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Wie Carl Zeiss den Formenkanon der neuen High-End SLR-Objektive fand

Das Ende des Jahres 2013 auf den Markt kommende High-end SLR-Objektiv spiegelt die neue Design-Sprache am besten wider: die sich nach oben öffnende Trichterform, die handschmeichelnde Oberfläche, der optimierte Fokusring und weitere Details stehen für eine noch bessere Handhabung und ein unverwechselbares Aussehen.
Das Ende des Jahres 2013 auf den Markt kommende High-end SLR-Objektiv spiegelt die neue Design-Sprache am besten wider: die sich nach oben öffnende Trichterform, die handschmeichelnde Oberfläche, der optimierte Fokusring und weitere Details stehen für eine noch bessere Handhabung und ein unverwechselbares Aussehen.

Wenn Ende 2013 das 1.4/55 als erstes Fotoobjektiv der neuen High-End-SLR-Objektivfamilie auf den Markt kommt, wartet es nicht nur mit kompromissloser Bildqualität auf. Gleichzeitig spricht das vollkommen neue, preisgekrönte Produktdesign eine ganz eigene Sprache. „ZEISS Objektive sind für ihre technische Präzision, herausragende Abbildungsleistung und Ergonomie bekannt. Das wird immer so bleiben, da wir die Bedürfnisse und Anwendungssituationen der Fotografen kennen. Gleichzeitig sollen unsere neuen Objektive aber auch den höchsten ästhetischen Ansprüchen unserer Kunden als Designobjekte gerecht werden“, erklärt Martin Dominicus, Marketingleiter bei der Carl Zeiss Camera Lens Division.

Seit über 120 Jahren gibt es ZEISS Fotoobjektive, aber das Produktdesign stand bisher nicht an erster Stelle. Für die neue High-End-SLR-Objektivfamilie wurde nun erstmals bereits bei der Objektiventwicklung die Ästhetik des fertigen Produkts berücksichtigt. Die neu definierten Designmerkmale sollen das Aussehen der Objektive prägen und ZEISS Objektive für die nächsten Jahrzehnte und darüber hinaus unverwechselbar machen.

Dem vor kurzem mit dem renommierten iF Award ausgezeichneten neuen Design der ZEISS Objektive liegt ein langer Findungs- und Entwicklungsprozess zugrunde. Er begann im Jahr 2010, als Carl Zeiss mehrere Agenturen zu einem Wettbewerb einlud, den das Stuttgarter Designstudio Phoenix Design schließlich für sich entscheiden konnte. Während die meisten auf dem Markt verfügbaren Objektive sehr technikorientiert gestaltet sind, war das Ziel von Carl Zeiss von Anfang an, auch die Markenpersönlichkeit der neuen Objektivfamilie über die äußere Gestaltung zu transportieren – Form follows Content statt Form follows Function.

Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen kommt es darauf an, dass der Fotograf oder Filmemacher die Parameter seiner Objektive schnell mit einem Blick erfassen kann.
Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen kommt es darauf an, dass der Fotograf oder Filmemacher die Parameter seiner Objektive schnell mit einem Blick erfassen kann.

Wie aber setzt man die Identität einer Marke in Formen um? Carl Zeiss stellte Phoenix einen Pool an Profifotografen zur Verfügung, die zum Teil schon lange mit ZEISS arbeiteten. In einer Reihe von Interviews mit Fotokünstlern, Produkt- und Automobilfotografen wurden die Kernfaktoren der Marke ZEISS analysiert und mit Attributen versehen. Demnach strahlt die Marke in drei Richtungen: Die Technologie definiert sich über die Begriffskombination „präzise – fortschrittlich – leistungsfähig“. Aus der Anwenderperspektive zählen vor allem die Eigenschaften „logisch – verlässlich – anwenderorientiert“. Die Wirkung der Objektive schließlich wurde als „integrativ – einheitlich – sympathisch – eigenständig“ beschrieben – eine Definition, die bereits recht konkret die gewünschte äußere Gestaltung vorgab: Form und Beschriftung der Objektive sollten als Alleinstellungsmerkmale die Eigenständigkeit der Marke betonen. Gleichzeitig sollen ZEISS Objektive immer als solche einheitlich erkennbar sein.

Die Ergebnisse der Umfragen flossen in einen knapp 50-seitigen Design Guide ein, der die Grundlage für die Entwicklung der konkreten Formelemente bildete. Die für Ende 2013 angekündigten High-End SLR-Objektive für Vollformatkameras, sollten sich demnach vor allem durch ihre weichen und glatten Formen auszeichnen. Die sich nach oben öffnende Gestalt des Trichters fängt maximal viel Licht ein, die glatte Oberfläche drückt Präzision aus, die abnehmbare Streulichtblende wurde in die Gesamtform des Objektivs integriert und steht damit zusammen mit vielen anderen Elementen für reduzierte Komplexität: Nichts soll den Fotografen von seiner Arbeit ablenken.

