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Wie kam es zur neuen Objektivfamilie für spiegellose Systemkameras, und welche Entwicklungsschritte mussten die Objektive auf dem Weg zur Marktreife zurücklegen?

Vor vier Jahren entstand ein neues Marktsegment im Bereich der Fotografie: Spiegellose Systemkameras (engl. Compact System Cameras, CSC), die mit Wechselobjektiven ausgestattet werden. Seitdem ist es das Kamerasegment mit den höchsten Wachstumsraten. Nach anfänglichen Beobachtungen, wie sich der Markt entwickelt, stand für ZEISS fest, dass man diesen Markt aktiv gestalten wolle. Um dem hohen Qualitätsanspruch der Marke ZEISS treu zu bleiben, entschied man sich für Kameras mit APS-C-Sensor, dem größten Sensor, der am Markt für diese Art Kameras bisher verfügbar ist. Die neuen Objektive sollten für Kameras von Sony und Fujifilm entwickelt werden. Die Autofokus-Funktion war von Anfang an dafür vorgesehen. Für den in der Konzeptionsphase definierten und auch vom Markt getriebenen Nutzungsbereich der Alltagsfotografie war die Funktion jedoch fast ein Muss – eine Annäherung an einen größeren Markt, aber auf gewohnt hohem ZEISS Niveau.

Frontlinse Touit 2.8/12

Mit einer Vorstudie starteten die Optikdesigner den Entwicklungsprozess. Erfahrungen, Bauchgefühl und Marktbeobachtungen flossen in eine erste Grobspezifikation ein, die anschließend auf Erfüllbarkeit und Kosten hin überprüft und an die Fertigungsvorgaben angepasst werden musste. Ab diesem Punkt arbeiteten die Optikdesigner eng mit den Mechanik-Konstrukteuren zusammen. „Unser Ziel war, möglichst wenig von den theoretischen Qualitätsvorgaben in der Konstruktion einzubüßen“, erläutert Programmmanager Dr. Michael Pollmann, der den Entwicklungsprozess bei ZEISS steuerte. Neben der Absicherung der Qualität musste auch eine intuitive Bedienung des Objektivs durch die Nutzer sichergestellt werden.

Touit 1.8/32 und Touit 2.8/12 (X-Mount)

Neu für die Mechanik-Konstrukteure waren die elektronischen Funktionen, die sich aus dem Autofokus ergeben. Der Motor, der dabei die Einstellung der Fokus-Position für den Fotografen übernimmt, trägt zusätzlich zum Gewicht des Kamerasystems bei. Gerade bei spiegellosen Systemkameras sind Kompaktheit und geringes Gewicht der Kamera jedoch oft bestimmend für die Kaufentscheidung. Die Entwickler prüften daher, welche Innenteile aus funktionellen Gründen aus Metall gefertigt werden mussten und wo man auf leichtere Materialien umsteigen konnte und gestalteten die innere Objektivmechanik schließlich in einer Metall-Kunststoff-Kombination. Das Außengehäuse ist für hohe Langlebigkeit, mechanischer Stabilität und Unempfindlichkeit gegen Umwelteinflüsse hauptsächlich aus Metall.

Ein weiterer Unterschied zu bisherigen Objektiven liegt in der elektronischen Unterstützung von Korrektur-Funktionen der Kamera, die Bildfehler nachträglich korrigieren. Das Objektiv muss dazu mit der Funktion ausgestattet sein, die Bildeigenschaften an die Kamera zu kommunizieren.

Nachdem Optik- und Mechanikdesign definiert und das erreichbare Qualitätslevel der Objektive festgelegt worden waren, ging es an die Umsetzung der Prototypen. „Dabei erstellen wir mehrere Zyklen von Demonstrationsmustern, um das Konzept zu überprüfen und uns schrittweise dem angestrebten Leistungsniveau anzunähern“, so Dr. Pollmann. Ein erstes Grob-Muster diente der Überprüfung auf offensichtliche Fehler: Lässt sich das Objektiv so bewegen wie nötig? Gibt es Abschattungen bzw. Streulicht? Auch die passende Größe und Funktionsfähigkeit der Elektronik wurde am ersten Prototypen kontrolliert und im folgenden Prozess für das Produkt optimiert.

Im zweiten Prototypenzyklus wurde die Bildqualität überprüft. Dazu stellten die Konstrukteure mehrere Muster her, maßen sie aus und verbesserten sie schrittweise in ihrer Mechanik: „Von Generation zu Generation wurden wir kritischer“, erzählt Dr. Pollmann. „Beim ersten Prototyp überprüften wir, ob z.B. die manuelle Fokusfunktion überhaupt funktionierte – bei späteren dann, wie es sich anfühlte, ihn einzustellen: Rattert er, oder läuft er glatt? Welche Geräusche macht er dabei?“

Die Prototypen-Freigabe bedeutet den Startschuss für die Fertigung der Vorserie. Während die Prototypen noch im Labormaßstab gefertigt wurden, wurde hier überprüft, ob die Objektive, die nach dem Serienprozess gefertigt wurden, wirklich den gewünschten Qualitätsstandard erreichen. Vor wenigen Wochen wurde auch die Vorserien-Freigabe für die Touit Objektive erteilt. Die Touit Objektive waren damit reif für die Serienfertigung.

