Makrofotografie

Umgangssprachlich werden Nahaufnahmen – Fotos mit einem geringen Abstand zwischen Objektiv und Motiv und einem großen Abbildungsmaßstab – als Makroaufnahmen bezeichnet. Wir geben Tipps, wie richtig schöne Makros gelingen können.

 

Makroaufnahmen eröffnen neue Sichtweisen (Makro-Planar T* 2/100; F/8; 1/125 Sek.; ISO-200).

Makroaufnahmen eröffnen neue Sichtweisen.(Foto von fan700)

Die beliebtesten Motive in der Makrofotografie sind Blüten oder Insekten. Farbenfrohe Details aus der Natur machen sich in der Nahansicht besonders gut, und wenn man zunächst mit unbeweglichen Objekten wie Blättern und Blüten "übt", hat man Zeit für sorgfältige Vorbereitung.

Der Makrobereich

Die Einteilung fotografischer Aufnahmen geschieht nach der Größe des Abbildungsmaßstabes. Der Abbildungsmaßstab ist definiert als Verhältnis zwischen Bildgröße und Gegenstandsgröße, also:

Abbildungsmaßstab = Bildgröße / Gegenstandgröße

Die Bildgröße ist dabei die Abmessung eines Filmnegatives oder bei digitalen Kameras die Größe des Aufnahmesensors. Beispiel: Bei Verwendung einer Kleinbildkamera (Bildgröße 24x36mm) erzielen wir den Abbildungsmaßstab 1:1, wenn unser Motiv mit der Größe von 24x36mm formatfüllend abgebildet wird, also im Sucher die gesamte Mattscheibenfläche bedeckt. Bei digitalen Kameras, die meist einen kleineren Sensor besitzen, können somit auch entsprechend kleinere Motive mit einem Abbildungsmaßstab von 1:1 aufgenommen werden.

Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 lässt sich eine Briefmarke formatfüllend abbilden.

Bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1 lässt sich eine Briefmarke formatfüllend abbilden.

Wenn der Abbildungsmaßstab kleiner ist als 1:10, sprechen wir von der Normalfotografie. Die Makrofotografie erstreckt sich im Bereich eines Abbildungsmaßstabes von 1:10 bis 10:1. Bei noch größerem Abbildungsmaßstab (größer als 10:1) handelt es sich um Mikrofotografie, was nur noch mit speziellen Lupenobjektiven oder Mikroskopen zu realisieren ist.

Ein Abbildungsmaßstab von 5:1 nähert sich den Grenzen der Makrofotografie.

Ein Abbildungsmaßstab von 5:1 nähert sich den Grenzen der Makrofotografie.

Wenn das aufgenommene Bild später ausgedruckt oder auf Fotopapier vergrößert wird, ändert sich natürlich wieder der ursprüngliche Abbildungsmaßstab im Verhältnis zum fotografierten Gegenstand.

Die Naheinstellgrenze

Jedes Objektiv bietet einen Entfernungsbereich, innerhalb welchem es sich scharf einstellen lässt. Die kürzest mögliche einstellbare Entfernung ist die Naheinstellgrenze. Sie wird immer von der Film- bzw. Aufnahmesensorebene aus gemessen, welche bei vielen Kameras durch eine Markierung am Gehäuse verdeutlicht wird. Alle Entfernungsangaben an der Scharfeinstellskala der Objektive beziehen sich auf diese Ebene. Die Frontlinse oder Streulichtblende des Objektivs befindet sich also deutlich näher am Motiv als die am Objektiv eingestellte Entfernung.

Schärfentiefe

Aufgrund der geringen Schärfentiefe im Nah- und Makrobereich ist eine präzise Fokussierung erforderlich. Bei dreidimensionalen Motiven ist genau zu überlegen, welcher Bereich für eine optimale Bildwirkung scharf abgebildet werden soll. Häufig kann nur durch starkes Abblenden (z.B. auf 16 oder 22) ein ausreichend großer Bereich hinreichend scharf wiedergegeben werden.

Das "Was" und "Wie" einer Makroaufnahme beeinflusst ebenso die Wirkung der Unschärfe: Die geeignete Kombination von Blende, Brennweite und Aufnahme-Standpunkt usw. ist ein entscheidendes gestalterisches Element. Ein unscharfer Hintergrund löst das Hauptmotiv von ablenkenden unwichtigen Details und erhöht die plastische Wirkung des Bildes.

Unscharfe Partien des Bildes haben eine wichtige Rolle in der Bildkomposition. Allerdings ist diese Bildeigenschaft mehr ästhetischer und damit rein subjektiver Natur. Unschärfe lässt nicht so einfach mit Zahlen beschreiben wie das scharfe Bild.

Geringe Schärfentiefe sowie der Hell-/Dunkelkontrast isoliert das Hauptmotiv vom Hintergrund.

