Dramatische Perspektiven

Der Spanier Carlos Casariego ist ein Meister der Architektur- und Industriefotografie. Er begann seine künstlerische Karriere als Maler. Diese Erfahrungen prägen bis heute sein Werk: Licht, Farbe und Struktur – alles fügt sich in seinen Bildern zu eindrucksvollen Gesamtkompositionen. Mit dem  Distagon T* 2,8/15 von Carl Zeiss eroberte er das für ihn neue Terrain der Superweitwinkel.

Distagon T* 2,8/15; F/11; 1 Sek; ISO-100

Carlos Casariego: „Hier betone ich die breite Perspektive der architektonischen Struktur in Richtung Wandgemälde. Ich verwendete das Distagon T* 2,8/15 bei Blende 11, um eine schöne Tiefenschärfe zu erzielen.“ (Central Hidroeléctrica de Proaza, Asturien, Spanien – entworfen vom Architekt und Maler Joaquín Vaquero Palacios)

 

Herr Casariego, wie kamen Sie zur Fotografie?

Ich bin Autodidakt. Aufgewachsen in einer Familie mit Malern und Architekten, bestimmten Kunst und Ästhetik früh mein Leben. Bis Anfang 30 arbeitete ich als Maler und habe keinerlei Fotoausbildung genossen. Ich studierte Fotobände und besuchte Museen und Kunstgalerien, um mich in technischer und schöpferischer Hinsicht weiterzuentwickeln. Mein Vater hat mir als Kind die Grundlagen der Fotografie vermittelt, aber meine tieferen Kenntnisse stammen aus der Malerei.

Distagon T* 2,8/15; F/11; 0,8 Sek; ISO-100

Carlos Casariego: „Für ein Maximum an Detail und Schärfe ging ich hier mit dem Distagon T* 2,8/15 bei Blende 11 sehr nah ran ans Motiv.“ (Central Hidroeléctrica de Proaza, Asturien, Spanien)

 

Wie würden Sie Ihren Arbeitsstil bezeichnen?

Der Stil interessiert mich nicht so sehr. Ich mache Fotografien, die mich für den Moment begeistern. Wenn ich eine Serie beende, greife ich das Thema nicht wieder auf. Ich mag die Konfrontation mit neuen Herausforderungen und Perspektiven. Das inspiriert mich.

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Momentan an einem Projekt über Wasserkraftwerke in der Umgebung meines Wohnortes Gijón. Die Architektur und das Design eignen sich besonders, um die Möglichkeiten des neuen ZEISS Super Weitwinkelobjektivs Distagon T* 2,8/15 auszuprobieren. Das Objektiv ist wie gemacht dafür, Raum und Schönheit solcher Orte einzufangen und entspricht genau den Anforderungen, die ich brauche.

Distagon T* 2,8/15; F/8; 1,3 Sek; ISO-100)

Carlos Casariego: „Diese frontale Perspektive mit der Wandbemalung am Raumende wählte ich, um eine schöne visuelle Illusion mit Tiefenwirkung zu erzielen. Ich verwendete ein Stativ und das Distagon T* 2,8/15 bei Blende 8, um alles perfekt zu fokussieren.“ (Hidroeléctrica de Miranda, Asturien, Spanien)

 

Können Sie das näher beschreiben?

Ehrlich gesagt, bis auf ein paar wenige Ausnahmen hatte ich noch nie mit einem Superweitwinkelobjektiv gearbeitet. Die Erfahrungen, die ich mit dem Distagon T* 2,8/15 mache, sind wunderbar. Mit einer Aufnahme kann ich den Raum in seiner ganzen Weite festhalten. Die Abbildungsqualität ist überragend, so dass in der Nachbearbeitung kein Stitching erforderlich ist. Die Bilder weisen weder Verzeichnungen noch chromatische Abberationen auf. Ich experimentiere gerne, um mich weiterzuentwickeln. Das Distagon T* 2,8/15 unterstützt Fotografen dabei in vielerlei Hinsicht: Man kann weite, dramatische Perspektiven ebenso gut wie nahe Details aus jedem nur vorstellbaren Winkel einfangen. Das Ergebnis ist immer wieder verblüffend.

