Fotografie extrem

Der passionierte Bergsteiger und Fotograf Andreas Bogenschütz hat auf seinen Klettertouren stets ein ZEISS Objektiv im Gepäck. Fotografisch reizen ihn an der Bergwelt die extremen, kontrastreichen Motive sowie die Herausforderung, Mensch und Natur im Einklang festzuhalten.

Der Kletterer beim so genannten „Dynamo Sprung“. Objektiv : Distagon T* 1,4/35 ZF.2. (F8; 1/250sek; ISO-50)
Der Kletterer springt beim so genannten „Dynamo Sprung“ den rettenden Henkel an. Objektiv: Distagon T* 1,4/35 ZF.2.

Die Wand ist steil – nahezu senkrecht. Bogenschütz hat sich an einer gut gesicherten Stelle in 30 Meter Höhe positioniert, um den unter ihm hängenden Kletterer bei einer besonders waghalsigen Aktion zu fotografieren: einem Dynamo. So nennen die Profis das Überwinden einer glatten Kletterstelle, die nur mit einem geübten Sprung zu meistern ist. Nichts für schwache Nerven, da man die Kontrolle einen Moment lang vollkommen aufgeben muss.

Bei diesem Bild will Andreas Bogenschütz nichts dem Zufall überlassen. Schon deshalb nicht, weil solche zwingenden Kletterstellen äußerst selten sind. Auch soll das Bild die Wirkung und Ästhetik der Wand widerspiegeln: Nur an wenigen kleinen Unebenheiten ist es hier überhaupt möglich, sich festzuhalten.

Gute Vorbereitung ist alles

„Um den Vordergrund geschickt zu betonen, wollte ich kein extremes Weitwinkel benutzen, da sonst die Proportionen des Kletterers zu sehr verzerrt würden. Zudem brauchte ich etwas Abstand von der Wand, damit die Tiefe hinter dem Akteur zusätzlich hervorsticht“, beschreibt Bogenschütz seine Herangehensweise. Allein der Aufbau dieser Abstandskonstruktion nahm im Vorfeld mehrere Stunden in Anspruch. Zu zweit befestigten sie eine kleine Leiter waagerecht oberhalb des Ausstiegs und justierten die Position durch Probeaufnahmen genau auf den späteren Bildausschnitt. Der Fotograf entschied sich für eine Festbrennweite ohne Autofokus: das Distagon T* 1,4/35 ZF.2.

Bei so viel Akribie soll natürlich auch das Licht stimmen. Durch die nordwestseitige Lage erreicht die Sonne die Kletter -Felswand erst sehr spät und wirft ein strenges Seitenlicht auf die Szenerie. Diesen Lichtcharakter gilt es zu erhalten und mit einem Blitzlicht aufzuhellen, ohne Gegenschatten zu erzeugen. Diese hätten nämlich die Flächigkeit der grauen Kalkplatte unterbrochen. Also bedient sich Bogenschütz eines Ringblitzes, gespeist von einem Mobil-Generator. Somit steht genügend Blitzpower zur Verfügung, um mit hoher Blendenzahl zu arbeiten. Konkret mit einer Blitzverschlusszeit von 1/250 Sekunden und Blende 8 ½ bei ISO 50. Der Blitzgenerator auf kleiner Leistung erfüllt seinen Job tadellos: Er hellt wie gewünscht die tiefen Schatten wirkungsvoll auf.

Mehrere Sprünge für das perfekte Bild

Dann wird es spannend: Der Kletterer macht einen weiten Satz von der letzten brauchbaren Griffposition und erreicht den Zielgriff. Puh, geschafft. Zumindest dieses Mal. Doch manchmal fehlen ein paar Zentimeter. Dann stürzt er mehr oder weniger kontrolliert in die Sicherung, was selbst für einen Könner stets eine unangenehme Erfahrung ist. Andreas Bogenschütz: „Darüber habe ich mich vorher lange mit dem Kletterer unterhalten, ob er sich das mehrfach hintereinander zutraut. Denn mir war klar, dass ich einige Sprungversuche brauche, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen.“

Doch im Moment der Aufnahme legt sich die Nervosität des Fotografen schnell, als er die Gelassenheit erkennt, mit der der Kletterer einen Sprung nach dem anderen ausführt. Bogenschütz bleibt sogar noch die Zeit, seine Position leicht zu verändern, um die Szene aus noch steilerer Perspektive einzufangen. Das Ergebnis lässt nicht lange auf sich warten: Schon nach dem dritten Versuch zeigt das Vorschaubild in der Lupe eine überragende Detailschärfe und perfekte Ausleuchtung. Überrascht ist der Fotograf dennoch von der Tatsache, dass er trotz aller auf Geschwindigkeit getrimmten Einstellungen, sogar die einzelnen Schweißperlen auf dem Foto zählen kann und gleichzeitig ein bewegungsbedingter Wischeffekt sichtbar ist. „Das zeigt, welche Brillanz und feinen Details mit der richtigen Optik aus hochauflösenden Sensoren herausgeholt werden kann.“ Es unterstreicht auch, dass sich der Einsatz von manuell fokussierbaren Objektiven nicht nur auf überwiegend statische Fotografie beschränkt. Mit den geeigneten Fokussierhilfen und der Intuition für den richtigen Augenblick lassen sich auch hochdynamische Szenen einfangen.

