Ästhetik des Essens

Ming Thein ist ein Profi hinter der Kamera, wenn auch ein spätberufener. Erst seit 2011 arbeitet er – nach einer erfolgreichen Karriere in der Wirtschaft – als Vollzeitfotograf. Einer der Gründe dafür, warum exquisite Uhren zu seinen bevorzugten Motiven gehören, könnte seine besondere Einstellung zu Zeit sein. Bei seinem Werdegang konnte es nicht schnell genug gehen: Seinen Master-Abschluss in Physik machte er mit 16. Wenn er sich allerdings Zeit lässt, genießt der heute 26 Jährige es selbst zu essen – und Essen für Kunden zu fotografieren. An seinem Geburtsort Malaysia, wo er derzeit wieder lebt, schätzt er die „unglaublich vielfältigen Gerichte.“ Er liebt die Variation – auch bei seiner Ausrüstung. Dabei ist es kein Zufall, dass von seinen zahlreich eingesetzten Objektiven das ZEISS Makro-Planar T* 2/100  und das ZEISS Distagon T* 2/28 in der Food-Fotografie häufig zum Einsatz kommen.

D800E, Makro-Planar T* 2/100 (f/22, 8, ISO 100)

Drei Äpfel

Essen sei Kunst, hört man nicht selten. Also kann auch Food-Fotografie eigentlich nichts anderes sein als Kunst, die mit Licht, Schatten, Reflektionen und Transparenz Emotionen hervorruft. Ming Thein widerspricht hier nicht, schränkt aber ein: „Aus meiner Sicht wird hierüber viel zu viel nachgedacht. Für mich stellt sich die Sache eigentlich ganz einfach dar: Für meine Kunden fotografiere ich Produkte. Und ich muss dafür sorgen, dass das Produkt gut aussieht. Dabei sind drei Dinge besonders wichtig: Man muss etwas vom Produkt selbst verstehen, man muss sich darüber im Klaren sein, für welche Zielgruppe man fotografiert und man muss versuchen, sich in die Ziele des Kunden hineinzudenken. Und da es sich bei dem Motiv hier um Nahrungsmittel handelt, will man ganz klar eine Reaktion hervorrufen: Wer das Bild sieht, darf nur eins denken: Das würde ich wirklich gerne einmal essen!‘ Aus meiner Sicht ist das alles. Es geht nicht darum, weitergehende, tiefe Gefühle mit den Bildern zu erzeugen.“

Eines seiner Lieblingsbilder zeigt ein sehr einfaches „Gericht“: drei Äpfel. Verschieden groß, gelb, grün und rot auf einem Holztisch. Die Früchte spiegeln sich auf der polierten Oberfläche. Es ist eine Testaufnahme, gemacht mit dem ZEISS Makro-Planar T* 2/100. Für Ming Thein steckt in dem Bild ein fotografisches Statement: „Dieses Foto vermittelt den einzigartigen Reiz, der von einem Apfel ausgeht. Es ruft bestimmte Gefühle hervor, hat eine gewisse Stimmung. Beispiele dafür finden sich in der Kunst. Ich denke dabei an die Gemälde der holländischen Meister und ihren Umgang mit dem Licht.“ Damit geht Ming Thein letztlich also einen Schritt weiter. „Es geht darum“, hebt er hervor, „als professioneller Fotograf etwas sichtbar zu machen, was nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist und so auf einen neuen Blickwinkel hinzuweisen.“

In dieser Hinsicht ist Ming Theins Food-Fotografie also doch wieder Kunst, aber Kunst, die hungrig machen soll – auf die Produkte seiner Kunden. So fotografierte er für ein exquisites Sushi-Restaurant in Kuala-Lumpur eine ganze Serie von Aufnahmen, deren Anspruch es war, den besonderen Charakter der Gerichte sichtbar zu machen. Denn eines zeichnet den Koch hier aus: Er schreibt keine Speisekarte. Der Gast wählt nicht, sondern bekommt serviert, was gerade frisch ist: die Spezialität des Tages. „Bei den vier Stücken Sushi hier liegt die Herausforderung darin, dass Sushi immer roh serviert wird. Dabei soll vor allem eines buchstäblich greifbar werden: die Frische des Fisches. In diesem Bild wird das teils durch die Farbe, teils durch die Zeichnung erreicht. Aber auch die Oberfläche muss entsprechend wirken: ein wenig reflektierend, ein wenig feucht. Das ganze erfordert den sehr bewussten Einsatz von Beleuchtung, weil auch eine gewisse Transparenz des Fisches sichtbar sein soll.“ Als besonders schwierig erwies sich bei dieser Aufnahme, eine entsprechend schöne Farbgebung und Textur gleichzeitig zu realisieren. Für einen solchen Einsatz schätzt Ming Thein deshalb die Eigenschaften des ZEISS Makro-Planar T* 2/100: „Was an den ZEISS Objektiven wirklich gut ist, ist die Farbwiedergabe. Sie ist neutral, aber gesättigt. Der Farbton wird sehr exakt wiedergeben, ist sehr realitätsnah. In dieser Aufnahme sieht man auch den überzeugenden Mikrokontrast.“ Dabei weiß Ming Thein die Farbeigenschaften seiner ZEISS Objektive nicht nur bei einzelnen Aufnahmen zu schätzen, sie erleichtern ihm das Leben als Fotograf auch in der Nachbearbeitung. Bei seinen Aufträgen setzt er häufig mehrere verschiedene Kamerasysteme innerhalb derselben Aufnahmeserie ein (Nikon F, Hasselblad V, Leica M). Dabei verwendet er an allen Systemen jeweils die entsprechenden ZEISS Objektive, und die Farbwiedergabe bleibt gleich. „Wenn ich während eines Shootings auf verschiedene Kameras zurückgreife, kann ich so bereits während der Aufnahme sicherstellen, dass alles einheitlich aussieht. Und das spart mir eine Menge Zeit in der Postproduktion.“

