sich aber auch mit Tageslicht oder Haushaltsleuchten arbeiten. Dabei ist der richtige, an das Licht angepasste Weißabgleich besonders wichtig. Achten Sie außerdem darauf, wie die Schatten verlaufen. Insbesondere künstliche Lichtquellen mit kleiner Reflektorfläche können sehr harte Schatten verursachen, die auf dem Bild störend wirken. Aufheller aus Styropor, weißem Karton oder Alufolie mildern Schatten und reduzieren dabei die Beleuchtungskontraste, ohne zusätzliche Reflexe zu erzeugen.

Sehr praktisch als universelle Beleuchtungsquellen für den Makrobereich sind Ringblitzgeräte. Sie bestehen meist aus dem eigentlichen Ringblitz, also einer oder mehreren gebogenen Blitzröhren, deren Fassung am Frontgewinde des Objektivs befestigt wird, sowie dem Steuergerät mit den Bedienelementen und der Stromversorgung.

Die Blitzleistung eines Ringblitzgerätes ermöglicht eine Ausleuchtung bis zu einer Entfernung von etwa 1,5 Metern. Blitzgeräte haben den unbestrittenen Vorteil, dass sie durch ihre hohe Lichtleistung zusammen mit kurzen Verschlusszeiten an der Kamera eingesetzt werden können (z.B. der Synchronzeit der Kamera, etwa 1/125s). Damit lassen sich auch im Makrobereich sich bewegende Motive, etwa Insekten, jederzeit scharf abbilden.

Spezielle Makroblitzgeräte mit zwei oder mehreren voneinander getrennten kleinen Reflektoren erlauben eine sehr kreative Lichtführung. Wie bei einer großen Studioblitzanlage mit mehreren Blitzköpfen lässt sich hier ein Setup mit Haupt-, Aufhell- oder Hintergrundlicht und dazu gehörenden Aufhellern im Miniaturmaßstab aufbauen.

Wenn jedoch Stilleben, Reproduktionen oder Sachaufnahmen anstehen, spielt die Belichtungszeit nur eine untergeordnete Rolle. Hier können nun auch Dauerlichtquellen wie Tageslichtröhren oder Leuchtplatten problemlos eingesetzt werden. Der tageslichtähnliche Charakter dieser Beleuchtungsquellen ermöglicht farbstichfreie Aufnahmen auf gängiges Filmmaterial ohne zusätzliche Filter am Objektiv sowie einen problemlosen automatischen oder manuellen Weißlichtabgleich bei Digitalkameras. Auch der kombinierte Einsatz zusammen mit Blitzgeräten ist dadurch denkbar.

Schärfe gezielt setzen

Die schärfste Stelle im Bild ist ein wichtiges gestalterisches Element: Darauf konzentriert sich die Aufmerksamkeit des Betrachters als erstes, und der Blick wandert immer wieder dorthin zurück.

Große Schärfentiefe ist in der Makrofotografie manchmal gewünscht aber nur bedingt möglich. Oft ist sie aber auch unerwünscht. Denn ein gutes Bild zeichnet sich meist dadurch aus, dass es die überflüssigen Dinge weglässt oder nur andeutet und den Blick auf die wesentlichen Aspekte des Motivs lenkt.

Gezieltes Spiel mit Schärfe und Unschärfe (Makro-Planar T* 2/100; F/2; 1/160; ISO 200).

Gezieltes Spiel mit Schärfe und Unschärfe (Foto von Losteuropa).

Eine Spinne optimal ins Bild gerückt. (Makro-Planar T* 2/100; F/2,2; 1/1000 Sek.; ISO 100).

Eine Spinne optimal ins Bild gerückt (Foto von John Eaton).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Überlegen Sie sich also genau, wo in Ihrem Motiv der Schwerpunkt liegen soll. Objektive von Carl Zeiss, die sich extrem präzise manuell fokussieren lassen, sind erste Wahl beim gezielten Setzen des Fokuspunktes. Auch bei AF-Objektiven, ist das Abschalten der AF-Funktion im Nahbereich sinnvoll, da sich meist am gewünschten Schärfepunkt nicht direkt ein AF-Messfeld befindet.

Details betonen

Mit einer großen Blende wie etwa f/2 ist der Schärfentiefebereich besonders klein. So lässt sich die Aufmerksamkeit des Betrachters bewusst auf bestimmte Details lenken. Fotografieren Sie mit Zeitautomatik (Av oder A) – das gibt Ihnen die Kontrolle über die Blende und damit auch über die Schärfentiefe. Die Kamera-Automatik macht den Rest und belichtet korrekt.

Übungsobjekte und Bildgestaltung

Das technische Know-how und die geeignete Ausrüstung alleine  sind jedoch noch kein Garant  für gute Makrofotos. Eine gelungene Makroaufnahme besticht nicht nur durch ihre handwerklich saubere Umsetzung, sondern auch durch die Einzigartigkeit der Sichtweise des Fotografen und oft auch durch den „Aha-Effekt“, welcher beim Betrachter ausgelöst wird, der dieses Bild zum ersten Mal betrachtet.

Jede Pflanze, jedes Tier bietet beim genauen Hinsehen eine Fülle von Formen und Strukturen und damit viele Möglichkeiten für Bilder. Blätter eignen sich besonders, um daran immer neue, grafisch und strukturell ausdrucksstarke Details zu suchen.

Da Pflanzen und Blätter in der Regel (zumindest bei wenig Wind) recht geduldige Motive darstellen und im Freien meist ausreichendes Licht zur Verfügung steht, eignen sie sich hervorragend als Übungsobjekte, um das erworbene technische Wissen in die Praxis umzusetzen.

Die Grundregeln der Bildgestaltung sollten hierbei beachten werden. Die Aufteilung des Bildfeldes nach dem „Goldenen Schnitt“, bei Tieraufnahmen die Platzierung außerhalb der Bildmitte, so dass in „Blickrichtung“ mehr  Raum im Bild zu sehen ist und die bewusst knappe Wahl des Ausschnitts, steigern meist deutlich die Bildwirkung.

Aufnahmen von kleinen Tieren erfordern schon etwas mehr Übung, da sie selten „still sitzen“ und dadurch die Bildgestaltung und Fokussierung erschwert wird. Schnelles Reagieren, kleinere Blendenöffnung für größere Schärfentiefe und der Einsatz von Blitzgeräten ermöglichen spontane Aufnahmen aus der Hand.

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