Distagon T* 2,8/15; F/8; 2 Sek; ISO-100

Carlos Casariego: „Ein mondäner Besprechungsraum, der den Lärm der Maschinen komplett schluckt. Ich wurde geradezu verführt von der modernen Einrichtung, die so extravagant und farbenfroh daherkommt.“ Aufgenommen mit dem Distagon T* 2,8/15. (Central Hidroeléctrica de Salime, Asturien, Spanien)

 

Was macht für Sie ein gutes Motiv aus?

Mir gefallen Orte, die Geschichten erzählen, mit sichtbaren Spuren des Lebens; natürliche Orte, frei von visuellen Verunstaltungen. Ich schätze besondere industrielle Umgebungen und gute Architektur. An Metropolen wie Havanna, Mumbai und New York reizen mich fotografisch ihre dekadenten Seiten.

Distagon T* 2,8/15; F/2,8; 1/1600 Sek; ISO-100)

Carlos Casariego: „Ich wartete mit dem Distagon T* 2,8/15 auf besonderes Licht, um die Geometrie des Gebäudes einzufangen. dabei folgte ich dem Architekten Joaquín Vaquero Palacios, den die Struktur der angrenzenden Bergkulisse inspiriert hatte. Ich schnitt das Bild als Panoramaaufnahme im 6x10 Format an. Die offene Blende 2,8 mit ihrer interessanten Vignettierung war mir behilflich, um das Auge zum Bildmittelpunkt zu führen.“ (Central Hidroeléctrica de Proaza, Asturien, Spanien)

 

Wie ist Ihre Herangehensweise an Fotoprojekte; haben Sie immer schon ein Bild vor Augen?

Wenn ich eine Idee im Kopf habe, verfolge ich sie so gut wie möglich weiter: lese mich ein, studiere Bilder oder nutze für planerische Überlegungen Google Earth. Ich präge mir die Straßen und ihre Gebäude ein, vor allem im Hinblick auf Lage und Spiel des Lichts auf den Fassaden. Fotografie ist für mich immer auch eine Quelle für neue Ideen: Ich bin stets auf der Suche nach Bildern, in denen ich mich als Person und Fotograf selbst wiederfinde.

Distagon T* 2,8/15; F/5,6; 1/1400 Sek; ISO-100

Carlos Casariego: „Das Distagon T* 2,8/15 half mir genau das Bild zu machen, dass ich auf Anhieb wollte: das komplette Gebäude als magischer Anziehungspunkt. Ich verwendete Blende 5,6 für eine sanfte Vignettierung in den Bildecken.“ (Güterbahnhof mit Lagerhalle für Kohle in Gijón, Asturien, Spanien)

 

Makro-Planar T* 2/100; F/5,6; 1/1400 Sek; ISO-100

Carlos Casariego:„Diese Nahaufnahme des Mauerstein-Gitters, aufgenommen mit dem Makro Planar T* 2/100, ruft eine Art optische Täuschung hervor. Wenn man es länger betrachtet, ist man sich nicht mehr sicher darüber, ob sich die Mauersteine zur rechten oder zur linken Bildseite hin ausrichten. Für den besonderen Effekt wählte ich diesen Blickwinkel bei Blende 5,6, um ausreichend Tiefenschärfe zu erzielen.“ (Gebäudefassade eines Umspannwerks in Avilés, Asturien, Spanien)

 

Distagon T* 2,8/15; F/2,8; 1/320 Sek; ISO-100

Carlos Casariego:„Ich ging so nah ran, wie es mir das Distagon T* 2,8/15 zum Scharfstellen erlaubte und machte die Aufnahme bei Blende 2,8. (Lagerung von Eisenbahnschienen im El Musel Hafen nahe Gijón in Gijón, Asturien, Spanien)

 

Welche Orte, die sie noch nicht fotografiert haben, reizen Sie in Zukunft?

Ich liebe es, zu reisen und dabei neue und andere Kulturen kennenzulernen. Mich faszinieren symbolträchtige Werke der Menschheit wie zum Beispiel die Pyramiden von Ägypten, die Monumentalbauten des Architekten Oscar Niemeyer in Brasilia, das Opernhaus von Sidney, die Kapelle von Le Corbusier in Ronchamp oder das legendäre "Fallingwater" – ein Haus auf einem Wasserfall von Lloyd Wright.