Geringe Schärfentiefe sowie der Hell-/Dunkelkontrast isoliert das Hauptmotiv vom Hintergrund.

Lassen Sie sich bei Ihren eigenen Foto-Experimenten also nicht verunsichern. Schulen Sie mit Routine Ihre Technik und probieren Sie Ihren eigenen Stil aus. Dabei schärfen Sie den Blick für die "richtige" Gestaltung Ihrer Bilder.

Kameras

Wenig geeignet für Makroaufnahmen sind analoge Sucherkameras aufgrund der Parallaxe zwischen Sucherbild und tatsächlich aufgenommenem Bildausschnitt. Kompakte Digitalkameras zeigen zwar auf Ihrem Monitor auch im Nahbereich den genauen Bildausschnitt und bieten auch häufig Objektive mit einem sehr guten Nahbereich; das eingebaute Blitzgerät ist jedoch für den Nahbereich meist wenig brauchbar, und externe (Makro-) Blitzgeräte lassen sich häufig nicht damit verwenden. Somit ist man auf eine oder mehrere Dauerlichtquellen zur Ausleuchtung kleiner Motive angewiesen.

Spiegelreflexkameras und spiegellose Systemkameras

Analoge und digitale Spiegelreflexkameras (SLR = Single Lens Reflex) sowie spiegellose Systemkameras (z.B. MFT-, Sony NEX Modelle) eignen sich am besten für die Makrofotografie. Neben dem Vorteil der optimalen Kontrolle von Bildausschnitt und Schärfeverteilung durch den Sucher bzw. im Display stehen eine Vielzahl an speziellen Makroobjektiven, Zwischenringen, Balgengeräten, Nahlinsen, Lupenobjektiven und weiterem Zubehör zur Verfügung.

Das Objektiv

Wer an der Makrofotografie Gefallen findet, denkt wahrscheinlich irgendwann über die Anschaffung eines speziellen Objektivs nach. Sparen Sie hier nicht am falschen Ende, denn Makroaufnahmen zeigen nicht nur unmittelbar die Fähigkeiten des Fotografen, auch die Qualität des Objektivs spielt eine entscheidende Rolle für schöne Fotos.

Makro-Objektive sind üblicherweise Festbrennweiten mit 50 oder 100 Millimetern Brennweite. Festbrennweiten haben gegenüber Zoomobjektiven den Vorteil, dass sie sehr präzise konstruiert und im Bezug auf sphärische Aberration (Abbildungsfehler) und das sogenannte "Bokeh" optimiert werden können.

Bokeh ist aus dem Japanischen entliehen und bedeutet im Ursprung soviel wie "unscharf, verschwommen". Wenn von Bokeh die Rede ist, ist damit die "Qualität" der unscharfen Bereiche im Bild gemeint: Wie sehen die Unschärfebereiche aus, handelt es sich um "gutes" oder "schlechtes" Bokeh.

Schematische Abbildung von Bokeh bei punktförmigen Lichtquellen:

Schematische Abbildung von Bokeh bei punktförmigen Lichtquellen

Links: Schlechtes Bokeh weist typischerweise Lichtstreuung in "Doghnut"-Form auf. Außen verläuft ein heller Ring, die Mitte ist dunkler . Mitte: Neutrales Bokeh, Lichtstreuung verläuft gleichmäßig und klar abgegrenzt.
Rechts: Gutes Bokeh, Lichtstreuung verläuft gleichmäßig und weich auslaufend.

 

Welches Bokeh ein Objektiv erzeugt, hängt von vielen Faktoren ab, wie etwa dem Verhalten bezüglich sphärischer Aberration, und auch die Form und Anzahl der Blendenlamellen spielt eine Rolle. Mehr Lamellen sorgen für eine annähernd kreisförmige Öffnung – mit 5 Lamellen wirkt die Öffnung eckiger als mit 7 oder 9 Lamellen. ZEISS SLR-Objektive haben alle 9 Blendenlamellen. Spitzlichter im Vorder- oder Hintergrund werden dadurch kreisförmiger und somit harmonischer wiedergegeben. Das ist aber nicht alles. Es spielen auch Faktoren eine Rolle, die gar nicht vom Objektiv beeinflusst werden.

Folgende Aspekte haben einen Einfluss auf die Phänomene außerhalb der Fokusebene – also die Unschärfe beziehungsweise das "Bokeh". Jedoch sind nur die zuletzt aufgezählten Punkte direkt auf das Objektiv zurückzuführen:

• Aufnahmeformat

• Brennweite

• Blendenzahl

• Entfernung Kamera – Hauptmotiv

• Abstand zwischen Hinter- und Vordergrund

• Formen, Muster und Farben des Motivs

• Helligkeit im Hinter-/Vordergrund

• Blendenform (die sich aus der Anzahl der Blendenlamellen ergibt)

• Korrektion des Objektivs

• Anfangsöffnung des Objektivs

• Qualität der Linsen (Reinheit des Glases, Art der Vergütungen)

Moderne Makroobjektive bieten durch überlange Schneckengänge ohne weiteres Zubehör die Möglichkeit, einen Abbildungsmaßstab von 1:2  zu erreichen. Sie sind in ihren Abbildungseigenschaften speziell auf kurze Distanzen optimiert und sind damit für die meisten Anwendungszwecke im Nahbereich die erste Wahl.