Dem gleichen Zweck dient auch die neue Fenster-Skala der Objektive: Nur der für den Fotografen aktuell relevante Skalenbereich in der Umgebung des Index-Strichs ist sichtbar; die gelben Skalenziffern, die ebenso wie die Skala selbst professionellen Cine-Objektiven nachempfunden wurden, sind auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut erkennbar und stellen im Bereich der Foto-Objektive ein weiteres Alleinstellungsmerkmal dar. Besonders gut lesbar ist ebenfalls die bei den Objektiven neu eingeführte Normschrift DIN 1451. Diese Schriftart ist nicht nur bekannt für ihr klares, zeitlos modernes Erscheinungsbild. Bereits seit 1936 wird sie im deutschen Straßen- und Bahnverkehr verwendet. Mit feinem Fräser und fester Strichstärke wurde sie ins Objektiv eingefräst.

An den Einstellringen haben Objektive üblicherweise eine Riffelung, die für feinmotorige Einstellungen, wie bei der Bedienung von Fotoobjektiven aber nicht notwendig ist. Carl Zeiss und Phoenix entschieden sich an dieser Stelle deshalb für eine glatte Oberfläche, um eine möglichst starke Haftung zu gewährleisten – vergleichbar mit Formel-1-Reifen, die ebenfalls kein Profil haben. Das Ergebnis ist neben der physikalisch optimierten Haftung auch eine visuell aufgeräumte, präzise Wahrnehmung.

Die Streulichtblende präsentiert sich als optischer Bestandteil des Objektivs. Die angedeutete Trichterform signalisiert hier die hohe Lichtstärke und Leistungsfähigkeit, für die ZEISS Objektive unter anderem bekannt sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Designentwicklung war die Gestaltung der Metallkanten an den Trennfugen zwischen den feststehenden und drehbaren Teilen des Objektivs. Carl Zeiss und Phoenix entschieden sich für besonders feine Fasen, um über die Wirkung der Lichtreflexe Präzision auszudrücken.

Entwicklung des Produktdesigns

Ausgehend vom Design Guide ging es anschließend in die Gestaltung – zunächst eines Objektivs, das frei erfunden war und anschließend des ersten der neuen High-End-SLR-Vollformatobjektive mit einer Brennweite von 55 Millimetern. Während die Designer zu Beginn des Entwicklungsprozesses vor allem mit dem Marketing und Produktmanagement der Carl Zeiss Camera Lens Division zusammengearbeitet hatten, kamen an dieser Stelle die Entwickler ins Spiel, die die Gestaltungsvorschläge in ihr Design einarbeiteten. Von der Handskizze über das 3D-Modell am Computer bis zum Modellbau wurden die Gestaltungsideen von Designern und Entwicklern gemeinsam bewertet und sowohl auf optimale Anwendbarkeit als auch auf ihre technische Umsetzbarkeit überprüft.

Was mit den Objektiven der High-End SLR-Reihe begonnen hat, setzte sich inzwischen in der Gestaltung der gesamten neuen Reihe für spiegellose Systemkameras, Cine- und Anamorphic-Familien fort. Künftig soll die neue Designsprache auf alle weiteren Brennweiten der genannten Reihen als auch auf kommende Objektive angewendet werden. Das Design der High-End SLR-Objektive diente als Vorlage, um die Idealform zu erarbeiten, die perspektivisch alle ZEISS Objektive kennzeichnen soll.

Mehr über das neue Distagon T* 1.4/55 gibt es auch in unserem Video mit Dr. Hubert Nasse zu sehen:

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2 Kommentare

  1. Eberhard Huwald

    Sieht sehr gut aus. Doch sollten zwei Sachen berücksichtigt werden: die Sonnenblende muss abnehmbar sein und sie muss umgekehrt auf das Objektiv passen was dann noch bedienbar sein muss. Wegen der Kostruktion scheint das möglich zu sein.

    MfG E. Huwald

    Antwort
  2. Wolf Rainer Schmalfuss

    Die neue ansprechende Formgestaltung ist bislang nur bei wenigen neuen Zeiss-Objektiven bekannt. Ich bin schon gespannt, wie das bei den extremen Weitwinkelobjektiven gelöst wird, wo die Frontlinse einen sehr großen Durchmesser hat bzw. haben muss! Die relativ großen und glatten Flächen der Fassungen, sollten eine kratzunempfindliche Oberfläche haben, damit die Objektive nach harten Einsätzen, auch noch länger ihre schön designten Strukturen behalten.

    Antwort

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