D800E, ZEISS Makro-Planar T* 2/100 (f/16, 1/15, ISO 400)

Eine Auswahl frischen Sushis

Ming Thein hat seinen ganz eigenen Stil entwickelt, den er in der Food-Fotografie selbst gerne als „frisch, neu, filmerisch, malerisch“ umschreibt. Als Auftragsfotograf muss er seine persönliche Handschrift immer an die Wünsche seines jeweiligen Kunden und dessen Produkte anpassen. Im Fall des nächsten Bildes – Jakobsmuschel-Sashimi mit frischen Kräutern – war der Auftraggeber kein edles Vielsternerestaurant sondern eine japanische Restaurant-Kette mit hohem Selbstanspruch:  „Das Ziel des Kunden war es zu zeigen, dass es bei ihnen auch ‚all diese Dinge‘ zu essen gibt, auch wenn es sich hierbei nicht um eine gehobene Gastronomie wie beim vorigen Kunden handelt. Bei solchen Aufträgen habe ich als Fotograf weniger kreative Freiheit. Es kommt mehr auf Masse an, und geht weniger darum dass jedes Bild einzeln inszeniert wird. Bei anspruchsvollen Chefköchen dagegen kann es vorkommen, dass man mit ihnen als Fotograf in eine Diskussion einsteigt, in einen kreativen Prozess. Ich versuche dann im Vorhinein schon zu verstehen, was der Küchenchef mir servieren wird und wie er das macht. Auf diese Weise kann edle Küche Kunst sein. Und wir als Fotografen machen auch Kunst. Das Beste ist es, diese zwei Kunstformen miteinander zu verbinden.“ Dieser Prozess ist bei einem kommerziellen Shooting weniger stark ausgeprägt oder fehlt ganz. Der Kunde definiert, was er will. Eine Agentur trifft die Vorbereitungen. Der Fotograf fungiert hier als ausführendes Organ, das zwar seine Professionalität einsetzt, allerdings nicht kreativ tätig wird.

Ming Thein hegt seiner Ausrüstung gegenüber folgende Vorstellung: Sie ist ein Werkzeug, auf welches der Fotograf in jeder Lage vertrauen muss. Ein Werkzeug, das ihm hilft, aus seinem Blick auf die Dinge ein Bild zu kreieren – und zwar ohne zu viel über das Werkzeug nachdenken zu müssen. Ein weiterer Grund dafür, warum er unter seinen vielen Linsen, besonders gerne zu den ZEISS Objektiven greift: „Ich muss zugeben, dass ich eine gewisse Vorliebe für ZEISS Objektive habe, wegen ihrer Schärfeleistung und ihrer Farbdarstellung. Sie liefern sehr intensive Bilder, die gleichzeitig realistisch und sehr ansprechend sind.“

Bei dem Auftrag für die Restaurantkette, bestand der Job darin, die Gerichte genauso zu fotografieren, wie sie aus der Küche kommen. Es wurde praktisch nichts arrangiert oder inszeniert. „Die Herausforderung in der Fotografie von Gerichten für den Massenmarkt besteht darin, sie interessant zu machen ohne zu viel daran zu ändern, um keine falschen Erwartungen bei den Kunden zu wecken, die dann enttäuscht werden könnten.  Als Fotograf arbeite ich hier deshalb in erster Linie mit Beleuchtung und Perspektive. In diesem Fall verwendete ich ein ZEISS Distagon T* 2/28, weil der Kunde genau diese Perspektive wünschte. Mit dem T* 2/28 kann man auch auf kurze Distanz scharfstellen und es besitzt auch bei dieser geringen Entfernung sehr gute optische Eigenschaften. Auf diese Weise erscheint das Gericht noch natürlich.“

D700, ZEISS Distagon T* 2/28 (f/4, 1/250, ISO 200)