Mit welcher Kamera fotografieren Sie?

Kameras haben mich schon früh begeistert. Derzeit fotografiere ich mit einer digitalen Vollformat Spiegelreflexkamera mit verschiedenen Objektiven. Ich verwende auch eine hochwertige digitale Kompaktkamera und einige andere analoge Spiegelreflex- und Messsucher-Kameras. Die Kamera, mit der ich am liebsten fotografiere, ist und bleibt die Hasselblad 500CM mit dem ZEISS Sonnar T* 4/180. Mit diesem äußerst präzisen Objektiv sich Motiven anzunähern und ihre Oberflächenstruktur zu streicheln.

Welches Wetter und welche Lichtverhältnisse bevorzugen Sie?

Ich liebe die Sonne, vor allem die Kontraste von Licht-und Schatten. Auch bei der Arbeit bevorzuge ich die sonnigen vor den grauen Tagen. In Gebäuden nutze ich überwiegend natürliches Licht, sehr selten künstliche Beleuchtung und niemals Blitz. Ich habe früher auch POL Filter verwendet, aber seit Anbruch der digitalen Fotografie nicht mehr. Wofür auch? Ein Stativ hingegen ist oft unverzichtbar. Aber wann immer ich kann, schieße ich meine Bilder auch aus der Hand.

Distagon T*2,8/15; F/11; 1/200 Sek; ISO-100

Carlos Casariego: „Den Kriterien des Architekten folgend, suchte ich nach der Einfachheit von Linien, Formen und Farben. Ich verwendete das Distagon T* 2,8/15 bei Blende 11.“ (Centro Cultural Internacional Oscar Niemeyer, Avilés, Asturien, Spanien)

 

Ihr stolzester Moment als Fotograf?

Dass ich jeden Tag der Arbeit nachgehe, die ich liebe.

Wie machen Sie auf Ihre Arbeit aufmerksam?

Es besteht immer eine Synergie zwischen „normalen” Arbeitsaufträgen und denen mit künstlerischem Anspruch: Letztere generieren Interesse und idealerweise Aufträge, ohne die sich die künstlerische Arbeit nicht finanzieren ließe. Beides ist eng miteinander verbunden, so wie auch meine Webseite und mein Blog. Auf der Webseite präsentiere ich mein gesamtes Portfolio, auf dem Blog einzelne Projekte, Impressionen und persönliche Ansichten.

Distagon T*2,8/15; F/8; 1/10 Sek; ISO-100

Carlos Casariego: „Als ich auf dem Hafengelände mein Stativ schon abbauen wollte, fiel mir dieser grandiose Anblick ins Auge. Ich verwendete das Distagon T* 2,8/15, um die gesamte Perspektive in den letzten Sonnenstrahlen einzufangen. Blende 8 brachte optimale Tiefenschärfe.“ (Lagerhalle im El Musel Hafen nahe Gijón, Asturien, Spanien)

 

Was kommt für Sie als nächstes in der Welt der Fotografie?

Ich möchte so lange fotografieren, wie ich nur kann. Das Beste kann immer noch erreicht werden.

Welchen Rat geben Sie Amateurfotografen?

Üben, üben, üben. Aus Fehlern lernen. Niemals die Leidenschaft verlieren.

 

(Über Carlos Casariego)

Carlos Casariego, 1952 in Oviedo (Spanien) geboren, lebt in der Hafenstadt Gijón in Nordspanien. Als Spross einer Künstlerfamilie schlug er schon früh eine künstlerische Laufbahn ein. Bis Anfang 30 widmete er sich voll und ganz der Malerei. Seine Bilder zeigte er auf zahlreichen Ausstellungen und besserte sein Einkommen mit Aufträgen als Fotograf und Grafikdesigner auf. Seit 1985 ist er hauptberuflich als Fotograf tätig. Seitdem begeistert er Fachwelt und Publikum mit seiner Architektur- und Designfotografie. Internationale Auszeichnung: “Hasselblad Master 2003″, Göteborg, Schweden.

Carlos Casariego fotografiert von seinem Sohn Samuel Casariego

Carlos Casariego fotografiert von seinem Sohn Samuel Casariego

http://www.carloscasariego.com/

http://www.carloscasariego.com/blog/

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