Die ersten beiden Mitglieder der neuen Objektiv-Familie sind Touit 2.8/12 und 1.8/32, beide mit der bewährten ZEISS T* Beschichtung für hohe Reflex- und Streulichtunterdrückung ausgestattet.

Programmmanager Dr. Michael Pollmann leitete den Entwicklungsprozess bei ZEISS

Programmmanager Dr. Michael Pollmann leitete den Entwicklungsprozess bei ZEISS

Touit 2.8/12 – dank des Distagon-Designs war es möglich, ein so kompaktes und extremes Weitwinkel-Objektiv zu bauen. Elf Linsen sind in acht Gruppen angeordnet. Zwei eingebaute asphärische Linsen ermöglichen die Kompaktheit des Objektivs bei hoher Bildqualität über das gesamte Bildfeld – trotz der kurzen Brennweite. Drei Linsen bestehen aus Materialien mit anomaler Teildispersion um die chromatische Aberration auch bei farbtreuen Bildern mit hohem Kontrast zu reduzieren. Fokussiert wird mit einem „Floating Elements“-Design – alle sechs Linsen werden bewegt.

Elf Linsen sind in acht Gruppen angeordnet (Touit 2.8/12)

Elf Linsen sind in acht Gruppen angeordnet (Touit 2.8/12)

Legende Illustration Touit 2.8/12

 

Fokussiert wird mit einem „Floating Elements“-Design (Touit 2.8/12)

Fokussiert wird mit einem „Floating Elements“-Design (Touit 2.8/12)

Eines der ersten Bilder, das mit dem Touit 2.8/12 aufgenommen wurde

Eines der ersten Bilder, das mit dem Touit 2.8/12 aufgenommen wurde

Eines der ersten Bilder, das mit dem Touit 2.8/12 aufgenommen wurde

Eines der ersten Bilder, das mit dem Touit 2.8/12 aufgenommen wurde

Touit 1.8/32 – ein robustes und kompaktes Standard-Objektiv, das auf das bewährte Planar Optik-Konzept zurückgreift, aber durch Hinzufügen von Linsen an heutige Anforderungen von Digitalkameras angepasst wurde. Die zusätzlichen Linsen waren nötig, um die heutigen Anforderungen für eine bessere Korrektur chromatischer Aberrationen zu erfüllen. Ergebnis sind acht Linsen in fünf Gruppen. Die Fokussierung geschieht hier über eine Gesamtverstellung, wobei sich die Gesamtlänge des Objektivs nicht verändert.

Acht Linsen sind in fünf Gruppen angeordnet (Touit 1.8/32)

Acht Linsen sind in fünf Gruppen angeordnet (Touit 1.8/32)

Die Fokussierung geschieht über eine Gesamtverstellung (Touit 1.8/32)

Die Fokussierung geschieht über eine Gesamtverstellung (Touit 1.8/32)

Eines der ersten Bilder, das mit dem Touit 1.8/32 aufgenommen wurde

Eines der ersten Bilder, das mit dem Touit 1.8/32 aufgenommen wurde

Eines der ersten Bilder, das mit dem Touit 1.8/32 aufgenommen wurde

Eines der ersten Bilder, das mit dem Touit 1.8/32 aufgenommen wurde

„Mit diesen beiden Objektiven haben wir unser Ziel erreicht, den CSC-Markt am oberen Ende zu adressieren“, fasst Dr. Pollmann zusammen. „Wir freuen uns, einen langen Entwicklungsprozess abschließen zu können und sind jetzt extrem gespannt darauf die Bilder zu sehen, die unsere Kunden damit kreieren.“

Im Juni sollen die Touit Objektive im Handel erhältlich sein. An einer dritten Brennweite, dem Touit 2.8/50 Macro wird in der Entwicklung bereits gearbeitet. Es wird voraussichtlich Ende des Jahres auf den Markt kommen. Weitere Brennweiten sind geplant.

Weitere Informationen und Spezifikationen zu den neuen Objektiven finden Sie auf unserer Website: http://lenses.zeiss.com/camera-lenses/carl-zeiss-objektive/camera_lenses/touit/touit2812.html.

2 Kommentare

  1. Wolf Rainer Schmalfuss

    Das “schräge” Architektur-Foto mit dem Touit 2,8/12mm ist nach meiner Ansicht, nun wirklich kein gutes Beispiel für ein gutes SWA Objektiv!

    Antwort
  2. Markus Wörsdörfer

    Today was a good day because I received my first Touit lens, the 32 1.8. I’m pleased to say it meets all my expectations and I’m seriously considering getting the 12 2.8 as well. The handling and feel is superior to the Fuji equivalent . The fact that there is no danger in touching moving lens elements makes a huge difference when working with the lens.
    I hope you are working on a 17 1.8 or 2.0 which would complement the current lineup perfectly.
    Best regards to all involved in the development.

    Antwort

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