Jakobsmuschel-Sashimi mit frischen Kräutern

Im Rahmen eines Auftrags für ein Lifestyle-Magazin entstand das folgende Bild. Hier ging es nicht um fertig zubereitete Gerichte, sondern um einen Beitrag über heimische Früchte. Eine dieser Früchte – in Europa praktisch unbekannt – ist die Mangostane. Der Mangostanbaum stammt ursprünglich von der Malaiischen Halbinsel, wird jedoch heute überall in Südostasien angebaut. Die Frucht selbst gilt als sehr gesund und schmeckt angenehm säuerlich. Die Schale voller Mangostanen war Teil einer Serie von Aufnahmen. Das Ziel von Ming Thein war es dabei, jeder einzelnen Frucht einen eigenen fotografischen Charakter zu verleihen: „Ich habe jedes Motiv aus dieser Serie mit einer anderen Beleuchtung, einer anderen Perspektive und einem anderen Fokuspunkt aufgenommen.“ Auf die Nachfrage jedoch, wie nun der Geschmack der Mangostane zu der gewählten fotografischen Herangehensweise passe, zögert Ming Thein zunächst. Der Schlüssel liegt in der Bildsprache: „Ich finde, dass die Stimmung dieses Bildes den Charakter der Frucht sehr gut wiedergibt. Ein wenig mysteriös, dabei sehr komplex und schillernd. Dass man die Mangostane nicht deutlich umrissen abgebildet sieht, unterstreicht diesen Aspekt sehr gut.“

D800E, ZEISS Makro-Planar T* 2/100 (f/4, 1/2, ISO 100)

Drei Mangostanen in einer Schale

Das Dessert rundet ein Menü in der Regel ab. Aus diesem Grund steht am Ende dieses kurzen Einblicks in die die Food-Fotografie von Ming Thein ein Bild von Macarons und anderem französischen Gebäck– serviert in der bereits erwähnten japanischen Restaurant-Kette. Auch hier zeigt sich wieder Ming Theins Handschrift als Pragmatiker, der es versteht, auch bei kommerziellen Foto-Shootings auf seine besondere Weise immer wieder eins zu schaffen: Einen anschaulichen Eindruck vom gesamten Nachtischangebot dieser Gastronomie zu geben und vor allem ­– Appetit auf die farbenfrohen Kuchen zu machen „Bei diesen Aufnahmen arbeitete ich mit Hintergrundbeleuchtung und, wie schon bei dem Fischgericht, mit dem ZEISS Distagon T* 2/28, um einen einheitlichen Stil zu gewährleisten. Das T* 2/28 lässt sich auf kurze Distanz noch gut fokussieren. Man kann sehr nah heran gehen, aber es ist nicht Makrofotografie. Es handelt sich vielmehr um Nahaufnahmen mit einer anderen Perspektive.“

D700, ZEISS Distagon T* 2/28 (f/16, 1/250, ISO 200)

Französisches Gebäck: Torten und Macarons

Ming Thein ist nicht nur Fotograf und Gourmet, sondern auch jemand, der sein Wissen gerne weiter gibt. Aus diesem Grund entstand die Idee für mehrere Workshops in Zusammenarbeit mit einem lokalen Vertriebspartner von ZEISS in Kuala Lumpur, zuletzt 2012 die „ZEISS Food Photography Masterclasses“. „Wir wollten einmal etwas anderes machen in einem Bereich, in dem eigentlich jeder nur mit Modellen arbeitet. Die Grundidee der Workshops ist zum einen die Erfahrung zu machen, wirklich gutes Essen zu fotografieren und zum anderen mit den Objektiven von ZEISS zu arbeiten. Ich wollte etwas von der Intuition vermitteln, die dazu gehört, wenn man Essen fotografiert.“ Denn auch wenn Food Fotografie für Ming Thein häufig in erster Linie ein „Job“ ist, so bleibt der künstlerische Aspekt doch immer präsent, und das nicht nur im Bereich Food, sondern auch in seinen beiden anderen wichtigen Schwerpunktbereichen Uhren und Architektur.

 

Über Ming Thein

Ming Thein war mehr als nur ein Überflieger. Schon mit 16 Jahren machte er an der Universität Oxford seinen Masterabschluss in Physik. Danach begann er eine erfolgreiche Business-Karriere in Großbritannien und Asien und arbeitete in leitenden Positionen für international agierende Firmen im Bereich Strategie und Finanzen. Erst 2011 entschied er sich, seine lang gehegte Passion für Fotografie zum Beruf zu machen. Seitdem fotografiert er hauptberuflich für namhafte internationale Kunden, vor allem in den Bereichen Uhren, Food und Architektur. Sein Fotografie-Blog www.mingthein.com erfreut sich monatlich etwa 600.000 Leser.

http://www.flickr.com/photos/mingthein

 

 

 

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