Jeder Griff muss sitzen. Aufgenommen mit dem Makro- Planar T* 2/100 (F/13; 1/250sek).
Jeder Griff muss sitzen, nicht nur beim Kletterer auch beim Fotografen.  Aufgenommen mit dem Makro-Planar T* 2/100.
Klare Kanten und feine Details. Ein Fall für das Distagon T* 2/25 (F/5,6; 1/160sek;ISO-100).
Klare Kanten und feine Details. Ein Fall für das Distagon T* 2/25.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Atemberaubende und schmerzvolle Momente in den Bergen

Andreas Bogenschütz liebt Extremfotografien, erfreut sich aber genauso an Landschaftsmotiven. Unvergessen ist ihm eine Tour im letzten Sommer, bei der er mit einem Freund durch die massive Felswand des Großen Wellhorns in der Zentralschweiz kletterte. Der Tag klang schon aus. Seit den frühen Morgenstunden legten sie rund 800 Höhenmeter zurück mit zum Teil schwierigsten Kletterpassagen. Gerade als sich sein Kamerad zu einer der schlecht gesicherten Schlüsselstellen aufmacht, bricht die Abendsonne durch den wolkenverhangenen Himmel und beleuchtet die tief unter ihnen liegende Zunge des Rosenlauigletschers. „Ein Wahnsinnsbild“, so Bogenschütz. Doch zum perfekten Landschaftsfoto kommt es nicht: Die Kamera liegt vergraben im Rucksack, weil die Konzentration dem Kletterpartner galt, der die letzten Kräfte mobilisierte, um den Kampf gegen die Schwerkraft zu gewinnen. „Bis ich wieder die Zeit zum Fotografieren hatte, war der Zauber des Augenblicks längst vorbei.“ Das schmerzt, weiß er doch, dass ein solcher Moment nicht wiederkommt.

Situationen wie diese sind für Bogenschütz der häufigste Zwiespalt, seit er den Bergsport für sich entdeckt hat. Denn oft lassen sich außergewöhnliche Touren oder Bildideen nur durch die bewusste Konzentration auf eines von beiden umsetzen: Fotografie oder Sport. Egal, was er dann tut, jedes Mal begleitet ihn subtil der Gedanke, wie schön es wäre, jetzt gerade das andere zu tun. Doch diesen inneren Kampf nimmt er aus Liebe zu beiden Hobbies gern in Kauf.

Und schöne Bilder entstehen letztlich doch meist, gerade auf langen Bergtouren. Ein unschlagbares Motiv ist und bleibt für Andreas Bogenschütz das Matterhorn im Schweizer Wallis. „Es lässt sich kaum toppen, wenn man in den frühen Morgenstunden von einer hochgelegenen Alpenhütte über Zermatt aufbricht und das majestätische Matterhorn im zarten Licht der Morgensonne seinen Gipfel majestätisch in den Himmel reckt.“ Doch er warnt zugleich: Die Euphorie dürfe niemals zu Übermut und unkontrollierbarem Risiko führen. Oberstes Gebot sei stets, alles daran zu setzen, wieder heil ins Tal zu kommen. „Denn kein Motiv lohnt es, dafür sein Leben zu riskieren.“

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3 Kommentare

  1. Lauric Weber

    Tolle Bilder!!
    Und ein sehr ansprechender Text. Als ebenfalls dem Bergsport Verfallener fühle ich uneingeschränkt mit!
    Wenn dann schliesslich solche Bilder dabei herauskommen lohnen sich Verzicht und Aufwand wirklich!
    Gratulation !!!

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  2. Norman Röder

    Super Beitrag!!
    Da sieht man mal, was rauskommen kann, wenn die (leider meist wenige) Freihzeit sinnvoll genutzt wird.
    Also schnell wieder raus, sobald es geht.

    Antwort
  3. Hans-Albert Liebetrau

    Alles super! Ich frage mich jedoch, ob ein Objektiv mit Autofokus in Grenzsituationen nicht doch die bessere Wahl ist. Ich habe eine Canon 5D Mark II und habe schon große Probleme in Situationen ohne Stress und mit Stativ. Die gleiche Aufnahme mit einem Autofokusobjektiv ist oftmals die schärfere.

    Antwort

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