Je nach Anwendungszweck werden Makroobjektive unterschiedlicher Brennweiten eingesetzt. Bei gleichem Abbildungsmaßstab muss man mit einem Makroobjektiv kürzerer Brennweite deutlich näher an das Motiv herangehen als mit einem Objektiv längerer Brennweite.

Langbrennweitige Makroobjektive ermöglichen auch Aufnahmen von Tieren mit Fluchtinstinkt.

Langbrennweitige Makroobjektive ermöglichen auch Aufnahmen von Tieren mit Fluchtinstinkt.

Das Makro-Planar von Carl Zeiss

Das Makro-Planar T* 2/50 und Makro-Planar T* 2/100 von Carl Zeiss gibt es mit Anschlüssen für das F-Bayonett und EF-Bayonett für Kameras von Nikon und Canon.

Beide nutzen ein neu entwickeltes Optik-Design mit „Floating-Elements“ für überragende Abbildungsleistung über den gesamten Fokussierbereich. Zusammen mit ihrem hohen Auflösungsvermögen, minimaler Verzeichnung, sehr geringen Farbfehlern und äußerst geringem Helligkeitsabfall zum Rand (Vignettierung) sind diese Makroobjektive Referenzobjektive in nahezu allen Bereichen der Fotografie, auch außerhalb des Nahbereiches.

Das Makro-Planar T* 2/50 stellt Objekte an der Nahgrenze im Maßstab 1: 2 dar (F/2,8; 1/125 Sek.; ISO-100).

Das Makro-Planar T* 2/50 stellt Objekte an der Nahgrenze im Maßstab 1: 2 dar.

Das Makro-Planar T* 2/50 erreicht seinen größten Abbildungsmaßstab bei einer Naheinstellgrenze von 24 cm. Somit befindet man sich bei Makroaufnahmen recht nah am Motiv. Dieses Objektiv eignet sich somit zum Beispiel hervorragend für die Reproduktion aller möglichen Vorlagen, wie z.B. Postkarten, Fotos und Zeichnungen. Bei digitalen Kameras mit Aufnahmesensoren im APS-C Format und damit einem „scheinbaren“ Brennweitenverlängerungsfaktor von 1,5 bis 1,7 kann man dieses Objektiv auch ideal als leichtes Teleobjektiv für Porträtaufnahmen einsetzen.

Makro-Planar T* 2/100 mit überragender Abbildungsleistung über den gesamten Fokussierbereich (F/5,6; 1/160 Sek.; ISO-320).

Makro-Planar T* 2/100 mit überragender Abbildungsleistung über den gesamten Fokussierbereich.

Als echter Allrounder, insbesondere für digitale Kameras mit einem Sensor in KB-Größe, bietet sich das Makro-Planar T* 2/100 an. Die sehr präzise Fokussiermechanik mit besonders großem Drehwinkel und die für ein Makroobjektiv einzigartige Lichtstärke von 1: 2 ermöglichen die Konzentration auf die wesentlichen Details im Motiv. Aufgrund der längeren Brennweite befindet man sich beim größten Abbildungsmaßstab bereits deutlich weiter vom Motiv entfernt, die Naheinstellgrenze beträgt 44 cm. Somit lassen sich damit auch Tiere abbilden, ohne dass sich der Fotograf extrem nähern muss. Bei Porträtaufnahmen kann man einen angenehmen Abstand zum Modell einhalten.

Balgengeräte und Nahlinsen

Balgengeräte sind die flexibelsten Helfer der Makrofotografie. An ihnen können nahezu alle festbrennweitigen Objektive, Makroobjektive, Vergrößerungs- und Lupenobjektive verwendet werden, wodurch man mit Abbildungsmaßstäben bis 10:1 bis an die Grenzen der Makrofotografie vorstoßen kann.

Nahlinsen werden in das Frontgewinde des Objektivs geschraubt und ermöglichen somit ebenfalls eine stärkere Annäherung an das Motiv. Aufgrund der besseren Abbildungsqualität sollte auf einen Achromat (aus zwei Linsen zusammengekittet) als Nahlinse geachtet werden.

Im nächsten Teil unseres Tipps und Tricks Artikels zur Makrofotografie werden wir an die Praxis heranführen und an Hand von Beispielen das formatfüllende Fotografieren von Kleinstmotiven erläutern sowie Tipps und Tricks geben.

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